05:40 19 August 2018
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    Weißhelme in Deraa (Archivbild)

    Westen macht Schluss mit „Terror-Hollywood“ – damit es die Russen nicht bekommen

    © REUTERS / Alaa al-Faqir
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    Irina Alksnis
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    Im Schatten der heftigen Debatte über die Evakuierung der „Weißhelme“ aus Syrien bleiben die Gründe, aus denen diese Operation unternommen wurde. Aber gerade diese sind besonders interessant – und gar nicht so trivial, wie man denken könnte.

    Einerseits ist alles klar – und das ist ein großes Kompliment für Russland und Syrien: Damaskus gewinnt unter Mitwirkung Moskaus, dessen Rolle sich dabei nicht überschätzen lässt, den Krieg und nimmt die zuvor verlorenen Territorien wieder unter seine Kontrolle. Dieser Prozess hat quasi die Zielgerade erreicht, auch wenn der Regierung in Damaskus noch viel Arbeit bevorsteht. Und in diesem Kontext bedeutet die Evakuierung der „Weißhelme“, des wichtigsten Propaganda-Instruments im Kampf gegen Präsident Baschar al-Assad (und auch Russland), de facto die Einräumung der Tatsache durch den Westen, dass diese Partie zu Ende gegangen ist und dass Russland dabei gewonnen hat.

    Andererseits aber stellt sich die Frage: Aber warum musste man eigentlich die „Weißhelme“ evakuieren und dieses inzwischen nutzlose Instrument retten?

    Das Argument vom „angeborenen Humanismus“ des Westens ist einfach lächerlich – daran können wohl nur absolut naive Menschen glauben. Der Westen interessierte sich nie für das Schicksal seiner Verbündeten, die er im Stich ließ. In Russland schämen sich manche immer noch dafür, dass Moskau in den frühen 1990er-Jahren dem afghanischen Präsidenten Mohammed Nadschibullāh und anderen Verbündeten in diesem Land die Unterstützung verweigert hatte. Aber der „Friedhof“ der im Westen ausgenutzten und im Stich gelassenen Verbündeten ist viel größer, doch das war für ihn nie der Anlass, auf seine Vorgehensweise zu verzichten.

    Diese Situation ist umso auffallender, weil man sowohl in Europa als auch in Amerika sehr gut versteht, was die wahre Natur der „Weißhelme“ ist. Wenn sie nur Propagandisten und Fälscher wären, wäre das nur halb so schlimm. Aber sie sind radikale Islamisten, und unter ihnen gibt es viele richtige Kämpfer, die gegen Damaskus kämpften.

    Ein solches Kontingent auf eigenem Territorium aufzunehmen, ist eigentlich sehr leichtfertig und riskant (als würden Europa die Radikalen nicht genügen, die sich schon jetzt dort aufhalten und aus denen oft Terroristen werden). In dieser Situation ist es einfach absurd, professionellen Propagandisten Asyl zu gewähren. Dennoch wollen die Europäer gerade das tun.

    Aber was ist eigentlich das Besondere an den „Weißhelmen“? Warum kümmert sich der Westen um sie – selbst angesichts der mit ihnen verbundenen extremistischen und terroristischen Gefahr? Die einzige Ausnahme sind da nur die USA, die jetzt vom Erlass des Präsidenten Donald Trump zum Einreiseverbot für syrische Staatsbürger profitieren.

    Die Antwort scheint so zu sein: Der Westen hat einfach keine andere Wahl, denn in dieser Situation wäre für ihn jede Entscheidung schlecht.

    Die „Weißhelme“ haben sich in den letzten Jahren zu einer starken „Medienmarke“ etabliert, die der Westen zu seinen Zwecken nutzte. Aber inzwischen verwandelten sie sich aus einem wichtigen Aktiv in eine Belastung und sogar Gefahr.

    Dabei geht es nicht nur darum, dass die „Weißhelme“ zahlreicher Lügen und der Verbindung mit Extremisten überführt wurden: Die Ignoranz und Verheimlichung dieser Informationen ist für den Westen mit vielen Schwierigkeiten und heiklen Situationen verbunden.

    Noch vor zehn Jahren gehörte den westlichen Mainstream-Medien das Monopol im Informationsraum, und der Westen konnte es sich leisten, für ihn ungünstige Fakten zu „übersehen“ und der Welt seine Tagesordnung aufzuzwingen. Jetzt sind in diesem Bereich große Schwierigkeiten entstanden, und sie sind nicht nur mit den russischen Sendern wie RT oder Sputnik verbunden, sondern mit der allgemeinen Veränderung des Formats der Informationsverbreitung in der Welt: von sozialen Netzwerken bis hin zum immer größeren Misstrauen der Öffentlichkeit zu den Mainstream-Medien.

    Unter diesen Bedingungen sind die Lügen und die Scheinheiligkeit des Westens dermaßen offensichtlich, dass es für ihn zu einem immer größeren Problem wird. Und dabei geht es wiederum nicht darum, dass es „schlecht ist, zu lügen“: Wenn der globale Hegemon nicht imstande ist, der Welt seine Tagesordnung und seine Ansichten aufzuzwingen, dann ist er kein Hegemon mehr.

    Die jüngste Enthüllung der Lügen der „Weißhelme“ über den angeblichen Giftgasangriff in Duma durch Russland wurde nicht deswegen skandalös, weil die „Weißhelme“ bei diesem Einsatz gescheitert sind, sondern weil der Westen vor den Augen der ganzen Welt so tun musste, als würde er an diese offenbare Fälschung glauben. Als Russland vor drei Monaten zahlreiche Duma-Einwohner in das OPCW-Hauptquartier in Den Haag brachte, die dort erzählten, wie die „Weißhelme“ ihr Video über den „Chemiewaffenangriff“ gedreht hatten, traf sich der US-Vertreter in der OPCW mit Vertretern der Verbündeten Washingtons und verbat ihn quasi, die jeweilige Veranstaltung zu besuchen, und westliche Offizielle taten so, als würden sie davon nichts gehört haben. Und westliche Medien warfen Moskau wieder Lügen vor.

    Es gibt allerdings einen Riesenunterschied zwischen der Situation, wenn eine dominierende politische Kraft einfach die Veröffentlichung von „ungünstigen“ Informationen unterbindet, und der Situation, wenn diese „ungünstigen“ Informationen selbst in den globalen Medienraum durchdringen. Dann muss man vor den Augen der ganzen Welt behaupten, das Weiße wäre das Schwarze und umgekehrt. Das ist ein Doppelschlag gegen das eigene Image: Erstens, weil man vor den Augen der ganzen Welt lügen muss, und zweitens, weil der richtige Hegemon es einfach nicht zulassen würde, dass man ihn in eine so ungünstige (sprich peinliche) Lage treibt.

    Und solche für den Westen schlimmen Schläge gibt es in letzter Zeit immer mehr, und sie werden in ganz verschiedenen Bereichen versetzt – aber irgendwann wird ihr gesamter Effekt einfach zu groß.

    Es stellen sich durchaus logische Fragen: Was könnten die Führer der „Weißhelme“ den Vertretern Russlands und Syriens erzählen, wenn sie in ihre Hände geraten würden? Welche Details ihrer Kooperation mit dem Westen würde die Welt erfahren? Wie stark wäre das Instrument zur Diskreditierung des westlichen Establishments, das Russland bekommen würde?

    Dabei ist abermals erwähnenswert, dass die „Weißhelme“ als „Medienmarke“ vom Westen selbst ins Leben gerufen wurden, und ihre Enthüllungen könnten einen neuen Skandal auslösen und mächtige Imageschäden für Europa und die USA zur Folge haben.

    Also könnte gerade das der Grund für die überraschenden Sorgen des Westens um die „Weißhelme“ sein: Die Unkosten, die mit ihrer Aufnahme auf dem eigenen Territorium verbunden sind, scheinen ihm kleiner zu sein, als die, die entstehen könnten, wenn Russland dieses „terroristische Hollywood“ zu seinen Zwecken nutzen könnte, wenn es in seine Hände geraten würde.

    * Die Meinung des Autors muss nicht mit der der Redaktion übereinstimmen.

     

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    Tags:
    Skandal, Evakuierung, Vorwürfe, Inszenierung, Giftgasattacke, Giftgasangriff, OPCW, Weißhelme, Nahost, Israel, Duma, Russland, USA, Syrien
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