20:37 22 Juli 2018
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    Russischer Kampfjet Su-34 (Archivbild)

    Darum gilt Russlands „Höllenente“ Su-34 als schrecklichster Angriffsbomber der Welt

    © Sputnik / Witalij Beloussow
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    Nikolai Protopopow
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    Gleichzeitig Dutzend Ziele orten, sich ihnen mit einer Geschwindigkeit von 2000 km/h annähern und mehrere Tonnen TNT auf sie abwerfen – Experten einer der führenden westlichen Militärzeitschriften „Military Watch“ haben vor wenigen Tagen den russischen Mehrzweck-Bomber Su-34 als weltweit effektivstes Angriffsflugzeug eingestuft.

    Lesen Sie in diesem Artikel, warum dem legendären Su-34-Jet im Kampf besser nicht begegnet werde sollte.

    Geboren zum Wundern

    Su-34-Kampfjets wurden der russischen Luftwaffe im Jahr 2014 übergeben und erstmals bei der Operation zur „Erzwingung des Friedens” in Georgien unter Kampfbedingungen eingesetzt – im August 2008 zerbombten ein Paar Su-34 die Stellungen der georgischen Armee und „blendeten“ die gegnerischen Flugabwehrradare mit den Außencontainern zur funkelektronischen Bekämpfung; dieses System heißt „Chibiny“. Die Effizienz der Flugzeuge überraschte damals nicht nur georgische Befehlshaber, sondern auch die Nato-Führung, die die Entwicklung der Geschehnisse in der Region aufmerksam verfolgte.

    Doch im vollen Maße zeigten die Su-34-Maschinen der Weltöffentlichkeit ihr Angriffspotential und ihre hervorragenden Gefechtsqualitäten während der Militäroperation in Syrien. Sie wurden sofort in den Kampf geschickt, schon im Herbst 2015. Seit dieser Zeit sorgen diese Bomber immer wieder für positive Meldungen des Verteidigungsministeriums.

    Mit Raketen- und Bombenangriffen der Su-34 wurden hunderte Extremisten sowie Dutzende Kommandostellen und Waffenlager der Terroristen, Ölzisternen- und Panzerkolonnen vernichtet. Die modernen Leitsysteme der Su-34-Jets erlauben es, Luft-Luft-Raketen, lenkbare und einfache Bomben mit sehr hoher Präzision einzusetzen.

    Dank der hohen Manövrierfähigkeit und horizontalen Geschwindigkeit kann der Bomber einen Luftkampf führen und sogar attackieren. Die Su-34-Maschine ist mit einer 30-mm-Kanone Gsch-301 ausgerüstet. Zudem können Kurz- und Mittelstreckenraketen angehängt werden. Die Radaranlagen an Bord orten große Luftziele aus einer Entfernung von bis zu 250 Kilometer.

    Da ein F-16-Kampfjet der türkischen Luftstreitkräfte im November 2015 den russischen Su-24-Bomber abschoss, starten die Su-34-Maschinen in Syrien nun nicht ohne Luft-Luft-Raketen zu Kampfeinsätzen. Das Flugzeug ist mit Radaranlagen mit Blick nach hinten und Waffen ausgerüstet, die dabei helfen, fast jeden feindlichen Kampfjet „am Heck“ loszuwerden.

    Die Erfolge der Su-34-Jets in Syrien sorgten für zunehmendes Interesse an diesem Modell im Ausland. Top-Manager des russischen Waffenexporteurs Rosoboronexport berichteten, dass einige Nahost-Länder den russischen Superbomber kaufen wollen.

    Angriffsbomber

    Mit der Entwicklung eines neuen Front-Bombers als Ersatz für den Su-24-Jet begann das Konstruktionsbüro Sukhoi Mitte der 1980er-Jahre. Als Grundlage wurde das Su-27-Flugzeug genommen, das nachgebessert wurde. Modernste Bordanlagen, geringe Auffälligkeit und Störsicherheit, schlagkräftige Waffen und progressive Radaranlagen brachten die SU-34 näher an die Flugzeuge der 5. Generation.

    „Im Westen werden Maschinen dieses Typs taktische Kampfjets beziehungsweise Bomber-Kampfjets genannt und als ‚interdiction aircraft‘ klassifiziert“, erklärt der Flugzeugexperte Wladimir Karnosow. „Auf Russisch kann es als Flugzeug zur Isolierung von Kampfhandlungen bezeichnet werden. Seine Hauptaufgabe ist also die Vernichtung von Bodenzielen, obwohl er auch effektiv  Angriffen ausweichen und sich im Luftkampf verteidigen kann. So versetzt das Erdkampfflugzeug Su-25 vor allem Angriffe gegen Ziele direkt an der Frontlinie. Die Su-34 gewährleistet eine Abschirmung der Rückseite, damit der Gegner keine Munition beziehungsweise keinen Nachschub liefern kann“, so der Experte.

    Zu den starken Seiten des Bombers gehört auch das Radarsystem. Der Su-34-Jet ist mit einer passiven Phased-Array-Antenne mit elektronischem Scanner ausgestattet. Hinzu kommt ein optisch-elektronisches System mit starker Vergrößerung – nicht jedes Kampfflugzeug verfügt über ein solches System. So kann der Su-34-Jet nicht nur Angriffe gegen unbewegliche Ziele versetzen, sondern auch sich bewegende Objekte orten, begleiten und vernichten.

    Eine weitere Besonderheit ist die Lage der Besatzung im Cockpit. In der Su-34 sitzen die Piloten nebeneinander. Solch eine Sitzanordnung kann nur in schweren Bombern erreicht werden. Piloten der taktischen Flugzeuge mit einem ähnlichen Startgewicht sitzen gewöhnlich hintereinander. „Nebeneinander zu sitzen hat mehrere Vorteile, besonders unter extremen Kampfbedingungen – die Besatzungsmitglieder sprechen ohne Funkgerät miteinander, das Zusammenwirken zwischen den Piloten wird einfacher. Sie nutzen einige Sensoren und Geräte gemeinsam, die Koordinierung wird besser“, sagte Karnosow.

    Wichtig ist auch, dass die Su-34 ein geräumiges und komfortables Flugzeug ist. Bei langen Flügen kann man aufstehen, sich etwas bewegen, eine Tasse Kaffee trinken.

    Unähnliche Zwillinge

    Zu einem der wenigen ausländischen Konkurrenten der Su-34 gehört der Bomber F-15E Strike Eagle. Dieses Flugzeug wurde auch auf Basis des schweren Kampfjets F-15 als Ersatz für den Bomber F-111 entwickelt. Er steht bei den US-Luftstreitkräften seit Ende der 1980er-Jahre in Dienst und nahm an fast allen Militäreinsätzen der USA teil – im Persischen Golf, in Afghanistan, Jugoslawien und Libyen.

    Die „Strike Eagles“ können zusätzliche Treibstoffvorräte in so genannten konformen Behältern tragen. Das Flugzeug ist mit lenkbaren Raketen, nicht lenkbaren und smarten Bomben mit einem JDAM-System, Anti-Schiffsraketen und sogar taktischen Atomwaffen ausgerüstet. Die Höchstgeschwindigkeit ist zwar rund 2,5 Mal höher als beim Su-34-Jet  – doch nur bei einem leeren Flugzeug, ohne Außenhänge. Die Kampfreichweiten sind mit rund 1000 Kilometer ungefähr gleich, jedoch hat die Su-34 eine größere Raketen- und Bombenlast.

    US-Experten machen darauf aufmerksam, dass die russischen Su-34-Flugzeuge weit entfernt von den Stationierungsorten Angriffe versetzen können. So können die in Syrien stationierten Flugzeuge Ziele fast im ganzen Nahen Osten, und von Kaliningrad aus bis nach Deutschland, ins Baltikum und Skandinavien erreichen.

    In den vergangenen Jahren erhöhte die heimische Rüstungsindustrie die Su-34-Lieferungen an die russische Armee. Sie werden in ganz Russland stationiert – in den Gebieten Woronesch, Tscheljabinsk, Rostow, Astrachan und in der Region Chabarowsk. Laut dem Verteidigungsministerium sollen die Luftstreitkräfte bis 2020 rund 100 neue Maschinen bekommen.

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    Tags:
    Jagdflugzeug, Kampfjet, Bomber, Luftstreitkräfte, F-15C Eagle, Su-34, F-16, Su-27, USA, Russland
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