09:26 24 September 2018
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    Internes Dokument: China soll sich für Krieg gegen USA wappnen

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    Iwan Danilow
    2021212

    Die japanische Nachrichtenagentur Kyodo News hat ein für den internen Gebrauch bestimmtes Dokument der Zentralen Militärkommission Chinas veröffentlicht, wo eine Kampfstrategie dargelegt wird. Diese würde ermöglichen, den schwächer werdenden globalen „Hegemon“ zu überholen, bei Bedarf einen Konflikt einzudämmen und auch einen Krieg zu gewinnen.

    Wenn der Inhalt der in die Medien durchgesickerten Strategie tatsächlich die Vision der chinesischen Führung widerspiegelt, dann erwartet uns in nicht sehr ferner Zukunft ein radikaler Anstieg des Risikos eines militärischen Zusammenstoßes zwischen den USA und China.

    Die chinesischen Strategen wollen China nicht nur schützen, sondern die US-Dominanz auf dem Meer herausfordern. Man kann sich kaum vorstellen, dass die US-Führung (unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit und ideologischen Ausrichtung) China freie Hand dabei lassen wird, einen solchen Plan ohne Widerstand durch den US-Apparat und der Armee umzusetzen.

    Kyodo News und Japan Times führen die Hauptthesen des Dokuments an, in denen darauf hingewiesen wird, dass sich China darauf vorbereitet, seine militärische Präsenz und seinen Einfluss weit über die eigenen Grenzen hinaus auszuweiten:

    „In einem Kapitel des Dokuments heißt es, dass die Volksbefreiungsarmee Chinas vor allem auf die eigene Vorbereitung zum Schutz der Küste getrimmt ist, und die Armee in der neuen Ära ihre Kapazitäten am Boden, auf dem Meer und in der Luft als Zusatz zur Entwicklung außerhalb des traditionellen Aktionsbereichs stärken soll. Zitat: ‚Mit der Erweiterung unserer nationalen Interessen außerhalb der Grenzen brauchen wir dringend einen allumfassenden Schutz unserer Sicherheit in der ganzen Welt.‘“

    In dem Dokument wird mehrmals die Notwendigkeit einer vollständigen Unterordnung der Armee unter Staatschef Xi Jinping hervorgehoben. Dabei kommen die westlichen Experten zur festen Überzeugung, dass der chinesische Staatspräsident einen entscheidenden Beitrag zur neuen Zielsetzung für die chinesischen Streitkräfte geleistet hat.

    Es ist sehr wahrscheinlich, dass dieser Kurswechsel der Chinesen in Washington als Herausforderung wahrgenommen wird, weil die USA noch bis vor Kurzem die ganze Welt als ihrer nationalen Interessenbereich betrachteten, der notfalls mit Gewalt verteidigt werden muss. Chinesische Experten meinten damit nicht unbedingt das Kopieren des US-Herangehens, doch angesichts der antichinesischen Stimmungen in Trumps Administration ist es kaum wahrscheinlich, dass sie an eine Version glauben werden, dass China nicht auf Konfrontationskurs mit den USA in den wichtigsten Orten des Planeten gehen wird.

    Die Angst vor der chinesischen Expansion ist zwar ein wichtiges, aber angesichts der antirussischen Hysterie ein nicht so auffallendes Element in der Militärpolitik der USA. Wenn US-Generäle im Dokument der Zentralen Kommission der Armee Chinas lesen, dass die Armeereform ein effektiveres Krisenmanagement, eine Eindämmung der Konflikte, militärische Erfolge und den Schutz der Expansion der nationalen strategischen Interessen ermöglichen wird, erinnern sie sich wohl an jüngste Anhörungen im US-Kongress, bei denen die „chinesische Bedrohung“ erörtert wurde. Die Zeitschrift „Newsweek“ veröffentlichte nach diesen Anhörungen einen Artikel mit dem Titel „Die chinesische Militärexpansion und der globale militärische Aufbau lassen mich in der Nacht nicht schlafen – Minister der Kriegsflotte“. Ein genaueres Zitat, auf das sich die US-Journalisten berufen, gibt zusätzlichen Stoff zum Nachdenken:

    „Wenn es um China geht, geht es um sein Scheckbuch. Es geht nicht um Dollar und Cents, die sie für die Förderung ihrer Militärexpansion und für technologische Entwicklungen ausgeben, sondern auch darum, womit sie sich in der ganzen Welt befassen … Sie nutzen das Kapital als Waffe. Ihr offenes Scheckbuch lässt mich in der Nacht nicht schlafen“, sagte US-Marineminister Richard V. Spencer.

    Im skandalösen chinesischen Dokument, das in japanischen und westlichen Medien heiß diskutiert wird, gibt es ein wichtiges Detail, das auf der einen Seite die chinesische Mentalität sehr gut widerspiegelt, und auf der anderen Seite zeigt, dass chinesische Think Tanks sich sehr bemüht haben, die westliche Logik zu verstehen. In dem Dokument wird darauf hingewiesen, dass gerade der Aufbau einer Armee, die zu wahren globalen Kampfhandlungen bereit ist, es China ermöglichen wird, die so genannte „Falle des Thukydides“ zu umgehen. Der Begriff „Falle des Thukydides“ wurde von dem Harvard-Professor und ehemaligen Pentagon-Chef Tillett Graham geprägt. Sein Wesen besteht kurz gefasst darin: Sobald ein potentieller Hegemon an Stärke gewinnt, hat der aktuelle Hegemon immer mehr Angst vor ihm, was zu einem unvermeidlichen Krieg zwischen ihnen führt. Als Beispiel dafür wird gewöhnlich der Krieg zwischen Sparta und Athen angeführt, auf dessen Unvermeidlichkeit Thukydides hinwies.

    Die Verfasser der chinesischen Strategie beharren darauf, dass eine radikale Erweiterung der globalen Möglichkeiten der chinesischen Armee die Obsession eines unvermeidlichen Kriegs zwischen der wachsenden Kraft und dem herrschenden Hegemon verhindern helfen könne. Es besteht das Risiko, dass diese Einschätzung zu optimistisch ist. Der Versuch, die globalen Möglichkeiten der chinesischen Armee radikal zu erweitern, könnte Washington zu sehr aggressiven und radikalen Maßnahmen provozieren, die sich nicht auf wirtschaftlichen und diplomatischen Druck beschränken werden. Zudem entsteht der Eindruck, dass das wahre Ziel Washingtons sich trotz der rein pragmatischen Rhetorik Trumps nicht darauf beschränkt, nur die Handelsbilanzen auszugleichen. Erinnert man sich an die Worte Spencers über die „Nutzung des Kapitals als Waffe“, so könnte man zum Schluss kommen, dass der Handels- (vielleicht auch Sanktions-)Krieg nicht bis zur Herstellung der Handelsbilanz, sondern bis zur Beseitigung dieser schrecklichen chinesischen Waffe dauern wird.

    In diesem Zusammenhang tauchen zwei wichtige Fragen auf.

    Erstens: Wie viel Zeit würde Washington brauchen, um zu verstehen, dass der Handelskrieg und Sanktionen nicht dabei helfen werden, das erwünschte Ziel zu erreichen?

    Zweitens: Was würde Trumps Administration nach dem Ausschöpfen aller Wirtschaftsmethoden unternehmen?

    Dass US-Kriegsschiffe jetzt demonstrativ die Straße von Taiwan passierten und demnächst die erste Gruppe von US-Marineinfanteristen nach Taiwan kommt, ist anscheinend ein Zeichen, wo und wie die USA ihre Ansprüche als globaler Hegemon verteidigen werden.

    * Die Meinung des Autors muss nicht mit der der Redaktion übereinstimmen.

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    Tags:
    Militärtechnik, Kriegsschiffe, Militarismus, Rüstung, Kriegsvorbereitungen, Kriegsgefahr, U.S. Navy, US-Armee, Pentagon, Xi Jinping, Donald Trump, Südostasien, Südasien, Südchinesisches Meer, Asien, Taiwan, USA, China