11:00 22 September 2018
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    Wladimir Putin (3R) und der japanische Premier Schinzo Abe (4R) bei einem Judo-Turnier in Tokio (Archivbild)

    Mega-Manöver in Fernost: Warum Putin das Gespräch mit asiatischen Ländern sucht

    © AFP 2018 / Pool/ Toru Yamaka
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    Irina Alksnis
    „Wostok 2018“: Das größte Militärmanöver in der Geschichte Russlands (18)
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    Am 11. September, wird das Östliche Wirtschaftsforum eröffnet. Es findet zwar erst zum vierten Mal statt, ist jedoch bereits zu einem wichtigen politischen und wirtschaftlichen Ereignis der Asien-Pazifik-Region geworden. Auch diesmal werden hochrangige Teilnehmer erwartet, unter anderem die Staats- und Regierungschefs Russlands, Chinas und Japans.

    Ebenfalls am 11. September beginnen russische Streitkräfte zusammen mit dem chinesischen und mongolischen Militär das internationale strategische Manöver „Wostok 2018“.

    Die Manöver gelten umso mehr als zeichensetzend, weil sie in ihrem Umfang die berühmten Übungen „Zapad 81“ hinter sich lassen sollen. Laut dem russischen Verteidigungsminister Sergej Schoigu werden bei den Übungen 300.000 Soldaten eingesetzt (an „Zapad 81“ nahmen ca. 100.000 Militärs teil), 36.000 Militärfahrzeuge, mehr als 1000 Flugzeuge und Hubschrauber. Die Übungen finden fast auf allen Geländen der Militärbezirke Zentrum und Ost statt. An den Übungen nehmen natürlich auch die Pazifische und die Nordflotte teil.

    Die zeitliche Übereinstimmung der beiden Ereignisse sorgte natürlich für großes Aufsehen bei westlichen Analysten, die zahlreiche Verschwörungstheorien vorlegten.

    Worin besteht aber der wahre Sinn dieser zeitlichen Übereinstimmung? Die einfachste und oberflächlichste Erklärung ist „der Wunsch Moskaus, den asiatischen Partnern die Errungenschaften Russlands bei der Hinwendung gen Osten zu zeigen“.

    Beim Rückblick scheint es sogar merkwürdig, dass diese Wende erst fünf Jahre alt ist. Als deren Beginn gilt wohl das Gasabkommen mit China im Mai 2014, aktiver wurde seit 2015 über die Hinwendung gesprochen. Die Einrichtung des Östlichen Wirtschaftsforums 2015 war ein Teil dieses neuen staatlichen Kurses.

    Es sind wohl tatsächlich bestimmte Fortschritte zu benennen. Die „Kraft Sibiriens“ wird in schnellem Tempo gebaut, der Abschluss der Bauarbeiten lässt nicht mehr lange auf sich warten. Der Handelsumsatz mit China wird übrigens in diesem Jahr einen neuen Rekord aufstellen und mehr als 100 Milliarden Dollar ausmachen. 

    Ähnliche Tendenzen sind auch bei den Beziehungen mit anderen Ländern zu erkennen – der Handelsumsatz mit Indien stieg im vergangenen Jahr um ein Viertel und um ein weiteres Viertel in den ersten fünf Monaten dieses Jahres. Es entwickeln sich intensiv Infrastruktur-, Verkehrs- und Logistik-Projekte, mit denen Russland ein neues Niveau der Verbindung Asiens mit Europa sichern wird – von der internationalen „Neuen Seidenstraße“ bis zur russischen „Nordostpassage“.

    Aus politischer Sicht ist Russland die Hauptmacht der Asien-Pazifik-Region, die als Schiedsrichter und Vermittler die Stabilität der Region sichern soll. Die Auslands-Projekte Moskaus werden durch die innere Entwicklung der fernöstlichen Regionen des Landes ergänzt – Straßen, Gaspipelines, Eisbrecher und die Sachalin-Brücke.

    Das militärische Element erscheint als logische Ergänzung dieses Projekts. Zudem entspricht die parallele Abhaltung der Übungen zum Östlichen Wirtschaftsforum der asiatischen Mentalität.

    Man könnte diese Entwicklung tatsächlich mit Image-Anstrengungen Moskaus erklären, das seinen Ruf in den Augen der asiatischen Partner unterstützen will, doch in der Realität ist alles viel finsterer.

    Bemerkenswert ist, dass die Manöver „Wostok 2018“ im westlichen Mainstream deutlich weniger Interesse als die vorjährigen Übungen „Zapad 2017“ auslösen. Damals herrschte um diese dritten russisch-weißrussischen Übungen eine wahre Hysterie in den Medien, wobei Russland sogar Versuchen der Besetzung Weißrusslands verdächtigt wurde.

    Der Grund ist wohl, dass viele Medien bei ihrer Berichterstattung vor allem Ängste in der westlichen Welt schüren wollen. Die Bedrohung durch Russland gegenüber Estland bzw. Polen ist für den Westen viel interessanter als reale Probleme in der Asien-Pazifik-Region, auch wenn dort mehr als vier Milliarden Menschen leben.

    Östliches Wirtschaftsforum

    Die Situation wird dadurch verschlechtert, dass globale Tendenzen eindeutig auf die Vorbereitung der Welt auf große Erschütterungen hinweisen, wobei diese Aktivitäten in den letzten Monaten fieberhaft wurden. Man sollte sich beispielsweise an den rasanten Ausverkauf von US-Staatsanleihen seitens Russlands erinnern. Die Medien sind voller Alarm-Prognosen eines Zusammenbruchs auf den Weltmärkten in diesem Herbst.

    Damit verwandelt sich die Asien-Pazifik-Region in ein Pulverfass, weil diese Region dank ihres Reichtums Begehren weckt. Zahlreiche alte Konflikte zwischen den Ländern und eine riesige Überbevölkerung machen sie zu einer perfekten Zielscheibe, die leicht in Flammen gesetzt und anschließen ausgeplündert werden kann. Man kann sich da an die jüngsten Anstrengungen Washingtons zur Destabilisierung der koreanischen Halbinsel erinnern.

    Man kann sich gut vorstellen, wie finster den asiatischen Behörden die Perspektiven erscheinen, denn sie erinnern sich noch sehr gut daran, welchen Preis die Völker im Falle von Kriegen zahlen müssen.

    Das Problem besteht darin, dass vielen die Hände wegen ihrer Stellung als halbkolonialer bzw. Vasallenstaat gegenüber dem Westen, konkreter den USA, gebunden sind. Ihre Möglichkeiten, den für sie geschriebenen katastrophalen Szenarien Widerstand zu leisten, sind beschränkt.

    In dieser Situation führt Russland, das im militärischen Sinne ziemlich wenig Interesse an der Asien-Pazifik-Region zeigte, Übungen durch. Die Verbündeten-Beziehungen zwischen Russland und China schaffen eine Militärstärke, mit der kaum jemand konkurrieren kann.

    Zudem demonstrierte Moskau am Beispiel der Militäroperation in Syrien seine Fertigkeiten und seinen Umfang mit modernen heißen Konflikten:

    —  Schutz und Aufrechterhaltung der Staatlichkeit;

    —  Punktuelle Anwendung eingeschränkter Militärstärke zum Erreichen eines maximalen Ergebnisses;

    —  Bereitschaft zu Gesprächen, Berücksichtigung von Interessen und Suche nach Kompromissen mit ganz verschiedenen Kräften zur Befriedigung der Seiten.

    Dabei muss hervorgehoben werden, dass selbst Japan, das kaum von einer russisch-chinesischen Allianz begeistert ist, dies als geringeres Übel wahrnehmen kann. Denn die Russen zielen auf die Aufrechterhaltung des Status quo und die Nichtzulassung des Abrutschens der Region in eine Schlacht ab, was eine angenehmere Alternative ist, als von den USA im asiatischen Massaker zugunsten der Idee „Make Amerika great again“ geopfert zu werden.

    In diesem Kontext teilen die Übungen „Wostok 2018“ parallel zum Östlichen Wirtschaftsforum der ganzen Welt eindeutig mehre Dinge mit. Erstens erwartet Moskau eine starke Zuspitzung der Situation in der Region mit dem Auftauchen von gleich mehreren Brandherden.

    Zweitens wird Russland nicht einfach der katastrophalen Entwicklung zuschauen und wird Handlungen zur Nichtzulassung unternehmen, wobei alle vorhandenen Instrumente genutzt werden – von wirtschaftlichen bis zu militärischen.

    Drittens bleibt immer weniger Zeit für neutrale Beobachtung von außen.

    Russland hat in den vergangenen Jahren gezeigt, wozu es fähig ist. Die USA zeigen jeden Tag, in was sie sich verwandeln. Für alle rückt die Deadline näher, um eine Entscheidung zu treffen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht mit der der Redaktion übereinstimmen.

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    „Wostok 2018“: Das größte Militärmanöver in der Geschichte Russlands (18)
    Tags:
    Neue Seidenstraße, Großmanöver, Unternehmen, Gaslieferungen, Wirtschaft, Militärmanöver, Zusammenarbeit, Handel, Kraft Sibiriens, Wostok 2018, Gazprom, Wladimir Putin, Xi Jinping, Fernost, Asien, Sibirien, Japan, Südkorea, USA, Russland, China