06:02 21 Juli 2018
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    Horst Seehofer beim CSU-Kongress in Nürnberg (Archivbild)

    „Erst einmal ein Kompliment!“ – Geburtstagsbrief an Horst Seehofer

    © AP Photo / Matthias Schrader
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    Marcel Joppa
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    Am Mittwoch ist Horst Seehofer stolze 69 Jahre alt geworden. Ob er viel Zeit zum Feiern hat, ist nicht bekannt. Sicher ist aber, dass er durch geschicktes Taktieren auch an seinem Ehrentag weiter das Amt des Bundesinnenministers bekleidet hat. Sputnik hat „Heimat-Horst“ gratuliert und einen offenen Brief geschrieben.

    Sehr geehrter Herr Seehofer,

    was sind das doch für bewegte Zeiten, in denen Sie nun Ihren Geburtstag feiern! Erst einmal ein Kompliment: Während viele Ihrer Altersgenossen in Deutschland schon lange die Enten im Park füttern und unter dem warmen Deckmäntelchen einer kleinen Rente auf den Besuch der Enkelkinder warten, wollen Sie es noch einmal wissen.

    Was fällt dieser Frau Merkel auch ein, einfach Ihre Altersweisheit in Frage zu stellen?! Nun klar, sie ist „theoretisch“ Ihre Vorgesetzte, aber seien wir doch mal ehrlich: Ohne Sie und die gute alte CSU wäre Angela doch gar nicht erst Kanzlerin geworden. Unerhört, dass man Ihnen nun etwas vorschreiben will!

    Erfahrung schlägt Kompetenz …

    Und ich muss schon sagen, Ihre alte Taktik des „Hände hoch, oder ich erschieße mich!“ hat auch dieses Mal wieder hervorragend funktioniert. Erinnern Sie sich noch an den Dezember 1995? Sie wollten damals als Bundesgesundheitsminister eine – vielleicht nicht ganz durchdachte – Krankenhausreform auf den Weg bringen, aber der Koalitionspartner FDP machte nicht mit. Die haben damals alle ganz schön geschluckt, als Sie mit einem Rücktritt drohten.

    Oder im November 2004, als Sie dann sogar tatsächlich einmal zurücktraten. Das war wirklich ein toller Zirkus! Es ging seinerzeit um ein neues Gesundheitssystem, was Ihnen nicht gefiel, und Sie sagten: „Meine persönliche Glaubwürdigkeit ist mir wichtiger als Funktionen“ – und traten als Fraktions-Vize der Union zurück. Gut, Sie kamen dann wieder ganz schnell zurück auf die große politische Bühne, aber denen „da oben“ haben sie bestimmt einen ganz schönen Schrecken eingejagt!

    Sie lassen sich nichts sagen …

    Es ist aber auch ungerecht, dass die Kanzlerin Sie einfach nicht versteht. Hat die Frau denn keinen Kalender? Schließlich weiß doch jeder, dass in gut drei Monaten Landtagswahlen in Bayern sind. Etwas Wichtigeres gibt es doch nicht! Und es weiß auch jeder, dass sich die CSU im Vorfeld der Bayernwahlen alle vier Jahre besonders laut und polternd verhält. Das bayerische Volk liegt Ihnen eben ganz besonders am Herzen! Zumindest alle vier Jahre.

    Klar, das mit der AfD ist schon echt nervig. Was wollen die eigentlich? Die Linken konnten Sie im Freistaat doch auch immer kleinhalten. Warum will das denn nicht mit den Rechten gelingen? Dabei haben Sie so tolle Ideen: Die geschlossenen Grenzen, die ganzen Zurückweisungen von registrierten Flüchtlingen … nun gut, das hätte man natürlich auch schon alles in den vergangenen Jahren auf den Weg bringen können, aber da hatte die CSU vielleicht einfach nicht dran gedacht. Man kann sich auch echt nicht um alles kümmern!

    Es ist auch eine Frechheit …

    Diese „Asyltouristen“ kommen weiter nach Deutschland, obwohl Ihr Freund, der Viktor Orban, so schön die Balkanroute geschlossen hat. Wenn jetzt in einem anderen EU-Land registrierte Flüchtlinge ins schöne Bayern einwandern wollen, muss man das doch irgendwie verhindern können, oder? Wollen wir hoffen, dass die ganzen südeuropäischen Länder nicht auf die Idee kommen, die Flüchtlinge dann einfach gar nicht mehr zu registrieren… weil Deutschland dann quasi verpflichtet wäre, die Migranten vorerst aufzunehmen. Aber soweit denken die in Rom und Athen bestimmt nicht.

    Feiern Sie Ihren Geburtstag eigentlich dieses Jahr? Hoffentlich laden Sie nicht den Markus Söder ein, der stiehlt Ihnen bestimmt wieder die Show. Die Kollegen von der CDU haben gerade auch nicht so richtig Lust auf eine Party. Aber der Alexander Dobrindt backt Ihnen sicher einen schönen Kuchen. Eine Männerfreundschaft ist schon was. Ich habe zwar gehört, Freund Dobrindt wäre auch furchtbar gern mal CSU-Chef, aber das hat ja noch etwas Zeit. Schließlich haben Sie noch so viel vor. Und auf Bundesebene kann man nun wirklich nicht auf Sie verzichten!

    Zum Abschluss noch ein kleines Geburtstagsgedicht…

    Ich hoffe, es gefällt Ihnen:

     

    Immer noch kein bisschen leise,

    Sie haben Nerven, hart wie Stahl,

    manche sagen, eine Meise,

    doch das ist Ihnen sehr egal.


    Heimat, die ist Ihnen wichtig!

    Also Bayern … logisch, klar.

    Das ist vielleicht nicht immer richtig,

    doch dafür klappt es wunderbar.


    Ein Rücktritt wäre reiner Hohn!

    Sie gehen erst, wenn Merkel geht.

    Danach, je nun, wer weiß das schon:

    Zur Kanzlerschaft ist’s nie zu spät.


    In diesem Sinne, Servus und alles Gute …

    Tags:
    Migration, Streit, Migrationspolitik, Geburtstag, Asyl, CDU, CSU, EU, Horst Seehofer, Angela Merkel, Afrika, Brüssel, München, Bayern, Deutschland