12:01 23 Oktober 2018
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    Russischer RubelUS-Finanzminister Steve Mnuchin (i.d.Mitte) spricht mit den Journalisten

    „Große Strafe“ für Russland: US-Bankiers sagen baldigen Einsturz des Rubels voraus

    © Sputnik / Igor Russak © REUTERS / Kevin Lamarque
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    Iwan Danilow
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    In den US-Kongress ist ein neues Projekt von antirussischen Sanktionen eingebracht worden. Diese sollen „niederschmetternd“ werden.

    Angesichts dieser Nachricht prognostizierte die US-amerikanische Citigroup die baldige Abwertung des russischen Rubels, und in den russischen Medien begann sofort eine ganze „Parade von Weissagern“, die Tränen um die russische Wirtschaft und Währung vergossen.

    Laut einigen Medien könnte der Rubel „etwa 15 Prozent seines Wertes verlieren“ (also würde der US-Dollar 72 oder 73 Rubel kosten). Das könnte „im schlimmsten Fall“ passieren, wenn Ausländern verboten werden sollte, russische Staatsanleihen zu kaufen.

    Zu den Autoren der neuen Russland-Sanktionen gehört der republikanische Senator Lindsey Graham, der gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg erklärte, sein Ziel wäre, „niederschmetternde Sanktionen und andere Maßnahmen gegen Putins Russland zu verhängen, solange er (Putin) nicht aufhört, sich in den Wahlprozess in den USA einzumischen, die Cyberangriffe nicht stoppt und solange Russland die Ukraine nicht verlässt“. Da der Senator die Krim für einen Teil der Ukraine hält und Russlands Einmischung in die US-Wahlen erst gar nicht bewiesen werden muss, kann man durchaus vermuten, dass die neuen Sanktionen für immer und ewig verhängt werden sollen. Leider entsteht eine Situation, in der es nur zwei Varianten gäbe, wo die Geschichte um die antirussischen Sanktionen ein Ende finden könnte: Entweder würden die Russlandhasser in Übersee die „Russland-Frage“ endgültig regeln, oder aber die „Russland-Frage“ würde ihre politische Karriere begraben.

    Bei den neuen Russland-Sanktionen geht es darum, dass US-amerikanischen juristischen Personen verboten werden soll, neue russische Staatsanleihen zu kaufen. Gegen russische Unternehmer, die nach Auffassung der amerikanischen Senatoren Putins Umfeld angehören, könnten zusätzliche Beschränkungen verhängt werden. Die US-Geheimdienste würden darüber hinaus den Auftrag bekommen, einen Bericht „über das persönliche Vermögen Wladimir Putins“ vorzubereiten. Und es gibt noch ein besonderes Paket von antirussischen Maßnahmen, die gegen russische Energieprojekte (vor allem Nord Stream 2) und gegen den russischen Bankensektor gerichtet wären.

    Angesichts dieses „Festivals“ der Russlandhasser im US-Senat und der Erwartungen in Bezug auf neue Probleme in der russischen Wirtschaft seitens vieler Finanzexperten sind die Argumente der Gegner der neuen Restriktionen erwähnenswert, zu denen übrigens der US-Finanzminister Steven Mnuchin und mehrere Senatoren gehören, die ihre Befürchtungen gegenüber Bloomberg zum Ausdruck brachten.

    Unter anderem verwiesen sie darauf, dass Putin seine Politik unter keinen Umständen von den US-Sanktionen abhängen lassen werde, und das bedeute, dass Washington nach anderen Instrumenten suchen müsste, um Moskau zu zwingen, sich anders zu benehmen. Das Problem ist aber, dass man im Kapitol die Stimme der Vernunft nur sehr selten hört. Zudem verfolgen die Befürworter der neuen Sanktionen nur das einzige Ziel, Russland zu schaden. Und in diesem Kontext hat es der US-Finanzminister Mnuchin schwer, obwohl es ihm einmal schon gelungen war, ähnliche antirussische Maßnahmen zum Scheitern zu bringen. Auch diesmal betonte er, dass seine Position konstant bleibe und dass er seine zuvor geäußerten Argumente gegen die neuen Russland-Sanktionen nach wie vor für richtig halte.

    Dabei hatte Mnuchin, der eigentlich auch alles andere als ein Russland-Freund ist, gleich mehrere Gründe genannt:

    1. Solche Sanktionen würden der russischen Wirtschaft nicht katastrophal schaden.

    2. Die neuen Sanktionen würden amerikanischen Investoren schaden, die ihre russischen Staatsanleihen verkaufen müssten.

    3. Die Sanktionen würden US-amerikanische Finanzunternehmen bei der Konkurrenz gegen europäische Firmen schwächen, die weiterhin russische Staatsanleihen kaufen könnten.

    4. Solche Sanktionen könnten negative Folgen auch für Finanzmärkte außerhalb Russlands haben (und viele können sich noch an die Folgen der russischen Finanzkrise von 1998 erinnern, als in Amerika mindestens ein sehr großer Investitionsfonds  pleiteging und mithilfe der Gelddruckmaschine gerettet werden musste).

    Natürlich kann niemand garantieren, dass Mnuchin (Beamter und Ex-Bankier mit sehr umfassenden Kontakten, einem eisernen Willen und schweren Charakter) einen weiteren antirussischen Affront der Gesetzgeber verhindern wird. Möglicherweise wird auch Präsident Donald Trump es nicht schaffen (oder vielleicht hat er das auch gar nicht vor), die Russlandhasser im Senat zu stoppen (auch wenn die Außenpolitik eigentlich in den Zuständigkeitsbereich der Exekutive gehört).

    Aber selbst im Falle des schlimmsten Sanktionsszenarios ist Panik ein schlechter Ratgeber, wovon etliche historische Beispiele zeugen. Darüber, dass die Finanzmärkte wegen der damaligen Russland-Sanktionen erschüttert wurden und dass viele behaupten, die Sache wäre für Russland ganz mies, hatten wir schon geschrieben:

    „Es ist sehr unwahrscheinlich, dass der (russische) Konzern Polyus Gold wegen der schrecklichen US-Sanktionen (in Russland) kein Gold mehr gewinnen und verkaufen wird (egal ob in China oder auch unmittelbar in Russland). Es ist auch unvorstellbar, dass Europa wegen der Sanktionen gegen Alexej Miller einverstanden wäre, ohne Gas zu bleiben und zu erfrieren. Diese Liste ließe sich leicht fortsetzen. Langfristig ist die heutige Panik höchstwahrscheinlich einfach ein günstiger Moment für lukrative Investitionen in Russland.“ 

    Gazproms Aktien erreichten ihren vorherigen Preis praktisch nur einen Tag später, und die Aktien von Polyus Gold brauchten dafür etwa drei Monate.  Aber jedenfalls haben diejenigen, die nicht in Panik gerieten, nicht nur nichts verloren, sondern auch gutes Geld gemacht. Es ist ja paradox, aber selbst der Kauf von Aktien des Konzerns RusAl (der im Sinne dieser Logik durch die US-Sanktionen eigentlich hätte vernichtet werden sollen) hat ihren Besitzern auch gutes Geld gebracht.

    Das bedeutet nicht, dass Russland alle künftigen Sanktionsangriffe Washingtons leicht und schmerzfrei wird überwinden können, aber man sollte daran denken (und das räumt de facto selbst das US-Finanzministerium ein), dass die Zukunft der russischen Wirtschaft in den Händen der Russen selbst – und nicht der Amerikaner – liegt.

    * Die Meinung des Autors muss nicht mit der der Redaktion übereinstimmen.

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    Tags:
    Devisenreserven, US-Sanktionen, Staatsanleihen, Finanzierung, Terrorismus, Rubel, US-Finanzministerium, US-Kongress, Gazprom, Steven Mnuchin, Donald Trump, Lindsey Graham, Wladimir Putin, USA, Russland