13:56 12 Dezember 2018
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    An-124 Ruslan (Archiv)

    Frachtriesen unter russischer Flagge: Wer hat Kiew die Flugzeuge „geklaut“?

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    Dmitri Lekuch
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    Der fliegende Schwerlaster An-124 Ruslan ist ein exzellenter Arbeitsriese. Er ist weltweit dermaßen gefragt, dass Russland und die Ukraine bereits vor über zehn Jahren vereinbart haben, das Frachtflugzeug wieder in Serie zu bauen. Danach sagte Kiew aber die lukrative Zusammenarbeit ab – zugunsten eines illusorischen Pentagon-Projekts.

    Im Oktober 2006 einigten sich der russische Präsident Putin und sein damaliger ukrainischer Amtskollege Juschtschenko auf eine Zusammenarbeit hinsichtlich der An-124. Kein Jahr später verständigten sich die beiden Seiten darauf, die Serienproduktion des Großraumfliegers wieder aufzunehmen. Kunden waren ja da. Allein der russische Luftfrachtlogistiker Volga-Dnepr hatte einen Bedarf von circa 100  Maschinen dieses Typs in modernisierter Variante bis 2030 angemeldet.

    Um die Serienfertigung zu starten, waren mindestens 40 feste Vorbestellungen erforderlich, die auch eingingen. Ab 2012 sollten die Schwerlasttransporter (einst vom sowjetischen, in Kiew beheimateten Antonov-Konzern entwickelt) in der russischen Industriestadt Uljanowsk gebaut werden. Dann kamen die Amerikaner dazwischen.

    Der damalige Direktor des nunmehr ukrainischen Antonov-Konzerns, Dmitri Kiwa, erklärte, seine Firma sei als Bewerber zu einer Ausschreibung des US-Verteidigungsministeriums zugelassen worden. Das Pentagon wollte Tankflugzeuge bestellen und der Antonov-Konzern schickte drei seiner Modelle ins Rennen. Diese wurden von den Verantwortlichen in der US-Behörde gleich in der ersten Ausschreibungsrunde – erwartungsgemäß – aussortiert. Doch das war noch nicht alles.

    Um dem Pentagon seine Modelle anbieten zu dürfen, hatte Antonov die bereits vereinbarte Zusammenarbeit bei der An-124 mit den Russen bis 2016 aufgeschoben. Diese Firstverlängerung erwies sich als das Ende des russisch-ukrainischen Projekts: 2014 kündigten die neuen Machthaber in Kiew die Kooperation endgültig. Aber der ukrainische Flugzeugbauer existierte zu dem Zeitpunkt ohnehin faktisch nur auf dem Papier.

    >>Mehr zum Thema: „Schwierig, aber lösbar“: Rogosin über Produktionswiederaufnahme von An-124 „Ruslan“

    Die An-124 ist indes trotz ihres unglücklichen politischen Schicksals eine ausgezeichnete Maschine. Wohl nicht ohne Grund berichteten Medien immer wieder über „geheime Verhandlungen“ zwischen dem russischen Luftfahrtkonzern UAC und dem ukrainischen Flugzeugbauer Antonov.

    Das Ergebnis dieser angeblichen Verhandlungen ist der Öffentlichkeit unbekannt, doch deutet alles darauf hin, dass die Russen sich letztlich zu folgendem entschieden haben: Aufgabe der Zusammenarbeit mit den Ukrainern, eigenständige Modernisierung des Flugzeugs und Vermarktung unter einem neuen Namen. Dies erklärte jedenfalls kürzlich der Luftfahrtexperte Juri Sytnik, Mitglied der präsidialen Fachkommission für die Entwicklung der Luftfahrt.

    Die ukrainische Seite wird sicherlich mit aller Kraft behaupten, dass Russland dies nicht könne und nicht dürfe. Doch die technischen und rechtlichen Grundlagen für den Bau der An-124 sind dem russischen UAC-Konzern gegeben. Überhaupt ist „Ruslan“ schon heute ein zu 95 Prozent russisches Flugzeug. Auch aus einer anderen Sicht wäre es gerechtfertigt, dass Russland den Schwerlastriesen wieder in Serie fertigt.

    Aus dem einfachen Grund nämlich, dass die Ukraine – einst der „Ruhrpott“ der Sowjetunion mit einer starken Forschung, Industrie und Infrastruktur – sich seit einigen Jahren bewusst und zielgerichtet von dem sowjetischen Erbe lossagt. Der ukrainische Himmel ist für die An-124 – den Stolz der ehemaligen sowjetischen Flugzeugindustrie – inzwischen einfach fremd geworden. Da ist es nur nachvollziehbar, dass diese Maschine demnächst ausschließlich unter russischer Flagge fliegen wird. Dafür muss man auch nicht die „bösen Russen“ verantwortlich machen: Es ist schlicht eine logische Konsequenz dessen, dass die Ukraine auf „heldenhafte Weise“ mit ihrer Tradition und Zivilisation gebrochen hat.

    >>Mehr zum Thema: Ukrainischer Antonov-Konzern bestätigt Gespräche mit russischer Fluglinie

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    Tags:
    Flugzeugbau, Zukunft, Zusammenarbeit, An-124, Antonov, Pentagon, Viktor Juschtschenko, Wladimir Putin, Russland, Ukraine