17:03 19 Oktober 2018
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    Bundeskanzlerin Angela Merkel (l.) und Innenminister Horst Seehofer (Archiv)

    Willkommen zum Theaterstadl: Der inszenierte Kampf von Horst und Angela

    © AFP 2018 / Kay Nietfeld / dpa
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    Marcel Joppa
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    Wenn Merkel und Seehofer zum Tanz auffordern, dann stimmen ARD, ZDF und Bildzeitung munter mit ein. Doch was wie die große Zerreißprobe der Regierungskoalition dargestellt wird, ist nichts weiter als ein schlechtes Theaterstück in mehreren Akten. Hinter den Kulissen steht das Drehbuch schon lange fest.

    Wer die AfD im Wahlkampf schlagen will, der muss auch am rechten Rand fischen. Das glaubt zumindest die Union. Wer aber gleichzeitig sein liberales, konservatives oder wirtschaftsnahes Publikum nicht verschrecken will, muss sich thematisch eben äußerst breit aufstellen. Es ist das alte Spiel von „Good Cop – Bad Cop“, in den Hauptrollen: Bundeskanzlerin Angela Merkel und Innenminister Horst Seehofer.

    Bühne frei!

    Wer sich die Überschriften der deutschen Tagespresse zu Gemüte führt, muss denken, die Regierungskoalition stehe kurz vor dem Ende: „Riesen-Asylkrach“, „Für beide geht es jetzt um alles“, „Merkel ganz allein!“, oder „Seehofer zündelt schon wieder“ titelte allein die Bildzeitung in den vergangenen Tagen. Nun ja, politische Zusammenhänge vermochten die Klatschreporter im Axel-Springer-Hochhaus noch nie wahrheitsgemäß einzuordnen.

    Fakt ist:

    Der CSU droht in Bayern der Verlust der absoluten Mehrheit. Nach aktuellen Umfragen stagniert die Partei zwischen 40 und 42 Prozent. Dahinter liegen mittlerweile SPD und AfD mit rund 13 Prozent gleichauf. Um verprellte Wähler von der AfD zurückzugewinnen, setzen Seehofer und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder auf blanken Populismus. Das weiß auch die Kanzlerin, alles andere hätte sie im Vorfeld der Landtagswahl wohl überrascht.

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    Schützenhilfe statt Sperrfeuer

    Eigentlich kommen Frau Merkel die Drohgebärden aus dem Freistaat sogar äußerst gelegen. Denn nun kann sie bei dem anstehenden EU-Gipfel Ende Juni mit zerknirschter Miene behaupten, wenn ihr die anderen Staaten im Punkto Flüchtlingsaufnahme nicht entgegenkommen, könnte ihr Innenminister die Bundesregierung platzen lassen. Das wiederum würde an den internationalen Finanzmärkten für Irritationen sorgen und auch die EU als Ganzes schwächen.

    Ultimatum hin oder her …

    Am Ende wird Angela Merkel einen „Kompromiss“ präsentieren, den die CSU natürlich mittragen wird. Sie kann gar nicht anders. Bei der vergangenen Bundestagswahl hatte die CSU am gesamten Unionsergebnis einen Anteil von gerade einmal 6,2 Prozent. Würden sich die beiden Schwesterparteien trennen und separat bei einer Bundestagswahl antreten, sie würden sich gegenseitig Stimmen klauen. Von den enormen organisatorischen Problemen ganz abgesehen: Die Regionalpartei aus Bayern müsste außerhalb des Freistaats Landesverbände gründen, Spitzenkandidaten küren, Bundesparteitage organisieren, einen Wahlkampf stemmen und sehr, sehr viel Geld in die Hand nehmen.

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    Duell mit Platzpatronen

    Während sich Merkel und Seehofer also auf der Bühne duellieren, steht in der Garderobe bereits der gemeinsame Champagner kalt. Doch da solch kampflustige Inszenierungen zwischen CDU und CSU nicht neu sind, dürfte der Applaus in Form von Wählerstimmen ausbleiben. Wenn nicht deutsche Medien diesen erprobten Konflikt künstlich hochschreiben würden, hätte das Publikum ihn neben der WM kaum wahrgenommen. Bei der bayerischen Landtagswahl am 14. Oktober wird sich zeigen, ob Horsts und Angelas Theaterstadl noch irgendeinen Zuschauer überzeugen konnte – oder ob das Schauspiel endgültig abgesetzt wird.

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    Tags:
    Streit, Asyl, Einwanderer, Migranten, EU, Partei Alternative für Deutschland (AfD), CDU, CSU, Angela Merkel, Horst Seehofer, Deutschland