14:56 15 Dezember 2018
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    Arbeiter im chinesischen Hafen Nantong

    Wie Russland und Asien die USA im Welthandel verdrängen werden

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    Alexander Lesnych
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    In Tokio hat eine weitere Verhandlungsrunde über die Schaffung der Umfassenden regionalen Wirtschaftspartnerschaft stattgefunden. Dazu sollen 16 Asien-Länder gehören, darunter China, Japan, Indien, Australien, Südkorea, Neuseeland und alle zehn ASEAN-Mitgliedsstaaten. Das neue Abkommen wird den Welthandel beeinflussen und Russland dabei gewinnen.

    Dass Asien eine Freihandelszone braucht – darüber wurde bereits beim ASEAN-Gipfel 2012 gesprochen. Solch eine großangelegte Wirtschaftsvereinigung würde eine bedeutende Erweiterung des internationalen Handels und einen Anstieg der gegenseitigen Investitionen ermöglichen, sagte damals der Generalsekretär der Organisation, Surin Pitsuwan. Der größte Vorteil wäre, dass alle Länder der Region unabhängig vom Entwicklungsniveau die Möglichkeit eines beschleunigten Wirtschaftswachstums bekommen.

    Handelsbarrieren

    Die Beseitigung der Handelsbarrieren spitzt tatsächlich die Konkurrenz unter den Warenherstellern zu. Das ist ein guter Antriebsfaktor für die Entwicklung unabhängig vom Tätigkeitsbereich. Doch damals wurde es nicht geschafft, schnell die technischen Aspekte abzustimmen und zur umfassenden Kooperation überzugehen. Weil nicht allen Akteuren diese Kombination gefiel.

    Seit 2008 wurden die Verhandlungen über die Transpazifische Partnerschaft (TPP), der sich auch einige ASEAN-Länder anschließen sollten, auch von den USA geführt. Washington rechnete damit, die Kontrolle über einen bedeutenden Teil der Region als Gegengewicht zu China zu bekommen, dessen geopolitische und wirtschaftliche Ambitionen das Weiße Haus stark beunruhigen. Doch 2017 änderte sich die US-Politik in dieser Richtung grundlegend. Donald Trump unterzeichnete bereits am dritten Tag seiner Amtszeit einen Erlass über den Ausstieg aus dem Abkommen.

    Der Feind meines Feindes

    Der Ausstieg der USA aus dem Freihandelsabkommen TPP an sich forcierte nicht die Verhandlungen über eine umfassende regionale Wirtschaftspartnerschaft. Doch die von Trump rund um die Welt entfachten Handelskriege sorgten dafür. Washington hob die Einfuhrzölle an und fügte den führenden Wirtschaftsmächten in Asien einen großen Schaden zu. Selbst feindlich gestimmte Länder wie China und Indien beschlossen, in einheitlicher Front vorzugehen. Im Ergebnis kann das finale Abkommen bereits im Laufe dieses Jahres unterzeichnet werden.

    „Natürlich ist das mit den Handelsprovokationen Trumps im globalen Ausmaß verbunden. Das Abkommen zur Umfassenden regionalen Wirtschaftspartnerschaft würde die Integration des Marktes der West-Pazifik-Region fördern, also des ganzen Marktes Nordostasiens, und würde der regionalen handelswirtschaftlichen Entwicklung stark helfen“, sagte der chinesische Wirtschaftsexperte Jia Pujing gegenüber Sputnik China.

    Das Potential der Länder, die an den Verhandlungen teilnehmen, beansprucht wohl die Rolle einer führenden globalen Wirtschaftsvereinigung. Nach Angaben der Weltbank stieg ihr gesamtes BIP 2012 bis 2017 von 21,9 auf 25,5 Billionen Dollar, und der Anteil am globalen BIP von 29,3 auf 31,6 Prozent. Das sind bei einer Bevölkerung von mehr als 3,5 Milliarden Menschen also 47,5 Prozent der ganzen Menschheit.

    Geld entscheidet

    Laut indischen Experten würde die neue Partnerschaft nicht einfach den Handel zwischen den Teilnehmerstaaten effektiver machen. Die Erweiterung der Wirtschaftskooperation ist der Schlüssel zur Lösung von langjährigen Gebietsstreitigkeiten. Das Abkommen würde die Sicherheit in der Region festigen, was ein zusätzlicher Anreiz für die Entwicklung sein wird.

    „Wenn China damit anfängt, in den industriellen Sektor in Indien zu investieren, würde das Zehntausende Arbeitsplätze schaffen. Zudem werden neue Möglichkeiten für den indischen Export geschaffen. Mit der Zeit würde das ermöglichen, auch den dummen Territorialstreit zu lösen“, sagte der Politologe Mochan Guruswami.

    Doch eine umfassende regionale Wirtschaftspartnerschaft wird keine Alternative für den Handel mit den USA sein. Laut dem Mitglied der Assoziation internationaler Studien, Grigori Jarygin, wird die gegenseitige Abhängigkeit zwischen Washington und den Ländern der Asien-Region jedenfalls bestehen bleiben.

    „Die neuen Wirtschaftsbündnisse innerhalb der Asien-Region können zwar erfolgreich sein, doch für die größten Wirtschaftsmächte Asiens – Japan, China und Südkorea – ist der US-Markt zu wichtig, sie werden auf ihn niemals verzichten“, so der Experte.

    Allerdings würde die umfassende regionale Wirtschaftspartnerschaft den US-Außenhandel funktionell stark beeinflussen. Sanktionen gegen einzelne Länder des Bündnisses würden einfach sinnlos sein, weil im Rahmen der Freihandelszone ein Reexport möglich ist. Einschränkungen gegen alle Teilnehmer der Partnerschaft einzuführen und plötzlich ohne ein Drittel des globalen Absatzmarktes auskommen zu müssen – das ist wirtschaftlicher Selbstmord.

    Russland wird helfen

    Russland könnte der neuen Vereinigung helfen und dabei natürlich auch verdienen, indem es  Energie liefert. Denn das Wirtschaftswachstum ist unmittelbar mit dem Anstieg des Energieverbrauchs verbunden.

    Gazprom und die chinesische Firma CNPC unterzeichneten ein Abkommen über die Lieferung von 38 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr. Dank der Umfassenden regionalen Wirtschaftspartnerschaft könnte diese Menge um ein Mehrfaches steigen.

    „Nach mittelfristigen Prognosen würde sich der Bedarf an russischen Rohrgaslieferungen nach China im Jahr 2035 auf 80 bis 110 Milliarden Kubikmeter belaufen“, sagte Gazprom-Chef Alexej Miller.

    Vor einem Monat traf im indischen Dahej die erste Partie von Jamal-Flüssiggas ein. Laut dem Vertrag sind Lieferungen von jährlich 3,5 Milliarden Kubikmeter Flüssiggas nach Indien vorgesehen. Da russisches Gas aktiv von Wirtschaftsmotoren dieser Partnerschaft genutzt wird, werden die „jüngeren Brüder“ wohl bald ihrem Beispiel folgen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht mit der der Redaktion übereinstimmen.

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    Tags:
    Flüssiggas, LNG, Handelskrieg, Welthandel, Freihandelszone, Jamal-SPG, Gazprom, ASEAN, Freihandelsabkommen TPP, Weißes Haus, Alexej Miller, Donald Trump, Jamal, Südkorea, Russland, Asien, USA, China