22:36 16 Juli 2018
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    Pentagon-Chef James Mattis (l.) und Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg beim Gipfeltreffen in Brüssel

    Wenn Europa nicht will und Amerika nicht kann: Nato vor dem Aus?

    © REUTERS / Francois Lenoir
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    Jelena Glischtschinskaja
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    Amerika und Europa müssen sich einigen, um einen Zerfall der transatlantischen Partnerschaft zu verhindern. Dafür plädiert Nato-Chef Jens Stoltenberg.

    Laut dem britischen „Guardian“ ist der Generalsekretär des Militärbündnisses überzeugt, dass die Kontroversen zwischen Washington und den europäischen Nato-Mitgliedern ein Niveau erreicht haben, dass das Bestehen der Allianz massiv gefährdet. Und die Spannungen hat kein anderer als US-Präsident Donald Trump ausgelöst.

    Der Grund dafür bestand darin, dass bisher nur die USA und Großbritannien den Punkt des Nato-Vertrags erfüllt hatten, demzufolge jedes Mitgliedsland einen Beitrag von zwei Prozent seines BIP zahlen soll. Alle früheren US-Administrationen hatten bei dieser „Lappalie“ ein Auge zugedrückt. Doch Trump ist vor allem ein Unternehmer, und er wollte diesen Aspekt „in Ordnung bringen“. Noch als Präsidentschaftskandidat hatte er die Nützlichkeit des transatlantischen Bündnisses infrage gestellt und betont, dass die ganze Last der Nato nur auf den US-Amerikanern liege, während die Verbündeten kaum Geld für die Verteidigung ausgeben würden. Auch nach seinem Einzug in das Weiße Haus übte er weiterhin Kritik an der Allianz.

    Stoltenberg nannte eine ganze Reihe von Gründen, warum die Reihen der Nato inzwischen gespalten sind. Unter anderem erwähnte er solche Themen wie Handel, Klimawandel und den Iran-Deal. Hinzu kommen nach seiner Auffassung das israelisch-palästinensische Problem, die Beziehungen zu Russland, die „Annexion“ der Krim durch Russland und die Kontroversen zwischen den USA und der Türkei. Egal wie, aber zum ersten Mal seit 70 Jahren ihres Bestehens attestierte ein Nato-Generalsekretär der Allianz eine Existenzkrise. Möglicherweise will er damit nur den Mythos von der angeblichen „russischen Gefahr“ an die große Glocke hängen – ob das so ist, wird nach dem nächsten Nato-Gipfel klar sein.

    Die „Times“ schrieb indes jüngst: Sollte Trump in Brüssel spüren, dass die anderen Nato-Mitglieder ihm zu wenig Respekt erweisen, könnte er das Bündnis mit einem einzigen Twitter-Beitrag zerstören. Der Beitrag könnte ungefähr so lauten: „Habe eben das letzte Gipfeltreffen der schwachen und erfolglosen Nato verlassen. Für unsere sogenannten Verbündeten, Hasser und Verlierer ist die Zeit abgelaufen. Wollt ihr, dass die USA euch verteidigen, wenn ihr für nichts zahlt und uns im Handel reinlegt? Das geht nicht! Unser Land verlässt Europa mit seinen Problemen. Gewöhnt euch daran!“

    * Die Meinung des Autors muss nicht mit der der Redaktion übereinstimmen.

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    Tags:
    Krise, Forderung, Erhöhung, Ausgaben, Militäretat, Atomdeal, Atomabkommen, EU, NATO, Donald Trump, Jens Stoltenberg, Türkei, Iran, Großbritannien, Europa, USA
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