23:00 16 November 2018
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    Russlands Präsident Wladimir Putin (in d. M.)

    Ex-Rothschild-Banker will strategische Kooperation mit Putin: Folgt Moskaus Antwort?

    © Sputnik / Alexej Druschinin
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    Iwan Danilow
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    Blickt man ohne ideologische Vorbehalte auf das politische Leben im Westen, kann man zu einem überraschenden Schluss kommen. Die gesamte westliche Strategie wird von der Suche nach Antworten auf zwei typisch „russische“ Fragen russischer Literatur-Klassiker bestimmt: Was tun und wer ist schuld?

    Wenn man keine Verantwortlichen für alle Probleme (sowohl aktuelle als auch künftige) findet, ist unklar, wie man die vielen ehemaligen Imperien zusammenhalten soll, die den Kern des „kollektiven Westens“ bilden.

    Die Benennung eines gemeinsamen Feindes ist oft nicht nur eine Frage der politischen Notwendigkeit, sondern auch der wirtschaftlichen Zweckmäßigkeit, weshalb man beim Thema Kampf gegen diesen gemeinsamen Feind einen finanziellen Profit rausschlagen kann – von der Verteilung der Militäretats bis zur Ausplünderung des bekämpften Gegners. Aus mehreren historischen, politischen, geografischen und sogar religiösen Gründen eignet sich am besten als Antwort auf die europäische Frage: „Wer ist an allen ehemaligen und künftigen Problemen schuld?“ Russland.

    Auf die Frage: „Wie soll mit diesem Problemmacher umgegangen werden?“ wurden verschiedene Antworten vorgeschlagen. Von britischen Sanktionen im 16. Jahrhundert bis zu direkten Militärinvasionen im 20. Jahrhundert. In den vergangenen Jahren wurde Russland erneut zum offiziellen Grund aller Probleme erklärt. Beginnend mit der Untergrabung des Völkerrechtssystems bis zu Hackerangriffen auf die westliche Demokratie. Im gewissen Sinne konnte der Westen beruhigt aufatmen. Er bekam nun wieder einen normalen Feind und nicht irgendwelche künstlichen Gebilde wie „Nahost-Terrorismus“, der durch den Westen selbst ins Leben gerufen wurde, oder Nordkorea, das sich vom Westen nicht einschüchtern ließ. Nach Benennung Russlands zum Feind Nummer eins wurde die Frage „Was tun?“ vom Westen in üblicher Manier gelöst – Russland wurde mit Sanktionen und diplomatischem Druck drangsaliert. Einige Hitzköpfe schlugen sogar gewaltsame Eingriffe vor.

    Das Problem besteht darin, dass die Methode des traditionellen Zusammenwirkens mit Moskau vor unseren Augen gebrochen wird. Dies löst zudem sehr negative Emotionen bei jenen aus, bei denen dieser Kampf das Wesen des Lebens, politische Ideologie und das wichtigste Geschäft ist.

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    Ins Kreuzfeuer der Kritik wegen nicht besonders aktiver Bekämpfung Russlands geraten auch jene, die man gewöhnlich nicht kritisiert. So titelte die Zeitung „Financial Times“: „Israel erntet die Früchte der unerwarteten Allianz mit Putin“. Dem israelischen Premier, Benjamin Netanjahu, wird alles Mögliche vorgeworfen wie Teilnahme an der Aktion „Unsterbliches Regiment“, dass er Putin-Versteher ist, und Israel sich nicht den Russland-Sanktionen anschloss.

    Zudem wird Netanjahu unterstellt, er umgarne Moskau, um seine eigenen Ziele sowie gewinnbringende Kompromisse bei der Syrien-Frage zu erzielen.

    Aber warum wird der israelische Ministerpräsident eigentlich wegen seiner durchaus erfolgreichen Diplomatie kritisiert? Während die restliche Welt ihre Geschlossenheit bei der Konfrontation gegen Putin zeigt, verzichtet der israelische Premier auf antirussische Solidarität. Und versucht, Beziehungen zu Russland auf Grundlage der nationalen Interessen für das eigene Land aufzubauen. In Moskau findet er dabei ziemlich vernunftgesteuerte und verhandlungsfähige Gesprächspartner. Was ist, wenn nun andere Anführer der westlichen Länder zum Schluss kommen, dass man mit Russland auch anders kommunizieren kann? Netanjahu schuf anscheinend einen giftigen (aus Sicht der Befürworter eines ständigen wirtschaftlichen, diplomatischen und sogar echten Kriegs gegen Russland) Präzedenzfall.

    Auffallend ist, dass Frankreichs Präsident, Emmanuel Macron, fast dieselben Argumente wie israelische Diplomaten anführt, wenn er von der notwendigen Umformatierung der Beziehungen zu Russland spricht, was allein schon pragmatischen Realismus erfordert. Und dass man ohne die Unterstützung Russlands die Sicherheit des Landes nicht gewährleisten kann.

    Frankreichs Präsident ging noch weiter und wiederholte während des Helsinki-Besuchs am 30. August die „russische These“: „Wir haben den Wunsch, dass Europa die strategische und Verteidigungsautonomie hat, um die europäische Sicherheitsarchitektur im breiteren Sinne umzubauen, wie ich das vor einigen Monaten in Sankt Petersburg sagte. Dieses breitere Europa soll seine Sicherheitsarchitektur mit den Mächten errichten, die sich an ihrer Grenze befinden. Mit den großen Völkern, mit denen wir eine gemeinsame Geschichte haben“.

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    Man muss kein Prophet sein, um zu vermuten, dass Kritiker in dieser Äußerung einen weiteren Versuch sehen werden, Moskau zu umschmeicheln. Geschweige denn, dass die Idee des Aufbaus eines „breiteren Europas“, wo Sicherheit mit gemeinsamen Anstrengungen gewährleistet wird, unter anderem mit Russland, aus Sicht der transatlantischen Solidarität mit den USA und traditionell russlandfeindlichen Positionen des europäischen politischen Establishments unannehmbar ist.

    Die Position Macrons könnte man als unbedeutend einstufen (was sind die Worte des Präsidenten eines Landes wert, das über keine vollwertige Souveränität verfügt?), doch das wäre eine falsche Einschätzung. Macron ist ein Mensch mit interessantem Lebenslauf. Um den Sinn seiner Worte zu verstehen, sollte man eine Antwort auf folgende philosophische Frage finden: Gibt es überhaupt ehemalige Banker des Hauses Rothschild? Frankreichs aktueller Präsident arbeitete vor seinem Wechsel in die Politik für eine Rothschild-Bank. Im seriösen Bankgeschäft achtet man sehr auf die Wortwahl. Wenn Macron also von der Notwendigkeit spricht, Moskau in den Aufbau der europäischen Sicherheitsarchitektur einzubeziehen, heißt das, dass dieser Bedarf objektive Realität ist.

    Das Verhältnis zu Russland wird sich allmählich ändern. Das ist nur eine Frage der Zeit und der richtigen Schritte Moskaus. In Russland wird häufig behauptet, dass die Verbindungen mit dem Westen via Zugeständnisse verbessert werden können. Das ist eine Fehleinschätzung. Mit dem Westen kann man nur nach dem von Netanjahu geäußerten Prinzip zusammenwirken: „Schwache brechen zusammen, sie werden ermordet, aus der Geschichte ausradiert. Starke überleben. Die Starken werden respektiert, Allianzen werden mit Starken geschlossen“.

    Diese Logik stimmt wohl bei jedem Land, besonders aber bei Russland. Der einzige Weg, mit unseren westlichen Opponenten freundschaftliche Beziehungen zu führen, ist, weiter an Stärke zu gewinnen und sie verantwortungsvoll zu nutzen. Zum Glück hält sich die russische Führung an diese Taktik.

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    Tags:
    Feind, Druck, Partnerschaft, Souveränität, Sanktionen, Benjamin Netanjahu, Emmanuel Macron, Wladimir Putin, Westen, Israel, Frankreich, Russland