10:52 18 August 2018
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    Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht Kindergarten des Caritas-Verbandes in Köln am 18. Juli

    Schlüpfriger Bärenspaß mit Merkel – geht´s noch?

    © REUTERS / Thilo Schmuelgen
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    Matthias Witte
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    Ein Foto macht die Runde im Internet: Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht einen Kindergarten. Im Hintergrund steht ein Regal mit zwei Teddybären. Der kleinere liegt auf dem größeren. Das Netz sieht darin etwas Anstößiges und lacht sich kaputt. Und unser Autor versteht die Welt nicht mehr.

    Möglicherweise liegt es am Sommer. Der ist sonnig und heiß. Überall trifft man Leute in kurzen Hosen, Röcken und T-Shirts. Im Park, am See oder im Freibad sogar mit noch weniger am Leib. Mediziner wissen es seit Jahrzehnten: Das alles zusammen hat Auswirkungen auf den Hormonhaushalt. Offenbar gibt es eine Menge Menschen, die damit nicht zurechtkommen, überfordert sind oder einfach kein Ventil haben, den Druck vom eigenen Hormonkessel zu nehmen. Anders ist es nicht zu erklären, dass das Foto der Kanzlerin im Kindergarten ein solches Echo in den Medien (nicht nur in den „Sozialen“) erfährt.

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    Die Schadenfreude ist riesig. Noch riesiger ist aber die Prüderie, die dahinter liegt. Man male sich aus, wie dieses unschuldige Bild seine Unschuld verlor und in den schlüpfrigen Schmutz gezogen wurde. Irgendwo sitzen zwei Menschen (ich behaupte, Männer) zusammen. Beim Betrachten des Bildes fragt der eine plötzlich: „Guck mal, was machen die beiden Bären denn da? Poppen die?“ Der andere schaut, macht große Augen, hält sich die Hand vor den Mund und lacht geckenhaft: „Huiuiui! Was ein Spaß!“ Dann wird das Bild mit entsprechendem Spruch in den sozialen Netzwerken geteilt, und halb Deutschland hat für einen Moment was zu lachen. Medien (auch wir) veröffentlichen das Foto noch weiter. Ehrlich gesagt, ich finde das armselig.

    Man kann die Kanzlerin für viele Dinge kritisieren – ob berechtigt oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen. Sich über dieses Bärenbild lustig zu machen, geht in eine andere Richtung. Nicht weil es auf Kosten der Kanzlerin geht, sondern auf Kosten von Kindern. Das Foto ist in einem Kindergarten aufgenommen. An einem Ort, in dem sich kleine Menschen im Alter von einem bis sechs Jahren geborgen fühlen sollen. Geborgen und sicher. An einem Ort, an dem zwei aufeinander liegende Bären kein kopulierendes Paar darstellen, sondern eine Bärenmama und ein Bärenkind, die kuscheln. Oder einen Bärenbruder, der seine Schwester nach Hause trägt. Und das muss genauso sein! Für Kinder sind das zwei kuschelnde Bären und nichts Anderes. Basta! Da darf kein Platz sein für die schlüpfrigen, schmutzigen, biederen Fantasien von Erwachsenen.

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    Denken wir einmal weiter. Welche Folgen könnte dieses Foto haben? Bekommen Kitas künftig die Direktive, vor Betreuungsbeginn genau darauf zu achten, dass kein Tier auf einem anderen liegt? Müssen Erzieher einen Kuscheltier-Sex-Check machen? Und was ist mit der Mittagsruhe? Wie nah dürfen sich Kinder beim Schlafen kommen? Dürfen sie überhaupt noch kuscheln? 

    Einfach mal drüber nachdenken. Mir ist klar, mit meiner Meinung bin ich die Spaßbremse, die mal die Kirche im Dorf lassen soll und zum Lachen, wenn überhaupt, in den Keller geht. Bin ich in dem Fall gern. Schönes Wochenende!

    * Die Meinung des Autors muss nicht mit der der Redaktion übereinstimmen

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    Tags:
    Besuch, Bären, Bild, Kritik, soziale Netze, Medien, Kindergarten, Angela Merkel, Deutschland
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