19:49 18 Dezember 2018
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    Der Staatsbesuch von Wladimir Putin in Österreich: Die Außenministerin Kneißl (2l) trifft den russischen Präsidenten im Wiener Flughafen (Archivbild)

    Hochzeitsgast Putin: Kremls „sanfte Waffe“ gegen Russlandhasser

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    Irina Alksnis
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    Es passieren manchmal Dinge, die formell zwar nicht bemerkenswert sind, aber große Aufmerksamkeit auf sich ziehen und über deren wahre Bedeutung die Gesellschaft rätselt.

    Die bevorstehende Reise des russischen Präsidenten Wladimir Putin zur Hochzeit der österreichischen Außenministerin Karin Kneissl – unterwegs zum Treffen mit Angela Merkel – gehört auch dazu. Der Kreml verwies zwar in einer offiziellen Mitteilung auf den privaten Charakter der bevorstehenden Veranstaltung, konnte aber die Neugierde zahlreicher Beobachter und Experten nicht stillen, was wirklich dahinter stecken könnte.

    Und wenn man bedenkt, dass man im Westen in letzter Zeit selbst die offensichtlichsten Dinge, die Russland und seine höchste Führung betreffen, oft sehr eigenartig deutet, dann wird man das mit großer Wahrscheinlichkeit auch im Kontext der Putin-Reise zur Hochzeitsfeier tun. Also ist es wohl sinnvoll, den annoncierten Besuch scharf ins Auge zu fassen und daran zu denken, auf  welche unsichtbaren „Stolperfallen“ er sich zurückführen lässt (falls es solche überhaupt gibt).

    Für den Anfang muss man sagen, dass die Öffentlichkeit schon seit ziemlich langer Zeit nichts über die Beteiligung des Kremlchefs an privaten Veranstaltungen im Ausland gehört hat. Seine informellen Abendessen mit anderen Staats- und Regierungsoberhäuptern, gemeinsame Konzertbesuche usw. sind immerhin Teil des Programms im Rahmen von großen  internationalen Treffen. Aber richtig private Veranstaltungen im Ausland unter Beteiligung Putins finden dermaßen selten statt, dass jede von ihnen sofort viel Aufmerksamkeit auf sich zieht. Zu einem der jüngsten solchen Ereignisse wurde wohl  sein Treffen mit dem ehemaligen italienischen Regierungschef Silvio Berlusconi im Herbst 2014, der damals quasi mitten in einer Krise steckte (unter anderem lief ein Gerichtsprozess gegen ihn). Zwar ist die Freundschaft der beiden seit Jahren allgemein bekannt, doch ein solch demonstrativer Schritt Putins zog eine große Aufmerksamkeit des Publikums auf sich.

    Das damalige Treffen Putins mit Berlusconi unterstreicht nur abermals den außerordentlichen Charakter seiner bevorstehenden Österreich-Reise. Karin Kneissl ist mit dem Kremlchef erst seit kurzer Zeit und rein offiziell bekannt. Laut Kommentaren hat sie einfach mal riskiert, ihn zu ihrer Hochzeit einzuladen – und Putin hat – möglicherweise für sie selbst überraschend – die Einladung angenommen.

    Warum er plötzlich zugestimmt hat, weckt bei den meisten Experten die Vermutung, dass er Österreich unter vielen anderen europäischen Partnern Russlands extra hervorheben und Wien (nämlich seiner hochrangigen Vertreterin) seine besondere Sympathie zeigen wollte.

    Es ist beispielsweise allgemein bekannt, dass sich Österreich direkt geweigert hat, russische Diplomaten im Kontext des so genannten „Falls Skripal“ auszuweisen, was die meisten EU-Länder aus „Solidarität“ mit Großbritannien  getan haben. Auch im Allgemeinen vermeidet Wien in letzter Zeit die Teilnahme an geopolitischen Skandalen und lässt sich nicht in die antirussische Hysterie verwickeln.

    Allerdings ist nicht auszuschließen, dass sich im Westen Kräfte finden werden, die diese Erklärung des Vorgehens der Österreicher für viel zu einfach halten und verschiedene Verschwörungstheorien entwickeln werden.

    Angesichts dessen kann man auch diese Version der Reise Putins zur Hochzeit der österreichischen Chefdiplomatin in Betracht ziehen. In diesem Kontext ist erwähnenswert, dass es unter den Gästen der jüngsten Fußball-WM auch Staats- und Regierungsoberhäupter der jeweiligen Länder gab. Zum Höhepunkt des Sportfestes wurde das Endspiel, dem der Präsident Frankreichs und die Präsidentin Kroatiens beiwohnten und ihre Mannschaften sehr emotional unterstützten.

    Russland, Moskau und Wladimir Putin persönlich, der ebenfalls auf der Tribüne saß, haben eine dermaßen schöne Atmosphäre während des Wettbewerbs geschaffen, dass die Welt Emmanuel Macron und Kolinda Grabar-Kitarović mit völlig anderen Augen gesehen hat. Auch die beiden selbst werden den Abend des 15. Julis wohl nie vergessen.

    Und gerade darin sehen manche Russlandhasser eine neue „geheime Waffe des Kremls“.

    In der heutigen Welt der permanent wachsenden Konfrontation, wo alte Verbindungen unterbrochen werden, wo immer neue und neue Skandale ausbrechen, machen Moskau (und Präsident Putin persönlich) die Starken dieser Welt darauf aufmerksam, dass alles auch ganz anders sein könnte. Dass in der Welt viele schöne Dinge passieren und jegliche Kontroversen konstruktiv am Verhandlungstisch geregelt werden können.

    Vor dem Hintergrund der globalen Eskalation zeigt Russland auf höchster Ebene, wie ganz normale menschliche Kommunikation erfolgen kann, wie man gastfreundlich sein und sich über Erfolge anderer freuen kann. Und dadurch öffnet Moskau die Tür für eine alternative Entwicklung der Situation und schenkt der Welt die Hoffnung, dass sie das schlimmste Szenario doch vermeiden kann. Und dafür sollte man einfach Moskau auf diesem Weg folgen.

    Aber für viele im Westen wäre dieses Szenario gefährlich und unerwünscht, und deshalb könnten irgendwo in der „Times“ oder auf CNN oder Bloomberg durchaus neue gegen den Kreml gerichtete Enthüllungen erscheinen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht mit der der Redaktion übereinstimmen.

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    Tags:
    Freundschaft, Besuch, Hochzeit, Diplomatie, Fußball-WM 2018, EU, Kolinda Grabar-Kitarović, Emmanuel Macron, Angela Merkel, Wladimir Putin, Karin Kneissl, Kroatien, Europa, Frankreich, Deutschland, Russland, Österreich