20:27 21 Juni 2018
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    ARD wegen Russlandbericht Staatsfeind? Kannibalismus im deutschen Medien-Schützengrab

    © Sputnik / Sergej Subbotin
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    Philipp Laiko
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    Während die G-7-Staaten sich eine Armee von Medienkriegern gegen „Manipulation und Propaganda“ aufbauen, empfinden sich Vertreter einiger deutscher Vorzeige-Blätter offenbar schon als Krieger an der Frontlinie. Wer auf Dialog und Krisenlösung bei den Russland-Beziehungen setzt, wird wie ein übler Kriegsverräter behandelt und in die Knie gezwungen.

    Die achte Todsünde: Perspektivwechsel

    „Rapid Response Mechanism“ (RRM) – so soll in baldiger Zukunft ein pan-europäisches und amerikanisches Abwehrsystem heißen, das eine koordinierte und schnellere Reaktion auf Wahlmanipulationen, Propagandaattacken und andere „inakzeptable Handlungen“ ermöglichen soll.  Gemeint ist dabei selbstverständlich Russland.

    Einen solchen Entwurf der Gipfelerklärung haben nun Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada, Japan und die USA diese Woche in Quebec unterschrieben.

    Pünktlich zu diesem Ereignis zeigten mehrere Medien-Vertreter ihre Abwehr-Fertigkeiten. Da aber der wahre Feind bekanntermaßen oft in den eigenen Reihen sitzt, wurde das ARD-Politmagazin MONITOR zum ersten Übungs-Ziel auserkoren. Wegen zu „russlandfreundlicher“ Rhetorik natürlich.

    Zur Veranschaulichung zitieren wir dieses sündhafte Vergehen: „Panzerverlegungen, Truppenmanöver, Aufrüstung – fast wie im Kalten Krieg stehen sich in Osteuropa tausende russische und westliche Soldaten gegenüber. Die Stimmung wird immer feindseliger. Schuld sei die aggressive Politik Russlands mit der Annexion der Krim und dem militärischen Eingreifen in der Ostukraine und Syrien, sagt die NATO. Was dabei regelmäßig ausgeblendet wird: Auch der Westen setzt seit Jahren auf Aggression und Provokation statt auf Diplomatie und Kooperation – und heizt den Konflikt mit Russland damit an“, so im Wortlaut der annoncierte Kurzinhalt der ARD-Sendung, in der sich der Leiter und Moderator des Politmagazins, Georg Restle, eigenen Angaben zufolge um einen Perspektivwechsel bemüht hat.

    Beachtlich ist dabei, dass die Titel anderer Berichte aus der Serie eher von scharfer Kritik gegenüber Russland zeugen:  „Tschetschenien und die Fußball-WM: Die Welt zu Gast beim Diktator“.

    Schlagabtausch in den eigenen Reihen

    Der Bericht des Politmagazins wurde selbstverständlich zu einem gefundenen Fressen. Für ein Retweet erntete ARD wie auch der „Propaganda-Sender“ RT mächtig Kritik vom Herrn Boris Reitschuster, Publizist und Moskauer „Focus“-Leiter a.D.

    „Putins Propaganda-Sender RT verbreitet Inhalte von ‚Monitor‘ (ARD) — weil sie eins zu eins klingen wie die Lügen des Kremls. Der legendäre Monitor-Chef Klaus Bernarz, großer Russland-Kenner und Putin-Kritiker, dreht sich wohl im Grabe“, schrieb  der Osteuropa-„Experte“ in seinem Twitter-Account.

    Belege dazu, dass der ARD-Bericht nicht der Wahrheit entspricht, lieferte Reitschuster nicht. Laut Julian Röpcke, dem politische Redakteur von der „Bild“-Zeitung, hätten die ARD und Georg Restle gar „endgültig den Verstand verloren“. Bei welchem Zeitpunkt genau die ARD schon davor den Verstand verloren hatte und worin genau diese Verrücktheit besteht, wollte Herr Röpcke nicht preisgeben. „Wie tief kann man sinken“, so Röpcke.

    In einem darauffolgenden Schlagabtausch mit Restle kam es auch weiterhin zu keinen Argumenten, dafür aber zu solchen Bezeichnungen wie „einseitige, verlogene und tendenziöse“ Berichterstattung, die man „sonst nur im russischen Staats-TV“ sehe.

    Georg Restle verteidigte seine Sichtweise mit „Perspektivwechsel ist keine Propaganda“. Für Röpcke auch keine Option. 

    Worauf Röpcke in Berichten  über Russland setzt, bleibt auch unklar. Soll auf einen Krieg eingeschwört werden? Passt Herr Röpcke auch die von Restle organisierte, zweifelsfrei friedensstiftende Telebrücke mit Moskauer Journalisten nicht? Wo sind die Argumente, was genau stimmt am ARD-Bericht nicht?

    Trotz ausbleibender Argumentation warf die ARD die Flinte kurz danach kleinmütig ins Korn.

     

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    Parallelen zur Ukraine, kleines Röpcke-Dossier

    Wieso wir Herrn Röpcke gerne besser nicht erwähnen würden, dies aber erneut tun: Leider können solche Menschen trotz ihrer bedenklichen Vorgehensweise und auch recht seltsamer Vorstellung von Medienfreiheit einen starken Hype erzeugen, von dem sich die ARD seltsamerweise  in die Knie zwingen lässt.

    Dies kann wohl kaum mit der eher schwachen Medienpräsenz oder den journalistischen Fertigkeiten von Herr Röpcke und überhaupt mit Herr Röpcke persönlich zusammenhängen, nein. Dass die ARD sich für etwas entschuldigt, spricht ausschließlich nur von der Atmosphäre in der deutschen Medienlandschaft, die immer öfter, immer stärker und auch immer offener von der außenpolitischen Linie des deutschen Staats bestimmt wird.

    Ukrainischer Soldat unter Nationalflagge
    © REUTERS / Gleb Garanich
    Ein Kreml-Kritiker könnte berechtigt sagen, dass es in Russland auch vom Staat geleitete Medien gibt. Jedoch hinkt dieser Vergleich: Ein Herr Nawalny zum Beispiel  ist zwar nicht immer medienpräsent, jedoch von zigtausenden Oppositionellen gefeierter Twitter- und YouTube-König.

    Die Staats-Linie in Deutschland hat jedoch einen Punkt erreicht, wo offenbar ein Netzwerkdurchsetzungsgesetz, dass zur Löschung von hunderten oppositionellen Accounts führte, nicht mehr ausreicht. Es folgt nun ein „Rapid Response Mechanism“, ein offen erklärter Infokrieg gegen Russland und auch diejenigen, die es wagen, einen „Perspektivwechsel“ zu unternehmen.

    Deutschland und die Ukraine sind absolut verschiedene Welten. Man sollte aber bedenken, dass sich in dem russischen Nachbarland ähnliche Vorgänge abspielten. Und auch wenn diese Parallelen nicht zu denselben Folgen in Deutschland führen sollten, sind sie alarmierend. 

    Zuallererst wurden in der Ukraine diejenigen Medien, die ideologisch andere Werte vertraten, verbannt, danach haben sich neonazistische Verbände um die eher neutralen Medien „gekümmert“. So wurden (neben Roma-Lagern) innerhalb weniger Jahre Pogrome in mehreren Redaktionen verübt, Brandanschläge verübt  (TV-Sender „Inter“, „Tschetwertaja Wlast“ in Rivna, Odessa), Journalisten am heiligten Tag ermordet, wobei die Kiewer Polizei nicht eingreifen konnte oder wollte. Viele der Journalistenmorde bleiben bis heute nicht aufgedeckt, obwohl Tatverdächtige ermittelt wurden. 

    Als Verdächtige im Fall des Mordes an einem durchaus russlandfreundlichen Journalisten, Oles Busina, wurden die Nationalisten Andrej Medwedjko und Denis Polischtschuk festgenommen. Schon ganze drei Jahre kommt die Ermittlung trotz der zwei Hauptverdächtigen nur sehr schleppend voran. Kein Schuldspruch wurde gesprochen. 

    In einem anderen Fall, der Ermordung von Pawlo Scheremet im Jahr 2016, stellten ukrainische Korrespondenten fest, dass das Haus des ermordeten Journalisten kurz vor seinem Tod von einem Mitarbeiter des ukrainischen Geheimdienstes SBU ausgespäht worden war. Als Mörder wurden auch Personen verdächtigt, die dem Neonazi-Regiment Asow nahestehen. Doch es wurde kein Schuldspruch gesprochen. 

    Was hat das Ganze mit Röpke zu tun? Der Bild-Redakteur hat eben Ukraine-Connections, von denen er selbst keinen Hehl macht: Im Laufe des Konflikts in der Ost-Ukraine bediente sich der Journalist gerne der Tweets einer paramilitärischen Organisation (Asow), die sich selbst gewissermaßen als Nachfahre der Waffen-SS aus dem Dritten Reich sieht und ein entsprechendes Logo hat und auch oft an den bereits erwähnten „Pogromen“ teilnahm. Diversen Berichten und Screenshots zufolge soll Röpcke diese Organisation sogar besucht haben. Des Weiteren stattete Röpcke einen Besuch bei der Medienplattform „Stop Fake“ ab, die offen von Soros-Fonds finanziert wird. Es bleibt aber nur dem Leser überlassen, daraus Schlüsse zu ziehen.

    Screenshot (blauerbote.com)
    Screenshot (blauerbote.com)

    Wenn aber Herr Röpcke der Auffassung ist, dass ein in der Ukraine nur wegen seiner journalistischen Tätigkeit festgenommener Redakteur von „RIA Novosti Ukraine“  „gar nichts“ mit Medienfreiheit zu tun hat, da nun mal RIA Novosti  „keine Journalisten, sondern Informationskrieger des Kreml“ anstellt, können wir den Schluss ziehen, dass der Bild-Redakteur zwar indirekt, aber Festnahmen von Journalisten grundsätzlich toleriert. Mehr noch: Er freut sich darüber.

    Am besten mag man ja, wie wir das bereits in einem vorherigen Beitrag ermittelt haben, roh und lauwarm servierte Putin-Kritiker. Dass die Journalistik in der Ukraine seit 2014 systematisch untergraben wird und fast sämtliche kritische Stimmen der Staatspropaganda unterliegen, soll der westliche Leser nicht wissen, wozu denn auch? In der Ukraine scheint ja bekanntlich tags und nachts die Sonne, es weiden Einhörner auf der freien und demokratischen Medien-Wiese, schillernde Regenbögen erinnern den Beobachter an die Vielfalt und facettenreiche Berichterstattung ukrainischer Medien.

    Kann man daraus den Schluss ziehen, dass Herr Röpcke eine ähnliche Vorgehensweise in Deutschland willkommen heißen würde? Das bleibt wiederum dem Leser überlassen.

    P.S.: Zur Veranschaulichung noch ein Twitter-Freund und Bild-Kollege vom Herrn Julian Röpcke:

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    Tags:
    Hype, Rapid Response Mechanism, Medienhetze, öffentlich-rechtliche Sender, Redakteur, Objektivität, TV, Fernsehen, GEZ-Beitrag, Medienattacke, Berichterstattung, Kritik, Journalist, Zensur, Russophobie, Informationskrieg, Pressefreiheit, Fußball-WM 2018, Springer-Verlag, RT, Axel Springer, Focus, Bild-Zeitung, ARD, Sputnik, Georg Restle, Klaus Bernarz, Boris Reitschuster, Arkadi Babtschenko, Reitschuster, Kirill Wyschinski, Julian Röpcke, George Soros, Alexej Nawalny, Deutschland, Russland, Ukraine
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