23:03 20 Oktober 2018
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    Berliner bei Public Viewing der Fußball-WM in Russland

    Zwischen „Lost in Translation“ und „Stranger in Moscow“: Auf zur Fußball-WM!

    © AFP 2018 / John Macdougall
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    Matthias Witte
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    Der Kollege Matthias Witte hat Bammel. Am Samstag geht sein Flieger nach Moskau. Er wird von der Weltmeisterschaft berichten. Doch statt sich auf die Reise zu freuen, denkt er an Johnny Controlletti, Michael Jackson und Bill Murray.

    „Johnny Controlletti“ ist ein Song von Udo Lindenberg über einen Mafiaboss und hat überhaupt nichts mit meiner Reise zu tun. Geschweige denn mit mir. „Johnny Controlletti“ hat nämlich alles unter Kontrolle. Und genau das habe ich nicht.

    „Du weißt schon, ein bisschen ähnelt die Schwerkraft in Moskau der in Berlin“, sagt ein Kollege trocken und schaut mich an.

    Gerade habe ich zum x-ten Mal gefragt, ob ich besser mit dem Taxi vom Flughafen nach Moskau komme oder doch den Zug nehmen soll. Ich weiß es immer noch nicht.

    Allerdings ist es meine eigene Schuld. Ich frage auch nicht nur einen, sondern jeden, der schon mal in Moskau war. So wächst die Zahl der Meinungen und bringt mich bei meiner Entscheidung kein Stück weiter:

    „Wenn du ein Taxi nimmst, dann pass aber auf, dass es ein offizielles ist. Sonst hauen die dich übers Ohr“, sagt eine Kollegin. „So ein Blödsinn“, widerspricht eine andere: „Ich fahre immer Taxi und bin immer günstig unterwegs.“ Nächste Meinung: „Es kann aber dauern. Zwei Stunden musst Du mindestens rechnen. Beim Verkehr in Moskau weiß man nie.“

    Ein Taxi muss ich außerdem bezahlen. In Russland zahlt man mit Rubel, die ich noch nicht habe. „Soll ich mir die Rubel hier in Deutschland holen oder dort?“ frage ich. „Klar, in Russland, der Kurs in Deutschland ist mies. Einfach am Geldautoamten ziehen.“ „Aber es ist immer gut, schon ein bisschen Bargeld dabeizuhaben“, sagt ein anderer Kollege. Oh je, denke ich.

    Plötzlich die Stimme der Vernunft:

    „Um die Bargeldproblematik zu umgehen: Nimm die Bahn. Das Ticket kannst du mit Kreditkarte zahlen. Außerdem dauert es maximal vierzig Minuten, und Du kommst garantiert an“, sagt ein russischer Kollege.

    Das klingt logisch und wie die Lösung meiner Probleme. Bis meine Kollegin, die mit den öffentlichen Taxis, meine Zweifel wieder auf ihr ursprüngliches Niveau hievt: „Aber Moskau ist nicht gleich Moskau. Es ist riesig. Wie kommst Du denn vom Bahnhof zu Deinem Hotel?“ Gute Frage … Michael Jackson hat „Stranger in Moscow“ gesungen. Ich habe eine Ahnung, für wen.

    Ein Hotel habe ich übrigens gar nicht. Aber immerhin eine Unterkunft. Ich habe die Wohnung einer jungen Frau gemietet, die während der WM im Ausland weilt. Hotels mag ich auch nicht besonders. Diese Anonymität und das sterile Frühstück … Nein, so einsam und verloren wie Bill Murray in „Lost in Translation“ möchte ich mich nicht fühlen – auch wenn mir dafür höchstwahrscheinlich eine Begegnung mit Scarlett Johansson durch die Lappen geht.

    Ich möchte da sein, wo die Menschen sind, die russische Seele aufsaugen. So stelle ich mir vor, wie ich morgens nach einer Jogging-Runde in einem kleinen Straßencafé sitze. Aber kann man das eigentlich? Das kann mir keiner beantworten. Ich muss bis Samstag warten. Dann übergibt mir die junge Frau ihre Wohnungsschlüssel. Wenn ich es bis zu ihrer Wohnung schaffe. Also, zurück zur Frage: Taxi oder Bahn?

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    Tags:
    Nationalelf, Nationalmannschaft, Scheremetjewo, Fußball-WM, Udo Lindenberg, Bill Murray, Michael Jackson, Deutschland, Moskau, Russland