11:36 20 Oktober 2018
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    Wappen der Familie Rothschild

    Lord Rothschild in Sorge: Weltordnung schwebt in Gefahr

    CC BY-SA 3.0 / Marcin Konsek / Wikimedia Commons
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    Iwan Danilow
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    Lord Jacob Rothschild hat sich mit seiner traditionellen Botschaft an die Investoren seines Fonds RIT Capital Partners gewandt. Darin nimmt er nicht nur Stellung zu den finanziellen Ergebnissen, sondern macht sich auch seine Gedanken über die Lage in der Weltpolitik und -wirtschaft.

    RIT Capital Partners ist eine Art Eisbergspitze des weltweit bekannten Finanzimperiums, das der Familie Rothschild gehört, und zugleich eine der wenigen Strukturen, die ihre Finanzergebnisse der Öffentlichkeit mitteilt. In einem gewissen Sinne ist das auch Werbung für den außerordentlichen finanziellen Erfolg Lord Rothschilds: Seit 1998 hat der Investmentfonds einen Gesamtprofit von 2400 Prozent. Auf solche Ergebnisse würde jede andere Finanzstruktur der Welt neidisch sein, und wegen des „spezifischen“ Rufes der Familie, die den Fonds kontrolliert, schenkt man ihr nahezu weltweit Gehör, wenn es etwas zu sagen gibt. Die Briefe Lord Rothschilds erhalten zwar nur seine Investoren, aber irgendwann erfahren auch die Medien ihren Inhalt. Einige Zeit später werden sie dann auch auf der Webseite von RIT Capital Partners veröffentlicht.

    Aus dem Brief vom 30. Juni 2018 geht hervor, dass Lord Rothschild zum Thema der „beispiellosen Erholung“ der Weltwirtschaft nach der globalen Finanzkrise ziemlich skeptisch eingestellt ist, und dass er um die Weltordnung fürchtet, die seinem Finanzimperium bislang in die Karten gespielt hat.

    Eigentlich hat Jacob Rothschild, zu dessen Geschäftspartnern prominente Leute wie Warren Buffet und Henry Kissinger gehören, schon seit langem auf die Anfälligkeit der Weltwirtschaft verwiesen und das Vorgehen der westlichen Zentralbanken kritisiert, die sich nichts Besseres einfallen ließen, als gegen die globale Finanzkrise mithilfe der Gelddruckmaschine zu kämpfen. Bereits 2016 schrieb er, dass die Zentralbanken „das größte geldpolitische Experiment in der Geschichte der Menschheit“ durchführen, und betonte, dass dessen „unbeabsichtigte Folgen“ niemand vorhersagbaren könnte.

    Zudem informierte Rothschild seine Investoren, dass er sich wegen der hohen Risiken vor allem auf die Bewahrung ihres Kapitals konzentrieren werde, egal welche Rentabilität die RIT-Investitionen kurzfristig haben sollten.

    Aus Lord Rothschilds vier letzten Briefen kann man folgende Schlüsse ziehen: Der Fonds hatte de facto die Ergebnisse des Brexit-Referendums vorhergesagt, indem die Aktiva in Pfund im Voraus liquidiert wurden. Mehr als das: In seinem Brief an die Investoren 2016 teilte Rothschild mit, dass die US-Präsidentschaftswahl „sehr stressig“ sein würde, während die absolut meisten Experten erwarteten, dass Hillary Clinton leicht gewinnen würde.

    Auffallend ist, dass US-Präsident Donald Trump und Jacob Rothschild den Zustand der westlichen Wirtschaft praktisch mit denselben Worten kritisieren, wobei der britische Adelige mit der Politik des amerikanischen Staatschefs alles andere als zufrieden ist. Übrigens: Seine Kritik an den westlichen Finanzmärkten stimmt praktisch Wort für Wort mit der Kritik seitens einiger russischer Experten überein, denen man „Voreingenommenheit gegenüber den Perspektiven der USA“ vorwirft. Der Sinn der Vorwürfe ist simpel: Auf den US-Märkten lässt sich eine klassische „Finanzblase“ beobachten, und die US-Aktiva – von Aktien über Obligationen bis zum Dollar – sind überbewertet. In besonders gefährlichen Zeiten wie beispielsweise 2016, als die Welt nach Auffassung Lord Rothschilds in einer „höchst riskanten“ Situation schwebte, die es seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gegeben habe, investierte sein Fonds die Aktiva in Gold.

    Damals schrieb Rothschild seinen Investoren, dass er sich „über die russische Aggression und Expansion“ Sorgen macht. Jetzt geht es für ihn um Risiken, mit denen die Weltordnung konfrontiert wird. Diese Risiken bestehen darin, dass im Unterschied zu den früheren Krisen, bei denen die Großmächte auf diese oder jene Weise miteinander kooperierten, ihr Zusammenwirken jetzt „viel schwerer fällt“. Das ist eine klare Andeutung, dass die Räuberschachspiele vorbei sind und dass ein richtiger Konflikt zwischen den globalen Machtzentren begonnen hat. Es ist also nicht verwunderlich, dass Lord Rothschild darüber beunruhigt ist. Aus seinem Brief geht hervor, dass er dabei mit einem Erfolg Chinas rechnet – oder wenigstens mit einem Unentschieden, das für das Reich der Mitte günstig wäre: „In diesem Kontext begreifen wir das Wirtschaftspotenzial in Asien, vor allem in China, und das Potenzial bei der Entwicklung von Innovationen und Technologien“, schrieb Jacob Rothschild, indem er seinen Investoren seine Strategie und Taktik in den aktuellen „kaum vorhersagbaren“ Zeiten erläuterte.

    Wenn wir einen Blick auf die Aktiva dieses einflussreichen Finanziers werfen, dann sehen wir noch etwas Interessanteres. Im Grunde investiert der Fonds RIT Capital Partners sehr intensiv in Asien: In seinem Portefeuille gibt es Investitionen in andere Fonds, die ihre Mittel in China, Japan und Indien anlegen.

    Aber auch US-Unternehmen gehören zu den RIT-Aktiva: In erster Linie sind das Firmen aus dem IT-Sektor (Dropbox und Alphabet-Google) – also Unternehmen, die sich auf Biotechnologien und den Ausbau der Bahninfrastruktur spezialisiert haben. Man könnte glauben, dass Lord Rothschild, der nach seinen Worten über Russlands Vorgehen in der internationalen Arena besorgt war, auf Investitionen in russische Aktiva verzichtet hat, aber das stimmt nicht. So besitzt der BlackRock Emerging Markets Fund, in den RIT seine Mittel investiert, Aktien der Sberbank und des Gasunternehmens NOVATEK.

    Lord Rothschild legt sein Geld jedoch nicht in der Ukraine an, obwohl seine entfernten Verwandten schon seit längerer Zeit mit dem Präsidenten dieses Landes kooperieren. Der britische Finanz-Guru glaubt offensichtlich nicht an die Investitionsperspektiven der jungen ukrainischen Demokratie.

    Die Investitionsprioritäten des Rothschild-Fonds sind durchaus nachvollziehbar: RIT Capital setzt auf Informations- und Biotechnologien sowie auf traditionelle Energie – da steckt großes Potenzial fürs Überleben in den Jahren globaler Turbulenzen. Aus dieser Sicht ist Russland ein Land von einmaligen Möglichkeiten: Einerseits hat es das Potenzial für wirtschaftliche Durchbrüche und ist andererseits tatsächlich eine Energie-Supermacht. Und dass sich der britische Lord Sorgen über den möglichen Zusammenbruch der Weltordnung und die russische Expansion macht, ist gut so. Die aktuelle Weltordnung sollte man eigentlich über den Haufen werfen – und Russland würde davon sehr profitieren. Und darin steckt eben seine historische Chance.

    * Die Meinung des Autors muss nicht mit der der Redaktion übereinstimmen.

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    Tags:
    Deep State, Herrschaft, Weltordnung, Dominanz, Einfluss, Kontrolle, Finanzexpansion, Gold, Investoren, Expansion, Investitionen, IT, Kapitalismus, Brexit, NOVATEK, Google, Sberbank, Lord Jacob Rothschild, USA, Russland, Ukraine, China