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00:32 18 Oktober 2019
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    Ein riesen Luftballon in Form einer Matrjoshka beim Festival in Halle (Archivbild)

    Plan B: Berlin setzt gegen USA gigantische „Energie-Matrjoschka“ ein

    © AFP 2019 / DPA/ Sebastian Willnow
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    Eine heikle Situation entsteht gerade um das Projekt zum Bau der Pipeline Nord Stream 2 in Deutschland: Gleichzeitig mit dem Beginn der Bauarbeiten wurde ein Abkommen zum Bau eines US-amerikanischen LNG-Terminals vereinbart.

    Nach „Handelsblatt“-Informationen soll das Terminal mit Flüssiggas aus den USA gefüllt werden. Dabei haben dieses Projekt nicht nur die Bundesregierung und die regionalen Behörden, sondern auch die EU-Kommission befürwortet. Ohne den sonst üblichen bürokratischen Aufwand der letzteren.

    Auf dem ersten Blick erscheint die Situation klar: Washington hat Berlin unter Druck gesetzt und wird bald den attraktiven deutschen LNG-Markt erobern können.

    Aber dem ist nicht ganz so. Jedenfalls ist die Situation ziemlich kompliziert und verworren, aber gleichzeitig noch etwas nebulös. Wie in einer gigantischen Matrjoschka des Energiemarktes – es kommen immer mehr verdeckte Ebenen zum Vorschein.

    Laut dem Sender „Deutsche Welle“ hat die Rohrverlegung für die Pipeline Nord Stream 2 bereits begonnen, und zwar ziemlich demonstrativ – trotz der Gegenwirkung der US-Seite und ihrer Androhung von Sanktionen gegen deutsche Energiekonzerne.

    Und schon sieht die Situation anders aus, und zwar quasi wie ein „Geschäft im Bereich der politischen Korruption“. Mit anderen Worten: Es wurde vermutlich jemand bestochen. 

    Aber auch das ist nicht alles. Das ist nur die zweite Ebene dieser Matrjoschka, wobei es voraussichtlich, wie das bei diesen Puppen auch üblich ist, weitaus mehr in dieser Fortsetzungsstory geben wird. 

    Hier einige Fakten:

    Deutschland bekommt aktuell russisches Erdgas durch die Leitung Nord Stream, deren geplante Kapazität 55 Milliarden Kubikmeter pro Jahr beträgt. De facto erreicht die Leistung 62 Milliarden Kubikmeter. Dank der Pipeline Nord Stream 2 werden sich die Lieferungen verdoppeln.

    Im Grunde ist das mehr als genug für die Abdeckung des deutschen Gasbedarfs, so dass Berlin eigentlich gar kein LNG braucht. Mehr noch: Deutschland betrachtet sich als potenziell größten Gashub in der gesamten EU und könnte das Gas unter Umständen sogar exportieren.

    Und jetzt wird die „dritte Schicht“ der Matrjoschka sichtbar, die sehr pikant ist: Deutschland bezahlt den Deal nicht mit eigenen Mitteln, sondern mit dem Geld der künftigen Gaskäufer. Und da sich Österreich an dem Projekt nicht nur mit den Finanzen der Firma OMV, sondern auch mit seinen unterirdischen Depots beteiligt, werden das offenbar nicht die Österreicher, sondern die Einwohner anderer Länder Europas sein.

    Übrigens wäre die Konstellation, bei der Deutschland eine Mischung aus dem amerikanischen LNG und dem russischen Pipelinegas bekommen würde, nur in einem Fall sinnvoll: wenn die ukrainische Transitpipeline für immer „begraben“ würde. Sonst wäre es rein mathematisch sinnlos. Aber an diesem Aspekt gibt es eigentlich nichts Neues: Die Ukrainer müssten ja sehr naiv sein, wenn sie glauben würden, dass die großen EU-Länder ihre Interessen wegen Kiew aufgeben würden.

    Aber auch das ist noch nicht alles, die Matrjoschka hat es noch in sich.

    Gerade jetzt ist ein weiteres Tankschiff mit Flüssiggas russischer Herkunft auf dem Weg nach Amerika. Dabei sollte die „Gaslog Hong Kong“ mit mehr als 100 Millionen Kubikmetern LNG an Bord laut der amerikanischen Website Marine Traffic die US-Küste schon heute erreichen. Das ist bereits die dritte LNG-Lieferung aus Russland in diesem Jahr. Experten verweisen darauf, dass es für die USA günstig ist, billigeres Gas zu kaufen, um ihr Flüssiggas auf den wachsenden Markt im Asien-Pazifik-Raum zu liefern.

    Eigentlich sollte der praktisch gleichzeitige LNG-Markteintritt solcher starker Akteure wie Russland und die USA mit der Zeit mit der Bildung von einheitlichen Gasmärkten enden. Und die Preise auf diesen Märkten wären identisch oder sehr ähnlich: Die Idee zur Gründung der so genannten „Gas-OPEC“ wurde schon vor Jahren hervorgebracht. Und jetzt, vor dem Hintergrund des OPEC+-Abkommens, an dem sich auch US-Ölkonzerne beteiligen könnten, wäre auch ein „Gas-OPEC+“-Abkommen durchaus logisch.

    Und wenn das wirklich so sein sollte, lässt sich nicht ausschließen, dass das neue deutsche LNG-Terminal in absehbarer Zeit Gas von der russischen Halbinsel Jamal bekommen wird.

    * Die Meinung des Autors muss nicht mit der der Redaktion übereinstimmen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Geschäft, Unternehmen, Handel, Gaslieferungen, LNG, Nord Stream 2, Gazprom, EU-Kommission, EU, OPEC, Asien, Europa, Russland, Deutschland, USA