22:32 15 Dezember 2018
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    Sowjetische Überschallbomber Tu-22M3 (Archivbild)

    Luftmonster mit Hyperschall-Dreizack: Trifft Bomber-Upgrade die US-Flotte ins Mark?

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    Nikolai Protopopow
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    Wie US-Flugzeugträger zu „schwimmenden Zielscheiben und nutzlosem Spielzeug“ werden: Die russische Luftwaffe modernisiert ihre Tu-22-Bomber. Die Überschalljets werden vorbereitet für die neuesten Hyperschallwaffen, die US-amerikanische Flugzeugträger bekämpfen können. Fachleute schätzen ein: Die US-Flottendoktrin ist somit hinfällig.

    Er ist eigentlich ein Allrounder: Der russische Überschallbomber Tu-22M3. Er war schon an vielen Krisenherden der Welt im Einsatz: Bei der Friedensmission in Georgien etwa und mehrmals auch in Syrien, wo der Bomber befestigte Stellungen von IS-Terroristen angriff. Seine Kernkompetenz ist aber die Bekämpfung von Seezielen.

    1989 hatte die sowjetische Luftwaffe die Tupolew Tu-22M3 – Nato-Code „Backfire“ – in Dienst gestellt. Mit maximaler Waffenlast von 24 Tonnen kann der Kampfjet mehrere Tausend Kilometer weit von seiner Basis agieren – mit bis zu doppelter Überschallgeschwindigkeit (Mach 2). Im kommenden August startet die modernisierte Variante Tu-22M3M zum Erstflug. Schon im Herbst dieses Jahres wird die Maschine bei der russischen Luftwaffe erwartet. Geplant ist, alle Tu-22M3 (derzeit 40 Stück) zu aufzurüsten.

    Modernisierte Bordsysteme

    Die Avionik sowie die Ziel- und die Navigationssysteme des Bombers sollen modernisiert werden. Sein Einsatzwert steigt so um ein Vielfaches. Das Herzstück der Upgrade-Variante ist eine neue Bordanlage, die den Einsatz der neuesten russischen Antischiffsrakete Ch-32 ermöglicht. Seit 2016 verfügen die russischen Streitkräfte über die neue Präzisionswaffe, die als Nachfolgerin der Ch-22 in den Dienst gestellt wurde.

    Gegenüber ihrer Vorgängerin hat die neue Lenkwaffe etliche entscheidende Vorteile. Der größte Trumpf der Ch-32 ist der störfeste aktive Zielsuchkopf, dem kein heute bekanntes System der elektronischen Kampfführung (Eloka) etwas anhaben kann. Das stärkere und sparsamere Triebwerk der Rakete erhöht dessen Reichweite: Für einen Schlag gegen einen Flugzeugträger braucht eine Tu-22M3M das Ziel nicht so nah anzufliegen, dass sie abgefangen werden könnte.

    Unberechenbar für Abwehrsysteme

    Die hyperschallschnelle Ch-32 fliegt in einer Höhe von 40 Kilometer zum Ziel. Das übersteigt die Reichweite schiffsgestützter Abfangraketen deutlich. Aber bei einer Geschwindigkeit von Mach 5 ist sie ohnehin fast doppelt so schnell wie die US-Luftabwehrrakete SM6, die die US-Marine zum Schiffsschutz einsetzt. Überdies ist die russische Lenkwaffe im Wortsinn unberechenbar: Auf dem letzten Teilstück der Flugbahn, unmittelbar vor dem Ziel, geht die Hyperschallrakete abrupt zum steilen Sturzflug über. Je nach Einsatzzweck kann die russische Rakete mit einem panzerbrechenden oder einem atomaren Gefechtskopf bestückt werden. Drei dieser Flugkörper kann eine Tu-22M3M aufnehmen.

    „Die Chancen stehen praktisch bei null, den Überschallbomber abzufangen, wenn er einen Flugzeugträgerverband anfliegt“, sagt der Militärexperte Konstantin Siwkow. „Die Reichweite einer Ch-32 beträgt rund 1000 Kilometer, der Aktionsradius der Marineflieger liegt aber bei 400 Kilometern – wenn die Abfangjäger in der Luft patrouillieren, bei 600 Kilometern, was jedoch auch nicht ausreicht. Zudem macht die Hyperschallgeschwindigkeit die Rakete für die Raketenabwehr des Verbands unverwundbar. Insofern ist die Tu-22M3M eine ernsthafte Bedrohung für die Flugzeugträgerflotte der USA.“

    US-Flottendoktrin anfällig geworden

    Zu schutzlosen Kähnen macht der modernisierte Bomber die US-amerikanischen Flugzeugträger natürlich nicht. Die Flugzeugträgerverbände – das Symbol für die Schlagkraft der USA – werden dank ihrer effektiven Raketen- und Artilleriesystemen sowie Eloka-Anlagen eine ernste Bedrohung bleiben. Aber die neuen Fähigkeiten der modernisierten russischen Bomber schwächen die Abwehr der US-Flotte erheblich.

    „Zusätzliche Bedrohung für die gesamte Flugzeugträgerflotte der USA stellen auch die chinesischen Dongfeng-Raketen dar, die eigens zur Bekämpfung der schwimmenden Flugplätze konzipiert wurden“, so Experte Siwkow. „Alle reden davon, dass die US-Amerikaner große Probleme haben, die Sicherheit ihrer Flugzeugträger zu garantieren. Im Grunde müssen sie ihr ganzes Flottenkonzept auf den Prüfstand schicken

    Bezeichnend ist in diesem Zusammenhang, dass selbst Fachleute aus den USA auf die Anfälligkeit der US-Flottendoktrin hinweisen. Nachdem die russische Hyperschallwaffe „Zirkon“ erfolgreich getestet worden war, warnte das Politmagazin „The National Interest“, den Flugzeugträgern blühe das Schicksal „schwimmender Zielscheiben“. Die „Zirkon“ werde einen Flugzeugträgerverband gar nicht nah genug heranlassen, als dass dieser Bodenziele angreifen könnte. Die US-Schiffe würden so zu „teurem und nutzlosem Spielzeug“.

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    Tags:
    Flugzeugträger, Langstreckenbomber, Ch-32, Ch-22, Tu-22M3, NATO, Sowjetunion, UdSSR, USA, Russland