03:36 17 August 2018
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    Eingang in den Hamburger Standort der Bild-Zeitung (Archivbild)

    Schäm dich, BILD!

    © AP Photo / Oliver Fantitsch
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    Ilona Pfeffer
    22070226

    Hat die BILD-Zeitung völlig vergessen, was sich gehört? In ihrer reißerischen, menschenverachtenden Berichterstattung zur Erkrankung von Asma al-Assad überschreitet die Zeitung jegliche Grenzen von Anstand und Ethik.

    Man muss die BILD nicht mögen, man muss sie auch nicht lesen. Das mache ich auch nicht. Deswegen kann ich aber nicht seelenruhig zusehen, wie sie mit menschenverachtenden Schlagzeilen versucht, sich am eigenen Schopf aus dem Auflagentief zu ziehen.

    Titelseite der Bild-Zeitung
    © Foto : Screenshot
    Titelseite der Bild-Zeitung

    Nach Beispielen muss man nicht lange suchen. Am 8. August stellt sich BILD-Autor Daniel Böcking die Frage: „Darf man sich freuen, dass Syriens mörderische Mutter Krebs hat?“ Gemeint ist Asma al-Assad, die Gemahlin des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Am Mittwoch war bekanntgeworden, dass bei der 42-Jährigen ein bösartiger Brusttumor im Frühstadium entdeckt worden ist. Ein Foto zeigt Asma al-Assad mit Infusionsschläuchen im linken Arm, an ihrer Seite ihr Ehemann Baschar al-Assad.

    Asma al-Assad. Archivfoto
    © AFP 2018 / Miguel Medina

    Wenn die Ehefrau des französischen Präsidenten Emmanuel Macron an Brustkrebs erkrankt wäre, hätte die Überschrift vermutlich anders geheißen. Der Autor hätte sich möglicherweise bestürzt gegeben und sein journalistisches Arsenal nach Worten des Mitgefühls durchforstet. Da wir hier von der BILD sprechen, hätte der Titel vielleicht geheißen: „Schock! Nach Krebsdiagnose bangen Franzosen um das Leben ihrer First Lady.“ Oder so ähnlich. Aber wenn es um die Frau eines „Tyrannen“ geht, darf die BILD nicht zimperlich sein.

    Genüsslich zitiert Böcking gleich zu Anfang Reaktionen von Twitter-Usern, die Asma al-Assad einen „langen, schmerzvollen Tod“ wünschen. Böcking findet diese Reaktionen „menschlich“. „Christlich“ seien sie jedoch nicht, ist der Autor überzeugt, und zitiert bei der Gelegenheit aus der Bibel:

    „Denn nach christlichem Verständnis straft Gott so nicht. ‚Er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und über Gute‘, heißt es in der Bibel (Matthäus 5,45). Und zur Schadenfreude: ‚Wer sich über eines andern Unglück freut, wird nicht ungestraft bleiben‘ (Sprüche 17,5).“

    Bei „aller Abscheu gegenüber dem Ehepaar Assad“ sei man als Christ dazu aufgerufen, auch für seine Feinde zu beten. Zum Schluss tröstet Böcking seine Mit-Christen: „Es wird ein gerechtes Gottes-Urteil geben für Asma al-Assad, die mörderische Mutter Syriens.“

    Bei „aller Abscheu“ für die BILD und ihre Geschmacklosigkeiten – da sträuben sich doch selbst dem größten Assad-Kritiker die Nackenhaare! Was sagt es über den Christenmenschen Daniel Böcking aus, wenn er dergestalt über eine Frau schreibt, die an einer schweren Krankheit leidet, die allzu oft tödlich ausgeht? Einer Krankheit, die er selbst in seiner heuchlerischen Doppelmoral als „Geißel“ bezeichnet.

    Die Reaktionen der Twitter-User auf den Artikel sprechen Bände.

     

     

     

    Einige User haben den Artikel sogar als unangemessen bei Twitter gemeldet. Der Kurznachrichtendienst sieht aber offenbar nichts Verwerfliches daran, wenn die BILD sich über die Krebserkrankung der syrischen Präsidentengattin freut, und lässt den Tweet stehen.

    Viele Beschwerden richten sich auch direkt an BILD-Redakteur Julian Röpcke. Dieser hatte zu einer Meldung über die Erkrankung von Asma al-Assad getwittert: „Karma is a bitch“ – zu Deutsch: Karma ist eine Nutte. Ein eindeutigeres Zeichen seiner Schadenfreude hätte er wohl kaum setzen können.

    Nach zahlreichen empörten Kommentaren der Twitter-User schreibt Röpcke, er sei nicht glücklich über die Erkrankung von Asma al-Assad. Er sei tieftraurig. Er wolle nur unterstreichen, dass das zum furchtbaren Leid in Syrien passe, das größtenteils vom Assad-Clan verursacht worden sei.

     

    Und noch Eines wird klar, wenn man sich die Druckausgabe der aktuellen BILD ansieht. Der hämische, geschmacklose Ton im Zusammenhang mit der Brustkrebs-Diagnose von Asma al-Assad war kein „Ausrutscher“ eines einzelnen Autors, sondern entspricht der Redaktionslinie. In fetten Lettern steht auf der Titelseite: „Brustkrebs! Bestie Assad bangt um seine Frau.“ Na wenigstens einer bangt. Direkt darüber kann man übrigens Sex-Tipps vom christlichen TV-Pfarrer Jürgen Fliege nachlesen. Wie pietätvoll!

    Die BILD hat sich mit dieser „Berichterstattung“ mal wieder selbst übertroffen. Das ist nicht nur Klickschlampen-Journalismus, es ist menschenverachtend und zutiefst zynisch. Schäm dich, BILD.

    Tags:
    Tumor, Hass, Medienattacke, Krebs, Beleidigung, Präsident, Pressefreiheit, Twitter, Bild-Zeitung, Julian Reichelt, Julian Röpcke, Asma al-Assad, Baschar al-Assad, Syrien, Deutschland
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