07:04 22 September 2018
SNA Radio
    Fußballfans bei der Weltmeisterschaft in Russland

    Russische „Hölle“: Wie westliche Mainstream-Medien Russland verleumden

    © Sputnik / Maxim Blinow
    Kommentare
    Zum Kurzlink
    Viktor Marachowski
    4426240

    Die Fußball-WM in Russland nimmt Fahrt auf, zehntausende Fans aus aller Welt sind gekommen, um das Freudenfest vor Ort zu erleben. Überall sehen sie ein Russland, das radikal anders ist, als das Bild, welches ihnen die Mainstream-Medien vermitteln. Sie sehen ein offenes und warmherziges Land. Nun holen die westlichen Medien zum Gegenschlag aus.

    Lassen Sie mich zu Beginn ein paar Zitate aus ausländischen Medien anführen:

    „Auf russischen Straßen und Stränden kennt der Jubel keine Grenzen, aber er verdeckt nur teilweise die traurige Realität.“ — Daily Beast, USA

    „Wozu sollte man an unterdrückte Minderheiten, abgeschossene Passagierflugzeuge oder annektierte Halbinseln denken, wenn es eiskaltes Bier, kostenlosen Verkehr  und faszinierenden Fußball gibt?“ — Hufvudstadsbladet, Finnland

    „Die Behörden werden alles tun, damit die WM problemlos verläuft, aber die Diskriminierung, der Schwulenhass und die Gesetze werden bleiben.“ — Independent, Großbritannien

    „Sie kaufen das, was Ihnen Russland aufzwingt, nämlich seine Sehenswürdigkeiten, seine schönen Orte und Häuser, (…) aber verlassen Sie einmal die Stadt. Die vierstündige Reise mit dem ‚Sapsan‘-Zug nach St. Petersburg zerstört das Szenario: Verrostete Betriebe und baufällige Baracken, und Sie sind sich nicht einmal sicher, ob darin Menschen wohnen, bis Sie davor Frauen sehen, die auf ihren Nutzgärten den Wildwuchs ausmerzen. (…) Das unterscheidet sich kaum von den Favelas in Brasilien, die ich in der Nähe des glänzenden Stadions in Salvador sah.“ — Toronto Sun, Kanada

    Das war nur eine kleine Auswahl von den jüngsten Berichten über die Fußball-WM in Russland.

    Fußballfans vor dem Spiel England - Tunis
    © Sputnik / Konstantin Tschalabow
    Sie zeugen von etwas: Während es in den sozialen Netzwerken von faszinierten Beiträgen von Millionen Fans wimmelt, die vom Turnier entzückt sind, haben sich die westlichen „Mainstream“-Medien etwas zurückgezogen und inzwischen ihre Konzeption korrigiert.

    Diese lautet jetzt quasi so: Für Menschen, die keine Ahnung haben, ist Russland echt faszinierend. Aber das ist nichts als eine Art Bühnenbild, das die schreckliche russische Realität verbergen soll. In der Praxis wird diese Konzeption wie folgt umgesetzt:

    „Die WM ist ein neues ‚potemkinsches Dorf‘ Russlands“ — Irish Times

    „Sex, Lüge und Fußball bei der ‚Potemkischen‘ WM Putins“ — Daily Beast

    „Russland bemüht sich darum, das Elend zu verstecken, (…) Putins regionale Funktionäre werden beschuldigt, die WM-Austragungsorte in moderne ‚potemkinsche Dörfer‘ zu verwandeln.“ — Daily Express

    >>Andere Sputnik-Artikel: Britisches Blatt: Fans verlassen Russland nach WM mit neuen Anschauungen

    Lassen Sie uns jetzt einzelne Details einfach übersehen. Ein Reporter aus Kanada muss schließlich nicht wissen, dass viele Russen tatsächlich Nutzgärten haben, und er könnte ihre Häuser wirklich mit ‚Slums‘ verwechseln. Irische, amerikanische und britische Journalisten müssen nicht wissen, dass es ‚potemkinsche Dörfer‘ gar nicht gegeben hat und dass dies nur ein Mythos ist, der von europäischen Diplomaten erfunden und verbreitet wurde.

    Wir stellen einfach fest, dass vor unseren Augen gleichzeitig mit der Fußball-WM ein anderer Wettbewerb stattfindet: Zwischen begeisterten Fans und den grundsätzlich gegen Russland eingestellten „Mainstream“-Medien. Und die letzteren haben die Aufgabe, allen zu erklären (auch denjenigen, die persönlich Russland besucht haben), dass sie kein richtiges Russland, sondern nur ein verschönertes „Bühnenbild“ gesehen haben.

    Und auf dem Spiel steht etwas viel Wichtigeres, als nur Russlands Image. Es geht um die These: Liberale Demokratien sind effizient, und nichtliberale Nicht-Demokratien können unter keinen Umständen effizient sein.

    „Liberale Demokratien“, wo alle Menschen, egal ob reich oder arm, ob schwul oder nicht schwul, angeblich gleichberechtigt sind, können Wolkenkratzer, Autobahnen, hochmoderne Sportstätten oder sonst was bauen sowie den Wohlstand und die Sicherheit ihrer Menschen garantieren. Und „nichtliberale Nicht-Demokratien“, wo die Machthaber die Bevölkerungsmehrheit in dieser oder jener Form unterdrücken, können das alles nicht. In „liberalen und demokratischen“ Ländern lächeln die Menschen offen und haben vor nichts Angst. In „nichtliberalen und nichtdemokratischen“ Ländern sind die Menschen immer traurig und lächeln fast nie.

    Und wenn sie schon lächeln, dann nur deshalb, weil sie dazu gezwungen werden – oder weil sie sich dadurch von der traurigen Realität ablenken wollen. (So behauptete der eben erwähnte kanadische  Reporter, der bisher keine russischen Nutzgärten gesehen hatte, die Einwohner russischer Dörfer würden „die ‚Sapsan‘-Schnellzüge sehen und sich dadurch von ihrem traurigen Alltag ablenken, in dem sie nichts davon haben, was die Nordamerikaner genießen“.)

    Diese Konzeption war noch vor vielen Jahren entstanden, als die Liste der reichen Länder, wo es viele Wolkenkratzer gab, fast absolut mit der Liste der Kolonialmächte mit einer großen „Bruchsicherheit“ übereinstimmte.

    Da aber in den letzten Jahrzehnten auch „nichtliberale und nichtdemokratische“ Länder in der Lage sind, Wolkenkratzer, Autobahnen, hochmoderne Sportstätten und Einkaufszentren zu bauen, muss diese Konzeption quasi „aktualisiert“ werden.

    Und da kann man mit dem Westen nur mitleiden. Denn die „Enthüllung der anscheinenden russischen Effizienz“ (und Russland gilt im Westen nun einmal als klassische nichtliberale Nicht-Demokratie) stimmt so gut wie vollständig mit der einstigen „Enthüllung“ des „verfaulenden Westens“ in der damaligen Sowjetunion überein, die bald darauf selbst zusammengebrochen ist.

    Im Jahr 1975 soll ein sowjetischer Korrespondent in seiner Fernsehreportage aus Paris gesagt haben: „Die Sonne über Paris scheint sehr hell, aber einfache Menschen kann sie kaum erfreuen.“ Und dann zählte er etliche Probleme auf, die für den „verfaulenden Westen“ angeblich typisch waren. Ähnliche Geschichten wurden auch über „einfache Menschen“ in London, New York oder sonst wo erzählt.

    Aber diese Worte waren kennzeichnend für die Hilflosigkeit der sowjetischen Propaganda: Die Erfolge der sowjetischen Volkswirtschaft waren eher fraglich, ihr Potenzial war nahezu erschöpft, und das war so gut wie offensichtlich. Und dann entschied man sich in Moskau für den einfachsten Weg: Der Glanz des Lebens im Westen wurde zwar anerkannt, aber zugleich als „gefälscht“ und „unecht“ erklärt.

    Das Problem war nur, dass sich die sowjetischen Propagandisten dadurch von Anfang an in die „Abwehrposition“ stellten: „In westlichen Geschäften gibt es zwar unendlich viele Lebensmittel und auf den Straßen fahren viele Luxusfahrzeuge herum. Aber in Wahrheit ist im Westen alles noch viel schlimmer als bei uns.“

    In dieselbe Falle können auch die Reporter geraten, die von „grenzenlosem Übel“ auf „russischen Straßen und Stränden“ schreiben, der aber „die traurige Realität verbergen“ würde. Denn eigentlich ist die Realität in allen Ecken der Welt ziemlich traurig. Alle Länder leiden unter einer strukturellen Krise, die sich auf die späten Folgen der industriellen Epoche zurückführen lässt. Und die Wahrheit ist, dass nicht nur „einfache Russen“ es schwer haben, wie das die westlichen „Mainstream“-Medien behaupten.

    >>Andere Sputnik-Artikel: Russland als Feindbild: Griechischer Außenminister kritisiert europäische Darstellung

    Und die Behauptungen, dass im „schrecklichen Russland“ die Rechte der sexuellen Minderheiten beschnitten werden und die Krim-Einwohner leiden müssen, gehen überhaupt völlig daneben. Denn die „Mehrheiten“, die in den „liberalen demokratischen“ Ländern inzwischen quasi in den Untergrund getrieben wurden, nehmen diese Informationen eher mit Neid als mit Angst wahr.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    WM-Touristen begeistert: „Die Welt ist in Russland zu Hause“
    Eberhard Gienger (CDU): „Die Kanzlerin sollte nach Russland zur WM fahren“
    Fußball-WM neben Atombunker? „Spiegel“ macht sich Sorgen - VIDEO
    Tags:
    Fans, Medien, Mainstream, Rassismus, Hass, Schwulen, Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland, The Independent, Wladimir Putin, USA, Westen, Russland