06:20 20 November 2018
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    Ein Fan der Islands Nationalelf in Moskau

    Georgische Tapas, Fahrrad auf der Autobahn und Bier mit Isländern

    © Sputnik / Witalij Beloussow
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    Matthias Witte
    Die Welt zu Gast in Russland: Fußball-WM außerhalb der Stadien erleben mit Sputnik (16)
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    Während Deutschland am Sonntag gegen Mexiko ins Turnier startet, hat unser Reporter schon den ersten kleinen Sieg gefeiert. Er hat es vom Flughafen in Moskau in sein Quartier geschafft. Natürlich ohne überfallen zu werden – aber nicht ohne Hilfe.

    Zu meiner großen Überraschung wartet mein Freund Oleg am Flughafen auf mich. Damit bleiben mir Taxi- oder Bahnfahrten vorerst erspart, denn Oleg hat ein Auto. Wir sitzen keine fünf Minuten im Auto, als ich mich zum ersten Mal wundere. Auf der vielbefahrenen Autobahn überholen wir einen Radfahrer. Der ist auf dem eigentlich nicht existierenden Seitenstreifen unterwegs. Ich schaue Oleg mit fragenden Augen an. Der schüttelt nur den Kopf und zuckt mit den Schultern. Es scheint nichts Besonderes zu sein.

    Ohne weitere Zwischenfälle kommen wir an meiner Wohnung an. Sie ist klein, fein und liegt etwas außerhalb des Stadtzentrums. Dahin sind Oleg und ich jetzt unterwegs, denn wir haben Hunger. Wir parken, und er führt mich in ein georgisches Restaurant. Natürlich läuft Fußball: Dänemark gegen Peru. Am Nachbartisch sitzt ein Vater mit seinem Sohn. Beide tragen Island-Trikots. Ich gratuliere zum WM-Start (ein fast sensationelles 1:1 gegen Vize-Weltmeister Argentinien). Wir bestellen Bier, und Oleg schlägt vor, dass wir von allem ein bisschen probieren. „Georgische Tapas“, sage ich und stimme zu. „Ungefähr“, antwortet er.

    Cristiano Ronaldo während des WM-Spiels gegen Spanien in Sotschi
    © Sputnik / Wladimir Astapkowitsch

    Es gibt zunächst Salat, eine Art kaltes Gulasch, eine helle Suppe mit Hühnerfleisch und einen pizzaähnlichen Teigboden, überbacken mit einem sehr pikanten Käse. Alles schmeckt köstlich. Es folgen Maultaschen mit verschiedenen Fleischfüllungen, und dazu gibt es Wodka. Oleg erklärt, dass Russen ihren Schnaps während des Essens trinken und nicht wie wir Deutschen danach. Mit dem abschließenden Schaschlik geht Dänemark 1:0 in Führung. Die Freude bei den Isländern am Nebentisch ist groß. „Wo kommt ihr her?“ will der Vater wissen.

    „Er ist Deutscher und ich bin Russe“, antwortet Oleg.

    Der Isländer prostet uns zu. Da sitze ich mit einem russischen Freund in Moskau in einem georgischen Restaurant, proste mit tschechischem Bier Isländern zu, während wir uns Dänemark gegen Peru ansehen. So habe ich mir die Weltmeisterschaft vorgestellt.

    Bier to go und dann doch noch Taxi

    Nach dem Essen führt mich Oleg in eine Straße, in der fast ausschließlich Russen ausgehen. Touristen oder Fußballfans sieht man hier nicht. Warum, weiß mein Freund auch nicht. Es sind schicke Läden und Bars, zum Teil mit italienischem Namen. Es könnte auch eine Straße in Berlin, Hamburg oder Frankfurt sein, denke ich. Auf unserem Weg erklärt mir Oleg die abwechslungsreiche Architektur. 50er-Jahre-Bauten wechseln sich mit modernen ab. Dazwischen stehen unregelmäßig sehr alte Gebäude. So laufen wir in die Nacht hinein. Weil Geschäfte in Moskau nach 11 Uhr abends keinen Alkohol verkaufen dürfen, lassen wir uns das Abschlussbier in einer Bar in eine Flasche abfüllen und nehmen es mit nach draußen.

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    Oleg besorgt irgendwoher zwei Becher, und wir teilen uns das Bier brüderlich in einem Park. Müde und leicht angeduselt besteige ich schließlich ein Taxi. Oleg spricht mit dem Fahrer und verabschiedet sich. Wir fahren los — erst durch das nächtliche Gewusel der Innenstadt, dann über eine endlose Autobahn. Ich vertraue dem Fahrer vollkommen. Höchstwahrscheinlich bin ich in der richtigen Stimmung. Er lässt mich genau vor meiner Haustür aussteigen. Zufrieden falle ich ins Bett. So kann es weitergehen.

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    Tags:
    Eindrücke, Fans, Essen, Fußball-WM, Fußballweltmeisterschaft 2018, Fußball-WM 2018, Peru, Mexiko, Argentinien, Dänemark, Island, Deutschland, Moskau, Russland