16:23 15 November 2018
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    Vorstandschef der Deutschen Post Frank Appel (Archiv)

    Deutschlands Manager im Millionen-Rausch: Schere zwischen arm und reich weitet sich

    © AFP 2018 / Marius Becker / dpa
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    Marcel Joppa
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    Der Gehaltsabstand zwischen Topmanagern und Arbeitnehmern in den 30 Dax-Konzernen ist weiter deutlich gestiegen. Das belegen aktuelle Zahlen. Während Angestellte bei Unternehmensproblemen immer häufiger ihren Job verlieren, kassieren Manager trotz schlechter Zahlen oft noch einen Bonus. Wie kann man da „Maß und Mitte“ wiederherstellen?

    Laut der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung ist der Gehaltsabstand zwischen Topmanagern und ihren Arbeitnehmern in den 30 Dax-Konzernen weiter deutlich auseinandergegangen. Verglichen mit dem Durchschnittsgehalt im jeweiligen Unternehmen verdienten die Vorstandsmitglieder im vergangenen Jahr 71 mal so viel. 2005 hatte dieser Wert noch bei 42 gelegen.

    Postbote versus Postchef

    Absoluter Spitzenreiter in dieser Statistik ist der Vorstandschef der Deutschen Post, Frank Appel. Laut Medienberichten bezieht er ein Grundgehalt von jährlich 3,1 Millionen Euro. Abhängig von den betrieblichen Erfolgen wird ihm darüber hinaus eine Sondervergütung gezahlt. So soll der Top-Manager im Jahr 2016 insgesamt rund 10 Millionen kassiert haben. Damit erreicht er ein Jahresgehalt, das 232-mal höher liegt als der Durchschnitt der Postbediensteten.

    Ein Argument für die hohen Gehälter der Firmenchefs ist die große Verantwortung, die Top-Manager für das Unternehmen tragen. Dies mag bei einer erfolgreichen Bilanz teilweise zutreffen. Problematisch ist jedoch, wenn auch dann hohe Boni ausgezahlt werden, wenn die Zahlen schlecht sind und Arbeitsplätze abgebaut werden. Und selbst bei katastrophalen Zahlen und einer damit verbundenen Kündigung bringt dies für den Firmenlenker in der Regel eine großzügige Abfindung mit sich.

    Keine Begrenzung in Sicht

    Zwar bekommen Manager in den USA häufig noch deutlich mehr Geld, in Schweden aber beispielsweise sehr viel weniger. Es kommt darauf an, welchen finanziellen Rahmen die jeweilige Justiz und auch die Politik für das Gehaltsgefüge in der Wirtschaft setzen. Noch im Wahlkampf 2017 hatte sich die SPD für eine Begrenzung von Managergehältern eingesetzt. So sollte beispielsweise ein Maximalverhältnis zwischen der Vorstandsvergütung und dem Durchschnittsgehalts des Unternehmens festgelegt werden. Im jetzigen Koalitionsvertrag findet sich dazu nichts.

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    Möglichkeiten zur Begrenzung hätten auch die deutschen Finanzämter. So könnte die steuerliche Abzugsfähigkeit als Betriebsausgabe beschränkt werden. Dann müssten Chefgehälter nämlich komplett aus den Gewinnen der Unternehmen gezahlt werden. Sie könnten nicht wie bisher teilweise aus Steuergeldern finanziert werden.

    Ein praktikabler Vorschlag

    Schließlich bleibt auch die Frage, ob Top-Manager etwa 71 mal so viel arbeiten wie der normale Angestellte. Das lässt sich wohl verneinen, es wäre schon aus zeitlichen und physischen Gründen unmöglich. Die Partei die Linke hat in diesem Zusammenhang einen praktikablen, wenn auch für die Unternehmensspitze unattraktiven Vorschlag: Die Managergehälter einfach an die Löhne koppeln. Dann hätte auch Lohndumping in Betrieben ein schnelles Ende.

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    Und während sich die deutsche Wirtschaft über Exportüberschüsse und über einen Auftrags-Boom freut, kommt diese Goldgräberstimmung bei den Angestellten nur bedingt an. Weiterhin wehrt sich die Bundesregierung beispielsweise gegen eine Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro pro Stunde – eine Mindestgrenze, um nicht im Alter unter die Armutsgrenze zu rutschen.

    Viele leere Worte

    Zuletzt gab es einen großen Aufschrei, als Bahn-Chef Rüdiger Grube eine millionenschwere Abfindung nach seinem Ausscheiden aus dem größten deutschen Staatsbetrieb erhielt. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hatte seinerzeit mehr „Maß und Mitte“ bei Managergehältern, Boni und Abfindungen gefordert. Tätig geworden ist bislang aber noch kein Regierungspolitiker.

    Übrigens: Bundeskanzlerin Angela Merkel verdient aktuell etwas über 310.000 Euro jährlich, also rund ein Dreißigstel des Postchefs Frank Appel. Da verwundert es nicht, wenn nach der politischen Karriere schnell ein Chefposten an der Spitze eines deutschen Unternehmens gefunden ist – Ronald Pofalla, Daniel Bahr und Dirk Niebel lassen grüßen. Ob sie während ihrer Amtszeit im Bundestag gegen eine Begrenzung von Managergehältern gestimmt haben, lässt sich bezweifeln.

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    Tags:
    Reichtum, Armut, Manager, Millionäre, Bahn, Post, DAX, SPD, Angela Merkel, Daniel Bahr, Frank Appel, Dirk Niebel, Ronald Pofalla, Deutschland