15:44 18 Juni 2018
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    US-Dollar (Symbolbild)

    Weltbank-Experten: So wird Dollar vom Finanz-Thron gestoßen

    © REUTERS / Jose Luis Gonzale/Illustration
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    Natalja Dembinskaja
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    Die aggressive Politik im Außenhandel und die enormen Staatsschulden der USA haben dazu geführt, dass der Prozess der Entdollarisierung in der Welt bereits in Gang gesetzt wurde und kaum gestoppt werden kann. Das sagen Experten der Weltbank. Laut Wirtschaftsexperten wird sich das internationale Finanzsystem im kommenden Jahrzehnt stark verändern.

    Chinesisches Vorgehen

    Derzeit entfallen 70 Prozent aller Deals im Welthandel auf Dollar, 20 Prozent auf den Euro und der Rest auf asiatische Währungen, darunter der chinesische Yuan.

    Im März versetzte China dem Dollar einen starken Schlag auf dem globalen Energieträgermarkt, wobei der Handel mit Ölfutures in Yuan eröffnet wurde. 1993 versuchte Peking bereits ein ähnliches Instrument zu starten, jedoch ohne Erfolg. Nun ist der Yuan die drittwichtigste Währung im IWF-Korb. Der zweite Versuch endete mit einem klaren Erfolg.

    China bereitet sich auf den nächsten Schritt vor – Übergang zur Bezahlung der Öllieferungen mit der Nationalwährung.

    Bislang wird  beim Handel als Vertragswährung Dollar genutzt, doch der Yuan kann ihn wohl von einem der am schnellsten wachsenden Märkte der Welt verdrängen. Laut Wirtschaftsexperten kann es dazu in den nächsten zehn bis 15 Jahren kommen.

    Es handelt sich dabei nicht nur um Erdöl und Erdgas – in den bilateralen Handelsbeziehungen der großen Finanzpartner – Moskau und Peking — bleibt für den Dollar immer weniger Platz. Im vergangenen Jahr machte der Anteil Chinas am russischen internationalen Handel 15 Prozent aus. 2018 soll diese Kennzahl laut Prognosen auf 17 Prozent wachsen, der Anteil des Dollars an Zahlungen wird hingegen zurückgehen. Die russisch-chinesischen Vereinbarungen über den direkten Handel in Rubel und Yuan sind bereits im Dezember 2014 in Kraft getreten. Solche Zahlungen sehen keine Teilnahme der Banken der USA, Großbritanniens bzw. der EU vor. Das heißt, dass die Finanzsysteme Russlands und Chinas weniger abhängig von Drittländern werden.

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    Iran verbannt Dollar

    Teheran verzichtete im April auf die US-Währung und wechselte bei allen internationalen Zahlungen zum Euro.

    „Der Dollar ist im Iran ohnehin nicht sehr verbreitet, die Händler bevorzugen alternative Währungen für ihre Transaktionen. Es gibt keine Gründe, Dollar-Handelsrechnungen zu nutzen“, sagte der Vertreter der Zentralbank Irans, Mehdi Kasreipur.

    Washington verhängte neue Sanktionen gegen Teheran, doch Europa will nicht auf iranisches Öl verzichten. Die Deals werden also in Euro und nicht in Dollar abgewickelt.

    Auch Indien zahlt an Teheran Euros für das Öl, wobei in diesem Land die Wirtschaft schnell wächst (2018 ist ein Zuwachs in Höhe von sieben Prozent des BIP zu erwarten) und man braucht immer mehr Energieressourcen.

    Um die Sanktionen zu umgehen, schlug Indien seinem drittwichtigsten Lieferanten vor, für Öl in Rupien via die staatliche UCO Bank zu zahlen. Nach Angaben von Neu-Delhi wird es sich nur an jene Einschränkungen halten, die von der UNO eingeführt wurden.

    Auch die Türkei hat Pläne zum Verzicht auf den Dollar, die bereits zu den Nationalwährungen bei gegenseitigen Zahlungen mit dem Iran gewechselt ist. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich ihnen auch Russland in der nächsten Zeit anschließen wird. Wie der russische Energieminister Alexander Nowak berichtete, analysiert die Regierung die Möglichkeit, den Ölhandel in den Nationalwährungen abzuwickeln – besonders mit der Türkei und dem Iran – unter Umgehung des US-Dollars.

    Goldener Vorrat

    Parallel verringert die Türkei die Abhängigkeit vom US-Dollar, indem Gold auf dem Weltmarkt gekauft wird. Nach Angaben des World Gold Council kaufte die türkische Zentralbank im vergangenen Jahr 187 Tonnen Gold und wurde zum zweitgrößten souveränen Goldkäufer nach Russland. Wie andere Länder behielt die Türkei nicht das gesamte Gold bei sich, einen Teil davon – 28,7 Tonnen – gab es der Federal Reserve in Verwahrung. Nun zog Ankara alles Gold aus den USA ab und platzierte die Goldvorräte in Lagern im eigenen Land sowie in der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in der Schweiz und in der britischen Zentralbank.

    Dasselbe tun auch andere Länder. Deutschland schloss das Programm der Ausfuhr der Goldvorräte aus den USA ab und brachte 300 Tonnen Goldbarren nach Deutschland zurück. Rund 100 Tonnen Gold brachten die Niederlande zurück.

    Der 2014 begonnene Rückfluss aus der Fed hält fast ununterbrochen an. Die Gründe sind offensichtlich — die steigenden Zinssätze der Fed, der amerikanische Druck auf den Euro und andere Währungen, zunehmende geopolitische Risiken. Die Welt will die Abhängigkeit vom Dollar reduzieren.

    Über die größten Goldvorräte verfügen die USA selbst – 8000 Tonnen, gefolgt von Deutschland mit 3000 Tonnen, Italien und Frankreich mit jeweils 2500 Tonnen.

    Russland rangiert auf Platz 5 und überholte erstmals China. Die russische Zentralbank verfügt über 1860 Tonnen Gold mit einem Marktpreis von rund 80 Mrd. US-Dollar.

    „Ich bin der Überzeugung, dass es zum globalen Neustart kommen wird, wenn die Regierungen sich von den Schulden befreien wollen und sie alles an den Goldpreis ankoppeln werden. Deswegen häufen Länder wie Russland und China Gold an – sie wissen, was in einigen Jahren passieren kann“, sagte Keith Neumeyer, Aufsichtsratschef von First Mining Gold.

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    Weg vom Thron

    Laut einer Weltbank-Prognose wird der Dollar nicht mehr die Hauptrolle im globalen Finanzsystem spielen. Er wird durch ein System aus drei Währungen ersetzt – Euro, Dollar und irgendeine asiatische Währung – wahrscheinlich Yuan.

    Der amerikanische Wirtschaftsexperte und ehemalige IWF-Berater Barry Eichengreen geht davon aus, dass der Dollar seine Rolle als wichtigste Weltwährung verlieren wird. Der Grund: Die Stärke der modernen Finanztechnologien zerstört die „Netzwerkeffekte“, die ein natürliches Währungsmonopol geschaffen haben. Dieser Prozess wird mit der Entwicklung von Betriebssystemen verglichen – man muss nicht mehr unbedingt nur Windows nutzen.

    Es sollte ebenfalls daran erinnert werden, dass der Dollar 1944 das britische Pfund als globale Reservewährung abgelöst hatte. Großbritannien häufte zu große Schulden an und das Pfund stürzte ab.

    Die Schulden der USA belaufen sich bereits auf mehr als 20 Billionen Dollar und wachsen weiter, die Gelddruckmaschinen laufen weiter. Wie Investor Jim Rogers beim Petersburger Internationalen Wirtschaftsforum sagte, wird die US-Währung gerade deswegen immer weniger attraktiv auf dem Markt. Ihm zufolge wird der US-Dollar bereits zum Jahr 2030 seinen Status als globale Reservewährung verlieren.

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    Tags:
    Yuan, Öl, Sanktionen, Gold, US-Dollar, IWF, Russland, Iran, China, USA
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