21:28 20 Oktober 2018
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    Starke und geeinte EU: Für „alten Spalter Russland“ eine gute Sache

    © AP Photo / Yorgos Karahalis
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    Viktor Murachowski
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    Russland will die EU spalten – diese Kampfparole wird den Europäern gerade mit aller Wucht eingehämmert. Kaum ein angelsächsisches Leitmedium kommt in der Berichterstattung über Russland ohne diese Floskel aus.

    Dieser Glaubenssatz vom spaltenden Russland gilt in manch einer Zeitungsredaktion genauso als unumstößliche Wahrheit wie all die Beteuerungen von Moskaus Schuld an der „Ermordung“ des Bloggers Babtschenko, an der Vergiftung des Agenten Skripal und am Abschuss der malaysischen Boeing.

    Mag es auch paradox erscheinen, doch die größte Flut dieser „Warnungen“ schießt aus Großbritannien hervor – einem Land, das die EU verlassen will, und jetzt versucht, Europas Politik von außen zu bestimmen. Es ist in der Tat ein Problem, dass die größten Spalter der EU solche Länder sind, die aus ihrer Mitte kommen. Da ist fast schon nebensächlich, dass diese Länder auch die größten Russlandskeptiker sind. Man kann ja weder Großbritannien noch beispielsweise Polen einen Mangel an russlandkritischer Haltung vorwerfen. Zugleich versuchen diese beiden Länder, der Kern-EU jeweils auf eigene Weise das Leben schwer zu machen.

    Einige Beispiele: Der Aufnahme von Flüchtlingen haben sich London und Warschau verweigert; beide bekämpfen tapfer Gasrouten, die sie eigentlich gar nicht betreffen; und Polen fordert von Deutschland munter Reparationen, während es jährlich 17 Milliarden Euro aus dem EU-Haushalt erhält. Indes hat Großbritannien die Tür zur Europäischen Union zugeschlagen, um keine Beiträge an Brüssel zu entrichten, kämpft jedoch erbittert darum, sich die Vorteile des europäischen Binnenmarktes zu bewahren.

    >>Mehr zum Thema: Kein Ziel, jemanden in EU zu spalten: Moskau an einheitlicher EU interessiert – Putin

    Als ein immer größeres Problem erweist sich vor diesem Hintergrund der größte europäische Verbündete: die USA. Denn während man einen Wirtschaftskrieg gegen Russland und den Iran noch damit begründen kann, dass diese Länder irgendwie schlecht seien, lösen Strafzölle und Sanktionen gegen europäische Firmen bei den Europäern die berechtigte Frage aus, worin eigentlich noch die gemeinsamen Werte mit den Vereinigten Staaten bestünden.

    Also zeichnen die Stimmungsmacher in Europa gerade ein Weltbild, in dem die größten Feinde der EU nach wie vor Russland und China sind. Ja, diese Länder wollen zwar Handel treiben mit der EU und bieten dabei ja auch lukrative Vorteile. Aber das darf man denen nicht abkaufen. Denn das einzige, was man wirklich weiß, ist doch, dass Moskau und Peking einen Hybridkrieg gegen die EU führen – einen so unsichtbaren und so subtilen Krieg, dass man den überhaupt nicht nachweisen kann. Aber daran glauben kann – nein, muss – man.

    Und der größte Freund der EU sind in diesem propagandistischen Weltbild die USA. Es stimmt natürlich, dass sie gerade versuchen, Europa das Fell über die Ohren zu ziehen. Aber daran ist doch nur Tölpel Trump schuld. Das muss man einfach nur aushalten, bis der nächste US-Präsident kommt und ganz bestimmt alles wiedergutmacht. Die hartnäckigen Versuche der Obama-Regierung, Europa eine unverhohlen kolonialistische „transatlantische Handelszone“ aufzuzwingen, haben zwar alle noch in Erinnerung. Aber nach Trump wird ganz bestimmt alles wieder gut – man muss es nur glauben.

    Glauben muss man demnach auch, dass Russland der EU an den Kragen will. Weil die Medien aus den besagten Ländern Russlands böse Absichten anhand der abgestürzten Boeing, des vergifteten Spions und des „ermordeten“ Bloggers nicht so eindrücklich belegen konnten, versuchen sie es erst gar nicht mehr. Die britische „The Guardian“ bringt es auf den Punkt: „Man muss nicht wirklich sehen, dass Russland Menschen vergiftet, um die wachsende Gefahr für die gemeinsamen Werte zu erkennen, die von dem feindlichen und verdorbenen Putin-Regime ausgeht.“

    …Zu erklären, warum Russland ausgerechnet eine geeinte, wohlhabende und starke EU braucht, wäre indes um einiges einfacher und ginge ganz ohne Glaubensbekenntnisse und Werteappelle.

    Russland braucht eine wohlhabende EU, weil sie unser größter Handelspartner ist (Russlands Handelsbilanz mit der Europäischen Union ist stets im Plus). Russland braucht eine geeinte EU, weil ein geeintes Europa, das sich zentral um seine Sicherheit kümmert, für uns ein weitaus kleineres Problem ist als eine Kette unberechenbarer „Amerika-Freunde“ entlang unserer West-Grenzen. Russland braucht eine souveräne EU, weil die Anti-Russland-Sanktionen der Europäischen Union nichts nützen. Würde die EU ihre Souveränität wiedererlangen, würden diese mit Sicherheit abgeschafft.

    >>Andere Sputnik-Artikel: Ein Staat gibt seine Tarnung auf – Der äußere Feind wird immer wichtiger

    Insofern ist es kein Zufall, dass Österreich das Land ist, welches Putin nach seiner Amtseinführung als erstes besucht.  Dieses Land ist europäisch, wohlhabend, Nato-neutral und es setzt sich konsequent für das Ende der antirussischen Politik in Europa ein. Österreich ist also der Prototyp jener souveränen EU, mit welcher Russland es im 21. Jahrhundert gern zu tun hätte…

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    Tags:
    US-Sanktionen, Flüchtlinge, NATO, EU, Wladimir Putin, Donald Trump, Arkadi Babtschenko, Sergej Skripal, Österreich, Iran, USA, Großbritannien, Russland, Europa