10:41 25 September 2018
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    US-Flugzeugträger USS Theodore Roosevelt im Persischen Golf

    FAZ im Dienst der US Navy: Bezahlte Werbung für den Krieg der USA auf Weltmeeren

    CC BY 2.0 / U.S. Navy / Mass Communication Specialist 3rd Class Alex Corona
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    Uli Gellermann
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    Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Dieser Name klingt nach edlem Konservatismus, nach altem Geld und jungem Kulturteil. Nach journalistischer Unabhängigkeit, Leitmedium und dem in der Eigenwerbung behaupteten „Klugen Kopf“. Die FAZ hat nun jüngst ihr papiernes Produkt mit einem wuchtigen Video über einen US-Flugzeugträger ins Internet geschickt.

    Die Video-Reportage trägt den Titel „24 Stunden auf der ‚Roosevelt‘: 100.000 Tonnen gegen den Terror“. Und man muss schon entschieden dumm oder erheblich korrumpiert sein, wenn man als Journalist den alten Bush-Slogan vom Kampf gegen den Terror recycelt und ohne Anmerkung einfach weitergibt.

    Auch die Art, in der die FAZ diese US-Propaganda-Behauptung weiterreicht, ist ziemlich eklig. Mit einer gehörigen Portion sklavischer Anbetung eines Spitzen-Mordinstrumentes: „Das Leben an Bord des amerikanischen Flugzeugträgers ‚USS Theodore Roosevelt‘ ist entbehrungsreich“, weiß die Reportage-Crew der FAZ zu erzählen. Im Stil der Hollywood-Navy-Werbefilme der 50er Jahre gestaltet die FAZ die Dokumentation fast wie einen Spielfilm. Mal das Bild vom kühnen Piloten am immer blauen Himmel, dann im Gegenschnitt total ästhetische Bilder vom Dienst auf dem grandios fotografierten Stahlkoloss. Jeden Moment erwartet man, den flotten Navy-Marsch „Anchors Aweigh“ zu hören, aber das hat sich die FAZ dann doch gespart.

    Gespart wurde ansonsten an nichts: Selbst wenn man berücksichtigt, dass die FAZ für die Darsteller und den schwimmenden Drehort nichts hat zahlen müssen, bleiben doch Kamera- und Schnitt-Team und jene gut entlohnten Redakteure, die sich für nichts zu schade sind. Die geschätzten Kosten des Videos liegen eher bei 100.000 als bei 10.000 Euro. Aber vielleicht ist die FAZ auch in Dollars bezahlt worden, der Kurs ist gerade günstig.

    Der Flugzeugträger ist geradewegs nach Syrien unterwegs, wo angeblich „Kampfhandlungen mit türkischen Soldaten“ drohen. Kein Gedanke daran, dass man auf der schwer gepanzerten „USS Theodore Roosevelt“ ziemlich ruhig und sicher schlafen kann, anders als die Zivilsten, die bei den Kriegs-Einsätzen – die natürlich bei der FAZ „Mission“ heißen – immer wieder mal amerikanische Bomben oder Raketen auf die Köpfe kriegen. Frauen, Männer und auch Babys, die von der US Navy seit Jahrzehnten befreit werden. Zumeist von ihrem Leben.

    Denn die „Theodore Roosevelt“ war schon überall, wo die USA missionieren: Im Desert Storm (2. Golfkrieg) – 650.000 Tote. Bei der  Iraqi Freedom (Irakkrieg) – zwischen 946.000 und 1.120.000 tote irakische Zivilisten. Doch Fragen nach solch unappetitlichen, blutigen Einzelheiten mag die FAZ nicht stellen. Da berichten die Reporter lieber über „Fitnessgeräte, einen Basketballplatz und Tischtennisplatten; zudem Cafés, Gemeinschaftsräume – und jede Menge Unterhaltungselektronik“ auf dem Kriegsschiff.

    Besonders gern gelobt wird die Crew: „Nur die besten Piloten der Welt können auf einem Flugzeugträger landen. Damit ihnen das gelingt, ist höchste Konzentration gefordert.“ Die FAZ konzentriert sich am liebsten auf Public Relations, auf offenkundig bezahlte Reklame, statt auf Journalismus.

    Zur Zeit verfügen die USA über eine Flotte von insgesamt elf Flugzeugträgern. Sie sind die dicken Knüppel der Amerikaner zur Beherrschung der Meere. Mit ihnen werden geostrategische Ziele durchgesetzt. Schon die Anwesenheit dieser Dickschiffe vor „feindlichen“ Küsten lässt Regierungen darüber nachdenken, ob man sich nicht lieber gleich den Forderungen der US-Regierung beugen sollte.

    Die FAZ ist fraglos ein „Dickschiff“ deutscher Publizistik: Mit 239.946 Exemplaren verkaufter Auflage ist sie schon vom Umsatz her beeindruckend. Mehr noch beeindruckt der Ruf der FAZ als Leit- und Qualitäts-Medium. Doch mit der Reportage über die „Roosevelt“ hat sie nichts anderes abgeliefert als einen „dicken Hund“ – ein empörendes, devotes Hochglanz-Produkt zur Propagierung des Krieges, das eigentlich ein Einschreiten des Presserates verlangen müsste.

    Doch der „Deutsche Presserat“ ist offenkundig sogar auf den Hühneraugen blind. Sonst hätte er bereits im letzten Jahr, bei der kriegs-verherrlichenden Online-Reportage des „Focus“ über den US-Flugzeugträger „USS Gerald R. Ford“ protestieren müssen. Der 13-Milliarden-Dollar Flugzeugträger wird dort vom US-Präsidenten Trump als „ein sehr gutaussehendes Schiff“ gelobt. Die Produzenten von Fake-News bei der „Tagesschau“ preisen das maritime Mordinstrument sogar mit den Worten: „Keine Sparvariante eines Kriegsschiffs“.

    Man muss den Presserat verstehen. Der Verleger-Verein weiß: Das Anzeigengeschäft läuft ziemlich mau. Da können so ein paar Dollars für die Verquickung von falschem Journalismus und echter Reklame nur nützlich sein.

    Quelle: www.rationalgalerie.de

    * Die Meinung des Autors muss nicht mit der der Redaktion übereinstimmen.

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    Tags:
    Kriegsvorbereitungen, Kriegsgefahr, Medien, Propaganda, Flugzeugträger USS Theodore Roosevelt, Irak-Krieg, Deutscher Presserat, FAZ, U.S. Navy, Syrien, Irak, Deutschland, USA