17:31 21 Juli 2018
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    US-Armee im Irak (Archiv)

    Wozu Kampf gegen Terror? – US-Experten: Kampf gegen Russland und China wäre sinniger

    CC BY 2.0 / The U.S. Army / iraq
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    Dmitri Kosyrew
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    Könnte es sein, dass die US-Außenpolitik allzu krampfhaft am Anti-Terror-Kampf festhält? Diese Frage hat das Fachblatt „Foreign Policy“ – das außenpolitische Leitmedium der USA – einigen namhaften Sicherheitsexperten gestellt. In der Tat sehen die Analysten, dass es gegenwärtig größere Bedrohungen für Washington gebe.

    Der Anti-Terror-Kampf ist ein Popanz, der die Vereinigten Staaten von den wirklich wichtigen Zielen ablenkt. Das sagt eine spürbare Mehrheit jener Fachleute in den USA, die dafür verantwortlich sind, ihren Mitbürgern zu vermitteln, wer oder was sie bedroht.

    Eine von ihnen ist etwa die außenpolitische Expertin der Brookings Institution, Torrey Taussig. Sie ist der Ansicht, dass 17 Jahre Anti-Terror-Kampf sowohl die Ressourcen als auch die Moral der Vereinigten Staaten aufgerieben hätten. Ein auffälliges Ergebnis von fast zwei Jahrzehnten US-Engagement seit 9/11.

    Das Wichtigste aber: Washingtons Kampf gegen den internationalen Terror habe alle anderen außenpolitischen Ziele ins Abseits gedrängt. Der Kampf der Großmächte, nicht der Terror, sei gegenwärtig die größte Herausforderung für die USA. Amerika sei – während es in die Bekämpfung von Terrorguerillas investierte – zu einem Staat geworden, der anderen nachlaufen müsse: „Wir haben unseren spürbaren technologischen Vorteil gegenüber China verloren, was die Zukunft des Wettkampfs entscheiden wird“, sagt die Expertin Taussig.

    Andere Analysten sind resigniert, da sie einfach keine Erfolge im Kampf gegen den Terror sehen: „Wir müssen uns darauf konzentrieren, die Bürgerkriege zu beenden, die den Terror hervorgebracht haben“, rät die Politologin Barbara Walter von der University of California in San Diego. Ihr Kollege Vikram Singh vom Center for American Progress fordert: Man benötige eine Strategie, die trotz 17-jährigen Anti-Terror-Kampfes und Billionen investierter Dollar immer noch nicht ausgearbeitet worden sei.

    Welche Schlüsse kann Russland daraus ziehen? Denken wir einen Augenblick daran, dass es George Bushs Amtskollege Wladimir Putin war, der den US-Präsidenten nach den Terroranschlägen am 11. September als erster anrief und eine Zusammenarbeit beim Terrorkampf anbot. Dann und wann gab es diese Zusammenarbeit – bei deutlich wahrnehmbarem Zähneknirschen vonseiten der USA – auch. Heute gibt es in Syrien ebenfalls eine Art Kooperation, und sei es nach dem Grundsatz „Wir wollen einander nicht in die Quere kommen“.

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    Doch siehe da, die US-Experten sind nun aus unterschiedlichsten Gründen zutiefst enttäuscht von dieser ganzen Geschichte. Weil den USA aus Mangel einer gängigen Strategie nichts gelingt (Moskau übrigens rief des Öfteren dazu auf, endlich gemeinsam eine richtige Strategie auszuarbeiten). Und weil es für die USA „größere Herausforderungen“ gibt.

    Auffällig an den Experteneinschätzungen ist, dass darin mehr oder weniger deutlich die Ansicht zum Ausdruck kommt, die Vereinigten Staaten seien von „strategischen Gegnern“ einfach von den richtigen Zielen abgelenkt worden. Amerika habe sich auf diese Täuschung eingelassen und verloren. Verloren haben die Vereinigten Staaten etwas, ohne das sie sich in dieser Welt unwohl fühlen: Den Status der einzigen Supermacht. Die USA haben laut den Experten die eigenen Ressourcen verpulvert, während China und Russland diese Situation zu ihren eigenen Gunsten genutzt haben.

    Man könnte jetzt anfangen, eine lange Liste jener entscheidenden Momente zu erstellen, in denen die USA in die falsche Richtung abgebogen sind – angefangen mit dem Einmarsch im Irak 2003, wofür die USA auch in der Tat ihre physischen und moralischen Ressourcen verpulvert haben. Aber das alles ist längst Geschichte. Sehr viel interessanter ist, was die Zukunft angesichts der sichtlichen Enttäuschung der außenpolitischen Eliten wegen einer jahrelangen angeblich falschen Politik bringen wird.

    Beim Blick nach vorn sollte man bedenken, dass der Terrorismus zunächst einmal eine Bedrohung für die gigantische islamische Welt darstellt – und danach auch für alle anderen Zivilisationen. Sobald sie die muslimische Welt von innen gesprengt haben, machen sich die Terroristen – wie in zahlreichen Beispielen bereits gezeigt – emsig an andere „Welten“ unseres Planeten. Beim Anti-Terror-Kampf geht es also im Grunde nicht nur um „polizeiliche“ Aktionen internationaler Koalitionen, sondern um die Vernichtung eines weitverzweigten globalen Untergrunds – es geht um einen echten globalen Krieg.

    Und der einfachste Schluss, der nun zu ziehen ist, besteht darin, dass mit einer Führungsrolle der USA in diesem Krieg nicht zu rechnen ist – ja nicht mal mit deren tatkräftigen Beteiligung daran. Die USA sind ausgebrannt und resigniert. Also wird es andere Anführer im Anti-Terror-Kampf geben.

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    Tags:
    Terror, Supermacht, Bekämpfung, Bedrohung, Kampf, 11. September 2001, George Bush, Wladimir Putin, Irak, China, Russland, USA
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