14:36 21 November 2018
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    Donald Trump bei einem Telefongespräch (Archivbild)

    Die „dumme Wand“ zwischen Trump und Putin

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    Iwan Danilow
    Erstes großes Treffen zwischen Putin und Trump (48)
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    Im Vorfeld des russisch-amerikanischen Gipfels in Helsinki tun sich Kräfte hervor, die mögliche positive Folgen des Treffens der Präsidenten Wladimir Putin und Donald Trump minimieren wollen. Wie gewöhnlich veröffentlichen viele US-Medien Informationen unter Berufung auf „eigene Quellen“, bei denen es im Grunde um zwei Thesen geht.

    Erstens sei Trump ein Verräter oder wenigstens ein gefährlicher Narzisst, den man keineswegs unter vier Augen mit Putin sprechen lassen darf.

    Zweitens strebe Trump eine Annäherung mit Putin an, trotz Empfehlungen seines eigenen Kabinetts, das gegen eine Normalisierung der Beziehungen Washingtons mit Moskau ist.

    Während die These, Trump wäre ein „Verräter“, einfachen Amerikanern schon seit gut zwei Jahren vermittelt wird, ist die Behauptung, Trump würde wider den Willen seines Teams handeln, um dem Kremlchef einen Gefallen zu tun, relativ neu.

    Am 9. Juli schrieb die „New York Times“ über einen Konflikt des US-Präsidenten mit seiner Administration. Laut Quellen der Zeitung hätte Trump seine Mitarbeiter sogar in einem Telefongespräch mit Putin kritisiert. „Er sagte Putin, Russland und die USA sollten besser miteinander umgehen“, soll ein Insider gesagt haben. „Und weiter sagte er, dass die Mitarbeiter des Präsidialamtes, die Putin zufolge ein direktes Gespräch verhindern wollten, ‚dumm‘ seien.“

    „Das sind dumme Menschen. Wir sollten auf sie gar nicht hören“, sagte Trump angeblich.

    Das könnte man durchaus für eine der zahlreichen „Fake-News“ halten, aber der US-Staatschef ist tatsächlich dafür bekannt, dass er sich über Mitarbeiter, Kollegen und Partner, von deren Handlungen er enttäuscht ist, oft sehr hart äußert. Die wenigen Anhänger Trumps, die Zugang zu den Medien haben, haben öfter darauf verwiesen, dass er sich große Sorgen über Situationen mache, wenn die amerikanische Bürokratie diese oder jene diplomatische Richtung oder außenpolitische Frage unter ihre Kontrolle nimmt.

    Und wenn es um Russland geht, spannt sich die Situation erst recht an. Erwähnenswert ist beispielsweise eine Episode im März, bevor Trump Wladimir Putin anrief, um ihm zum Wahlsieg zu gratulieren. Laut US-Medien hatten ihn alle seine Berater gebeten, nicht mit Putin zu telefonieren – doch das half nichts.

    Die Perspektiven selbst einer minimalen Normalisierung der russisch-amerikanischen Beziehungen rufen unter Experten jenseits des Großen Teichs eine höllische Angst hervor. Laut der „New York Times“ sind „viele Konservative über Trumps Position beunruhigt“. Und die Denkfabrik „Heritage Foundation“ veröffentlichte auf Twitter einige Hinweise an Trump im Vorfeld seiner Reise:

    „Das sollte man sich merken, bevor Trump nach Europa fliegt: Russland ist ein Aggressor. Die Ukraine ist ein Opfer. Die Krim gehört der Ukraine. Die Nato- und US-Truppen in Europa dienen unseren nationalen Interessen. Die Europäer sollten für die Verteidigung mehr bezahlen. Putins vorangegangenen Handlungen zeigen, dass man ihm nicht vertrauen kann.“

    Vor diesem Hintergrund ist offensichtlich, dass Trumps weitere Erklärungen und besonders seine neue Definition des Sinnes der russisch-amerikanischen Beziehungen sehr vielen Vertretern des Washingtoner Establishments nicht schmecken werden. So sagte der US-Präsident auf die Frage, ob er Putin für einen Feind oder einen Freund hält: „Ich kann das jetzt nicht sagen. Aus meiner Sicht ist er ein Konkurrent.“

    US-Soldaten während der NATO-Übungen (Archiv)
    © AP Photo / Mindaugas Kulbis
    Für das russische Gehör gibt es keinen prinzipiellen Unterschied zwischen den Begriffen „Feind“, „Rivale“ oder „Konkurrent“: Das sind negative Wörter, der Unterschied ist ziemlich fein und eher emotional. Für das amerikanische Publikum ist das aber anders: In einer Gesellschaft, die sehr viel Wert auf Rivalität und Konkurrenz legt, ist der Unterschied zwischen „Feind“ und „Konkurrent“ enorm groß. Mit Konkurrenten (anders als mit Feinden) kann und muss man manchmal verhandeln, und zwischen Konkurrenten (anders als zwischen Feinden) kann ein Markt aufgeteilt werden. Ein Konkurrent kann auch ein Verbündeter werden.

    Mehr als das: Trump unterstrich sogar, dass die Verhandlungen mit Putin für ihn leichter als mit seinen Nato-„Partnern“ sein werden, mit denen er sich vor der Reise nach Helsinki treffen wird. Aus der Sicht der westlichen Medien ist diese Einschätzung eine klare Vernachlässigung der „heiligen Ideale“ des Russlandhasses, die für jeden westlichen Politiker, der respektiert werden möchte, ein Muss sind. Denn als westlicher Politiker sollte man Russland jedes Mal beschimpfen, wenn man es erwähnt, und betonen, dass Russland und Wladimir Putin persönlich zur ewigen Isolation von der „ganzen zivilisierten Welt“ verdammt sind.

    Es ist ja fast lustig, aber im Grunde kann man schon jetzt vorhersagen, wie die westlichen Medien versuchen werden, jegliche gemeinsame Erklärungen oder Abkommen, die in Helsinki getroffen werden könnten, zu diskreditieren. Robin Niblett, Leiter der einflussreichen Denkfabrik Chatham House, sagte beispielsweise, dass Trumps Vorgehen dem eines Gauners ähnele. Nach seiner Moskau-Reise sagte er in einem Interview für amerikanische Medien, dass Vereinbarungen mit den russischen Behörden so etwas wie Vereinbarungen mit der Mafia wären, und beklagte sich, dass Russland „keine politische Philosophie“ habe, sondern „nur die Philosophie der Macht und des Geldes“.

    Auffallend ist, dass man früher auch Trump dieselben Dinge vorgeworfen hatte: Man legte ihm nämlich zur Last, er wäre ein Zyniker – und jetzt kommt auch der Begriff „Gauner“ hinzu.

    Nach dem Gipfeltreffen in der finnischen Hauptstadt sind also Schlagzeilen wie „Zwei Mafiosi haben sich geeinigt, und das ist furchtbar“ zu erwarten. Aber in Wahrheit wäre es für die Welt eine gute Nachricht, wenn sich zwei Meister des politischen Realismus einigen könnten. Allein schon deshalb, weil es besser ist, wenn Pragmatiker verhandeln und Kanonen schweigen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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