02:24 16 August 2018
SNA Radio
    Flaggen von den USA und China (Archiv)

    USA wollen China Partner ausspannen – mit Aussicht auf Erfolg?

    © REUTERS / Jason Lee/File Photo
    Kommentare
    Zum Kurzlink
    Dmitri Kosyrew
    11785

    Die USA wollen den Ländern im Stillen und im Indischen Ozean, dem sogenannten Indopazifik, Geld geben. Dafür sollen diese aber auf die Teilnahme an Chinas grandioser Initiative „Ein Gürtel – ein Weg“ verzichten.

    Die Logik ist einfach: Bisher hatte Washington allen erklärt, dass das Projekt „Ein Gürtel – ein Weg“ diese Länder abhängig von China machen würde. Dabei greifen die Amerikaner auf verschiedene Methoden zurück: Manchmal überreden sie die Gegenseite, manchmal drohen sie ihr, indem sie eine Anspannung der Situation provozieren, ihre Kriegsschiffe in die jeweilige Region schicken usw. Das ist ihre „Peitsche“.

    Doch die Antwort dieser Länder war klar und deutlich: Das Reich der Mitte bietet ihnen die Entwicklungsperspektiven für ganze Jahrzehnte und noch Geld dazu. Und die USA können ihnen nichts bieten, weil sie in der Region gar nicht präsent sind – im Gegensatz zu China.

    Da die „Peitsche“ schlecht funktioniert, setzt Washington jetzt auf das „Zuckerbrot“. Es zeichnet sich ein Wettbewerb der besonderen Art ab: Zwei Supermächte werden für das Recht konkurrieren, anderen Geld zu geben. Und wenn China irgendwo als erster dran ist, dann werden die Amerikaner den glücklichen Geldempfänger mit einem „Geldkoffer“ jagen. Oder eben umgekehrt.

    „Ein Gürtel – ein Weg“ ist ein grandioses Projekt unter Beteiligung von etwa 80 Ländern (unter anderem Russlands) und internationalen Organisationen (unter anderem des Internationalen Währungsfonds). Dabei geht es um den Bau von Straßen und Seehäfen und um den Aufbau der Verkehrsinfrastruktur im Allgemeinen. Dieses Projekt setzt erstens voraus, dass die Volksrepublik die Schlüsselrolle bei der Finanzierung spielen wird, und zweitens, dass sich der Handel (samt Produktionsstätten) in China selbst und auf dem ganzen riesigen Territorium entwickeln wird, das von diesem Projekt erfasst ist.

    Und was sagt man dazu in Amerika? Hier sind einige Aussagen, die vor wenigen Tagen auf einem Indopazifischen Geschäftsforum in Washington getätigt wurden, an dem sich US-Außenminister Mike Pompeo und manche andere hochrangige Politiker beteiligten, sowie einige Zitate aus Massenmedien.

    >>Andere Sputnik-Artikel: Aufruhr im Hinterhof: USA besorgt über Chinas wachsende Stärke in Lateinamerika

    „Die USA werden andere Völker vor dem Druck beschützen. (…) Dort, wo Amerika hingeht, suchen wir nach Partnerschaften und nicht nach strategischen Abhängigkeiten.“

    „In Washington sieht man inzwischen ein, dass die Entwicklung, Verteidigung und Diplomatie Hand in Hand gehen sollten.“

    „Chinas Finanzentwicklungsmodelle sind räuberisch.“

    „Die neue Initiative ist eine positive Ansicht dazu, wie der US-Einfluss in der Region wiederhergestellt und die immer größer werdende Skepsis bezüglich der Fähigkeit der USA zur Erfüllung ihrer regionalen Verpflichtungen außer der militärischen Dimension eingedämmt werden kann.“

    Es ist also klar, dass man in Übersee das chinesische Projekt als Übel und scheinlegitimen Raubüberfall auf andere darstellt – einfach weil das keine amerikanische Initiative ist und weil Amerika etwas dagegen unternehmen muss.

    Washingtons Gegeninitiative bekam den Namen Indo-Pacific Economic Vision (IPEV). Zwecks ihrer Umsetzung wurde die Internationale Korporation für finanzielle Entwicklung (USIDFC) gegründet, der laut Gerüchten bis zu 60 Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt werden könnten. Allerdings gibt es auch Beamte, die sagen, dass China jedenfalls mehr Geld habe, und Amerika könnte da nicht mithalten. Dafür würde Washington sich um die Umwelt- und auch sonstige (vielleicht ideologische?) Reinheit der damit verbundenen Projekte kümmern.

    So etwas kam allerdings schon sehr oft vor. Das ist im Grunde ein Versuch, zu sagen: „Wir wollen dasselbe tun, aber auf unsere Art.“ Als China in den frühen 2000er-Jahren den Ländern Zentralasiens langfristige Entwicklungspläne bot und für die Wiederbelebung der Seidenstraße plädierte (bald darauf wurde die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit, kurz, SOZ gebildet), trat das US-Außenministerium mit seiner Initiative zur „Neuen Seidenstraße“ auf. Das geschah 2011. An diesen gescheiterten Versuch erinnert sich inzwischen niemand mehr, wobei Pekings Idee über Zentralasien hinausgewachsen ist und als „Ein Gürtel – ein Weg“ in die Tat umgesetzt wird.

    Aber Pompeos Initiative ist aus zwei Gründen interessant: Das ist nicht nur ein Versuch zur Bestimmung einer klaren und deutlichen Politik in Asien im Allgemeinen, sondern auch das erste „Lebenszeichen“ seit zwei Jahren seitens des US-Außenamtes, das unter Präsident Donald Trump (im Unterschied zu den Zeiten Bill Clintons oder Barack Obamas) bisher ganz passiv blieb.

    Und zum anderen hat sich die Atmosphäre in den USA allmählich angespannt, weil China international Schritt für Schritt in den Vordergrund tritt.

    >>Andere Sputnik-Artikel: Überflüssig wie ein Kropf – Will Trump nun auch noch einen Währungskrieg mit China?

    Mit China und den Chinesen passiert in den USA genau dasselbe wie mit Russland und den Russen. Dabei ist unklar, gegen wen die Amerikaner ihre Wut vor allem richten werden. Die Chinesen glauben, gegen sie, besonders, wenn man den totalen Handelskrieg bedenkt, den die US-Administration gegen das Reich der Mitte begonnen hat.

    Das spüren nicht nur die Chinesen, die in der Volksrepublik leben. Hier ist, was Chi Wang, der frühere Leiter der Chinesischen Abteilung im US-Kongress und jetzige Präsident der US-China Policy Foundation, schreibt – also nicht nur US-Bürger, sondern eine Person, die sich für die Beziehungen zwischen den USA und China engagiert:

    „Unsere Zeitungen sind mit Geschichten darüber überfüllt, wie Russland versucht, US-Wahlen zu beeinflussen, wie Wissenschaftler für Spionage zugunsten Chinas verhaftet werden, wie Fragen bezüglich der Loyalität amerikanischer Politiker und Beamter entstehen. (…) Vor dem Hintergrund einer solchen Spannung und eines solchen Misstrauens stellen sich viele die Frage, ob die USA nicht einen neuen Kalten Krieg gegen Russland, China oder die beiden auf einmal beginnen. (…) Indem Amerika die Spannungen ausbaut, macht es den Konflikt immer wahrscheinlicher.“

    Und noch etwas Persönliches von ihm: „Angst und Verdächtigungen sind nicht nur bei Anhörungen im Kongress zu spüren – sie sind in jedem Regierungszweig und jedem Teil der amerikanischen Gesellschaft zu spüren. Jetzt werden sogar chinesische Studenten und Amerikaner chinesischer Herkunft verdächtigt. Ich fühlte mich noch nie so wie jetzt – als würde meine chinesische Herkunft mich als Amerikaner beeinträchtigen. (…) Die USA sind mein Zuhause. Ich lebe in den USA seit mehr als 70 Jahren und arbeitete für die US-Regierung bereits seit 50 Jahren – bis ich Rentner wurde. Aber trotzdem spüre ich allmählich, dass ich hier unerwünscht bin.“

    China und Russland sowie allen Chinesen und Russen auf jedem Quadratkilometer des US-Territoriums widerstehen – das kann man natürlich Politik nennen, oder aber Massenhysterie. Und jemand wird dadurch mächtig Geld machen – beispielsweise die asiatischen Regierungen, die jetzt die Wahl haben, ob sie chinesisches oder US-amerikanisches Geld nehmen werden.

    Zum Thema:

    „Welt-Unordnung“: Warum Russland und China von den USA profitieren
    Neue Wende im Handelskrieg: China und Deutschland verbünden sich gegen USA
    USA-China-Handelskonflikt: Peking ist nun „schockiert“
    Tags:
    Initiative, Einfluss, Druck, Projekt, Investitionen, Partner, Geld, US-Kongress, Barack Obama, Bill Clinton, Donald Trump, USA, China
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren