14:08 15 November 2018
SNA Radio
    US-Präsident Donaldd Trump tritt bei einer Veranstaltung in White Sulphur Springs, West Virginia, auf

    Anti-Trump-Troika: Peking, Tokio und Delhi schließen Bündnis gegen Washington

    © REUTERS / Leah Millis
    Kommentare
    Zum Kurzlink
    Iwan Danilow
    1926211

    Trumps Strategie, die USA durch Druck, Drohungen und Sanktionen gegen andere Länder stark zu machen, geht offenbar mächtig in die Hose. Nicht nur, dass Amerikas größte Gegner im globalen Handelskrieg – China und die EU – noch lange nicht aufgeben wollen. Jetzt verbünden sich auch noch deren Partner in Asien gegen den US-Präsidenten.

    Präsident Trump macht das Unmögliche möglich: Obwohl Pekings asiatische Konkurrenten – Tokio und Delhi – die chinesische Führung wegen ihrer Ambitionen in der Region nicht gerade mögen, erklären sie sich bereit, mit den Chinesen gemeinsame Sache in der Handelspolitik zu machen. Die US-Führung verliert ihre Freunde und schafft sich neue Feinde, was sicherlich kein für sie gutes Ende nehmen wird.

    Wie die Agentur „Bloomberg“ berichtet, haben sich am 1. Juli in Tokio die Handelsminister von 16 asiatischen Ländern getroffen, die kurz davor stehen, den größten Handelsblock der Welt auszuhandeln. Und die USA werden diesem Block nicht angehören. Die Initiatoren dieser Handelszone sind China, Japan und Indien, was Washington sicherlich beunruhigen muss. 

    Etliche US-Experten setzen große Hoffnungen auf Japan und Indien bei der Eindämmung Chinas im Interesse der USA. Die leitende Vorstellung dabei ist, die traditionellen Gegensätze zwischen Indien und China sowie zwischen Japan und China zu nutzen, um „Peking mit fremden Händen zu erwürgen“. Tatsächlich aber tauschen die US-Verbündeten in der Region – und das sind nicht nur Japan und Indien, sondern auch Südkorea, Australien und Neuseeland – ihre bislang proamerikanischen Positionen gegen pragmatischere Ansätze in der Außenpolitik.

    Der japanische Handelsminister Hiroshige Seko sagte bei dem Treffen in Tokio laut der Agentur:

    „Der Weg zur Unterzeichnung des Abkommens Ende des Jahres ist freier geworden. Angesichts dessen, dass die Sorge wegen des Protektionismus weltweit wächst, ist es wichtig, dass die asiatische Region unter der Flagge des Freihandels geht.“

    Aus dem Diplomaten-Japanisch übersetzt, heißt das: Der US-amerikanische Protektionismus ist zu einem derart massiven Problem geworden, dass die Haifische im asiatischen Becken bereit sind, ihre Gegensätze zu vergessen, um sich gemeinsam in Uncle Sam zu verbeißen. Ob die US-Führung das beabsichtigte, als sie die Strafzölle gegen Japan und Indien einführte?

    Die Folgen der Gründung einer asiatischen Handelszone sind kaum zu überbewerten. Ursprünglich war dieser Zusammenschluss als „Transpazifische Partnerschaft“ gedacht – angeführt natürlich von den USA, die auch der Hauptnutznießer dieser Partnerschaft sein wollten. 

    Die Trump-Regierung hat diesen Handelspakt begraben, indem sie Peking absichtlich aus der Partnerschaft ausschloss. China sollte isoliert und in Asien von Ländern umgeben sein, deren Handelspolitik von Washington bestimmt wird. Die Vorteile der Vereinigten Staaten aus diesem Pakt seien unzureichend, dachte sich die US-Führung. Aus Asien sei noch mehr rauszuholen, wenn man nur jedes Land einzeln unter Druck setze.

    Was damit erreicht wurde, ist das absolute Gegenteil. Chinas Isolation ist gescheitert, das Land arbeitet mit Japan und Indien gemeinsam daran, eine Handelszone von beispiellosem Ausmaß zu schaffen: Rund ein Drittel der Weltwirtschaftsleistung und fast die Hälfte der Weltbevölkerung wird sie umfassen.

    Für die US-Politik bedeutet diese Neugründung, dass deren bisherige Politik von wirtschaftlichem Druck auf unvorhergesehene und massive Schwierigkeiten stoßen wird. Ein Beispiel: Die Schutzzölle gegen ein Mitgliedsland dieser Handelszone werden praktisch wirkungslos, weil bestimmte Waren, auf die die Schutzzölle erhoben werden, durch andere Länder des Handelsblock re-exportiert werden können.

    Damit die amerikanischen Anti-China-Zölle ihre Wirkung zeitigen, müssten sie dann auf alle 16 Länder der Handelszone ausgeweitet werden, einschließlich Japan, Indien und Australien. Das würde die Trump-Regierung kaum aufhalten, doch die ernsten Schwierigkeiten beginnen mit den Gegenmaßnahmen dieser Länder, weil sie den US-Exporteuren den Zugang zu einem Drittel des Weltmarkts versperren würden.

    Jedes einzelne Mitgliedsland der künftigen Handelszone ist den Wirtschaftssanktionen der USA, die Washington gerne als Tarife tarnt, in gewissem Maße ausgeliefert. Gemeinsam aber sind sie eine Kraft, die die US-Unternehmen empfindlich treffen kann, was die Kräfteverhältnisse in den globalen Handelskriegen radikal ändert.

    Es ist durchaus möglich, dass Washington bereist einsieht, den Bogen überspannt zu haben. Schon möglich, dass die US-Forderung an Indien und Japan, auf den Kauf iranischen Erdöls zu verzichten, welches diese Länder benötigen, das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Medien berichten, das Weiße Haus sei bereit, von seinen Forderungen Abstand zu nehmen und eine „vorübergehende Befreiung von Sanktionen“ bei einzelnen Ländern zu prüfen. Höchstwahrscheinlich aber ist diese Friedensgeste zu ausdrucksschwach und kommt zu spät.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Nicht schaden, sondern beflügeln: Experten bewerten Folgen von Handelskrieg für China
    Handelskrieg unter Nachbarn? Kanada wird Strafzölle auf US-Waren einführen
    Wie der Handelskonflikt zwischen den USA und China auf Russland abfärben könnte
    Tags:
    US-Strafzölle, Strafzölle, Bündnis, Handelskrieg, Wirtschaft, Partnerschaft, Protektionismus, Zusammenarbeit, Handel, Export, Sanktionen, Weißes Haus, Bloomberg, WTO, Donald Trump, Narendra Modi, Shinzo Abe, Xi Jinping, Delhi, Asien, Tokio, Peking, Japan, Indien, USA, China