13:40 18 November 2018
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    Autor des Beitrags auf der Arbat-Straße in Moskau

    Spasibo, Rossiya: Ihr seid tolle Gastgeber!

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    Matthias Witte
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    Eine Woche lang hat unser Reporter von der Stimmung bei der Weltmeisterschaft in Moskau berichtet. Dabei hat er hilfsbereite und freundliche Gastgeber erlebt und leidenschaftliche und mitreißende Gäste.

    Wenn einer eine Reise tut, dann muss er auch was mitbringen. Also mache ich mich auf zum Roten Platz. Dort befindet sich das GUM, das älteste und berühmteste Kaufhaus Moskaus. Vorher mache ich noch ein paar Fotos.

    Eine Gruppe Mexikaner in Trikots und Fahnen tut es mir gleich. Sie haben sich vor der Basilius-Kathedrale aufgestellt. Damit alle aufs Bild kommen, sprechen sie einen Herrn in den besten Jahren an. Er nimmt das Mobiltelefon, fokussiert seine Motive, gibt Anweisungen und knipst. Als er fertig ist, fragt er: „Where are you from?“

    Ich stehe schräg hinter ihm und wollte gerade selber fotografieren. Aber bei seiner Frage muss ich ein ziemlich blödes Gesicht gemacht haben. Denn die Mexikaner lachen über mich. Mir ist ein Rätsel, wie man fünf, sechs Männer, die von Kopf bis Fuß in ihre Landesfarben gehüllt sind, nicht zuordnen kann. Der Mann ist sich keiner Schuld bewusst. Er sagt, er hätte die Gruppe irgendwo nach Südamerika eingeordnet. Immerhin. Fast richtig.

    Matrjoschkas, Punk und Strickmützen

    Das Kaufhaus GUM ist eine Augenweide. Die Architektur ist beeindruckend. Das Gebäude ist 125 Jahre alt. Es besteht aus zwei großen Galerien mit gläsernen Gewölbekuppeln. Beeindruckend sind aber auch die Preise in den Luxusläden. Ich merke schnell: Viel werde ich hier nicht mitnehmen. Da es aber noch angenehm leer ist, setze ich mich in ein Café.

    Was in dieser Schönheit stört und einfach nicht passt, ist die Musik. Es gibt laute, dröhnende Popmusik. Auf einem Fanfest okay – aber in einem Kaufhaus? Als der Kellner meinen Café bringt, frage ich ihn, warum keine klassische Musik läuft. „Oh“, sagt er. Normalerweise werde im GUM ausschließlich klassische Musik gespielt. Aber zur Weltmeisterschaft war man wohl der Meinung, Popmusik passe besser. Moderne Zeiten, denke ich.

    Dann finde ich einen Souvenirladen. Auch hier eine Mischung aus Altem und Neuem, die nicht so richtig passt. Es gibt WM-Artikel wie T-Shirts, Magneten, Tassen und und und. Dazu Bernsteinschmuck, Russenmützen und natürlich Hunderte Matrjoschkas. Bei den Preisen schlage ich die Hände über dem Kopf zusammen. Aber gut, es ist absehbar nur einmal WM in Russland.

    Ich entscheide mich für eine Matrjoschka, die mir halbwegs erschwinglich erscheint. Dann verlasse ich das Geschäft und das GUM, das inzwischen richtig voll ist. Ich mache mich auf den Weg zum Arbat. Das ist eine Fußgängerzone mit guten Einkaufsmöglichkeiten. Außerdem soll man dort das typische Russland treffen können. Beim Blick in die vielen Souvenirläden fällt mir, dass ich für meine Matrjoschka aus dem GUM zu viel bezahlt habe. Egal, es ist ja absehbar nur einmal WM in Russland.

    Ich flaniere die Straße entlang, auf der Künstler ihre Bilder anbieten. Dann stoße ich auf eine Ausstellung über den Fußballklub Dynamo Moskau. Ich mache ein Foto mit Lew Jaschin, dem Weltklassetorwart aus den 60er Jahren. An einer Straßenecke höre ich schräge Musik. Junge Moskauer Punks stehen vor einer Graffiti-Wand und spielen. Das Publikum besteht fast ausschließlich aus Russen. Eine Handvoll Touristen fotografiert.

    Wenig später stehe ich wieder in einem Kaufhaus. Mit der Eleganz und Noblesse des GUM hat das hier nichts zu tun. Es gibt keine Läden, sondern nur Stände. Doch es wird alles angeboten: Haushaltswaren, Werkzeug, Kleidung und selbstgemachte Handarbeiten. Eine Frau will mir eine ihrer Strickmützen andrehen. Es gibt die Simpsons, Spiderman und die Minions. Ich lehne dankend ab. Ein schräger Ort, denke ich. So etwas habe ich in Deutschland noch nie gesehen. Immerhin: Es gibt keine laute Popmusik. Schließlich habe ich doch noch ein paar erschwingliche Dinge ergattert.

    Am Abend mache ich mich auf den Weg zur Nikolskaja. Da, wo die Fußballwelt feiert. Zum letzten Mal gehe ich durch die Massen und sauge die Atmosphäre noch einmal auf. Brasilianer feiern zusammen mit Tunesiern und Marokkanern. Bunte Rauchbomben werden geschwenkt. Ich sehe viele glückliche Menschen. Aus dem Nichts taucht eine mexikanische Kapelle auf und spielt ein Ständchen. Der Applaus ist groß.

    • Straßenmusiker in Moskau
      Straßenmusiker in Moskau
      © Sputnik / M. Witte
    • Moskauer Kaufhaus GUM
      Moskauer Kaufhaus GUM
      © Sputnik / M. Witte
    • Fans auf dem Roten Platz
      Fans auf dem Roten Platz
      © Sputnik / M. Witte
    • Fans auf der Nikolskaja Straße in Moskau nach dem Russlands WM-Sieg
      Fans auf der Nikolskaja Straße in Moskau nach dem Russlands WM-Sieg
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    Straßenmusiker in Moskau

    Ich sage „Danke“ dafür, dass ich eine Woche hier sein durfte, in dieser Wahnsinnsstadt Moskau, und über dieses Event berichten durfte. Ein großes „Spasibo“ an Alexandra und Oleg und an alle Moskowiter: Ihr seid tolle Gastgeber.

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    Tags:
    Fans, Kaufhaus GUM, Nikolskaja, Fußball-WM 2018, Mexiko, Moskau, Russland