13:35 24 September 2018
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    Chinesische Panzer, die an den Manövern zwischen Russland und China teilnehmenMoosbeere (Symbolbild)

    Moosbeeren-Suche in Russisch-Fernost

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    Willy Wimmer
    „Wostok 2018“: Das größte Militärmanöver in der Geschichte Russlands (18)
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    Um Moosbeeren in der Taiga zu suchen, dürfte der Aufwand etwas zu hoch ausfallen. Wenn man genauer hinsieht, was die russischen und chinesischen Streitkräfte im Manövergebiet von Sibirien und Russisch-Fernost ab dem 11. September 2018 unter Beweis stellen wollen, kommt allerdings eine neue Qualität in den globalen Beziehungen auf uns zu.

    Da ist zunächst einmal das Datum für das Manövergeschehen, das die Welt so noch nicht gesehen haben dürfte. Langjährige Kenner Russlands und der russischen Streitkräfte verweisen darauf, dass Großereignisse dieser militärischen Art nicht ohne Bedacht gewählt werden, was den Zeitpunkt anbetrifft. So dürfte auch bei diesem Großmanöver der 11. September kein Zufall sein. Alleine schon deshalb, weil nach dem Anschlag auf die Zwillingstürme in New York der Zeitraum begann, an dem unter den Präsidenten George W. Bush und Barack Obama die global ausgreifende Phase der amerikanischen Politik mit der „Neuen Weltordnung“ begann.

    Zwar wurde diese Politik-Linie schon von Präsidenten-Vater Bush sen. ausgerufen, aber für die Umsetzung musste über den ordinären Angriffskrieg gegen Jugoslawien erst die seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges gültige Charta der Vereinten Nationen ausgehebelt werden. Damit konnten die USA mit ihrem Rattenschwanz an Verbündeten daran gehen, den Absprache-widrigen Aufmarsch gegen die Westgrenze der Russischen Föderation aufzunehmen und zum heutigen Abschluss zu führen.

    Die amerikanischen Folgekriege vor allem gegen Afghanistan, den Irak, Libyen und Syrien waren die unmittelbare zeitliche Abfolge vom 11. September 2001. Es war wie immer seit 1898 und der Explosion des amerikanischen Kriegsschiffes „Maine“ im damals noch spanischen Hafen Havanna auf Kuba. Ein zündendes Ereignis wurde dazu benutzt, zum nächsten Krieg im amerikanischen Interesse zu blasen, wie die Welt es seit diesem Zeitpunkt immer wieder erleben durfte.

    Während man in den Vereinigten Staaten von „Russland als Regionalmacht“ faselte, kam dieses Land, dem man noch unter Jelzin glaubte, jede Erinnerung an ein eigenes staatliches Rückgrat mittels des Harvard-Professors Sachs austreiben zu können, in erstaunlicher Weise auf die Beine. Schon der zweite Kaukasus-Krieg in Tschetschenien zeigt um die Jahrtausend-Wende der Welt, dass über Taliban-Kämpfer in diesem Gebiet die Vereinigten Staaten und ihre Gefolgschaft daran gingen, sich über den sogenannten „weichen Unterleib Russlands“ daran zu machen, Moskau die Marschrichtung für den staatlichen Umbau des Riesenreiches aufzuzeigen.

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    Während sich die Vereinigten Staaten nicht darum scherten, welche Konsequenzen die Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozesse der Welt zur Verhinderung von Kriegen mittels der Charta der Vereinten Nationen aufgegeben hatten, stellte sich Russland ostentativ und mit beachtlichem Aufwand an die Seite der legitimen syrischen Regierung in dem Krieg, der dieses Land seit 2011 heimsucht. Die militärischen Auseinandersetzungen in der Großregion Irak und Syrien und die tausenden toten amerikanischen Soldaten sind einer der Gründe, warum es heute in den Vereinigten Staaten einen Präsidenten Donald Trump überhaupt gibt.

    Es ist gerade mit Syrien und dem Irak als einer der Wiegen unserer Zivilisation das Gebiet, in dem den amerikanischen Treibern der „Neuen Weltordnung jenseits der Charta der Vereinten Nationen“ über den russischen Militäreinsatz das Signal zum „Stop“ gegeben werden sollte und wohl auch ist. Kein Wunder, dass in Washington der Krieg selbst im Rosengarten des Weißen Hauses zwischen denen ausgetragen wird, die sich der seit 2001 eingenommen Rolle mit der Zielansprache der Weltherrschaft verschrieben haben und einem Präsidenten mit dem Willen zur existenzsichernden „Frontbegradigung“.

    Das jetzt in diesen Tagen in Sibirien und Russisch-Fernost ablaufende Manöver ist dabei von einem nicht zu unterschätzenden Signalcharakter. Die mögliche Veränderung des weltpolitischen Dispositivs, die derzeit in der Großregion Syrien abläuft, sollte niemanden in Washington oder Stuttgart „auf dumme Gedanken bringen“. In der Manöveranlage selbst muss man sich nicht an die amerikanische Gefolgschaft in Europa richten. Dafür ist das Manöver-Gebiet weit genug weg von Europa  selbst für russische Verhältnisse, wenn man an die Trennlinie des Ural-Gebietes denkt. Alleine schon der Hinweis auf ein Manöver-Geschehen 1981 mit dem Manöver: “Zapad“ ist für Europäer Signal genug. Ein zufällig im Manövergebiet anwesender Offizier der deutschen Bundeswehr deckte die Stoßrichtung dieses Manövers, an dem tschechoslowakische und ostdeutsche Panzerdivisionen beteiligt waren auf. Polen sollte aus dem Manövergeschehen heraus in seiner staatlichen Existenz dran glauben und wie der russische Verteidigungsminister Schoigu zum jetzt stattfindenden Manöver sagte: die NATO auch.

    >>Andere Sputnik-Artikel: US-Drohungen zwingen China zu Militärbündnis mit Russland

    Wenn es um die Verteidigung Russlands geht, sind nach Moskauer Ansicht starke Signale angebracht. Vor allem deshalb, weil seit dem alliierten Aufmarsch gegen die russische Westgrenze nach der deutschen Wiedervereinigung, den immer schärferen Sanktionen und dem Washingtoner Konfliktgehabe Moskau droht, über die Klippe gestürzt zu werden. Zweifellos hatte man sich das in Moskau anders vorgestellt, als man die Grundlagen für das „gemeinsame Haus Europa“ schuf.

    Die Europäer werden das mit dem Manöver gegebene Signal verstehen. Werden das auch die verstehen, die sich die Manöveranlage genauer ansehen sollten? Schon die Betrachtung der Lage vor Ort macht deutlich, dass das von diesem Manöver ausgehende Signal an der pazifischen Gegenküste — den Vereinigten Staaten — nämlich aufgefangen werden soll.

    Wer sich einmal auf dem Flughafen der Amur-Metropole Chabarowsk mit ihren alten deutschen Handelsstraßen aufhalten konnte, der sieht an den Fluggesellschaften, dass man sich in Asien befindet. Alaska ist nah und damit Festland —Kanada und die Vereinigten Staaten. Und man steht nicht alleine. In dem Gebiet, das nach 1990 Ziel einer chinesischen Migration von Millionen Menschen wurde, übt die chinesische Volksbefreiungsarmee mit. Beim letzten Besuch von Henry Kissinger in Moskau wurde gemutmaßt, dass sein Besuch dem Ziel galt, Moskau gegen Peking auszuspielen. Das ist jetzt die gemeinsame Antwort.

    Man wird sehen müssen, ob die militärischen Beobachter dieses Großmanövers in der Lage sind, aus der Ferne eine wenigstens annähernde Beurteilung dieses Manövers vornehmen zu können.

    Der Zustand der westlichen Diplomatie lässt jeden zurückschrecken, auch nur entfernt an diese Frage zu denken.

    * Die Meinung des Autors muss nicht mit der der Redaktion übereinstimmen.

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    Tags:
    Weltordnung, Manöver, Uno, Barack Obama, Libyen, Syrien, Irak, Afghanistan, Russland, China