18:49 17 November 2018
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    Wladimir Putin begrüßt die Gäste seiner Inauguration

    Putin, der Triumphator – Westmedien mit kontroversem Russland-Bild

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    Iwan Danilow
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    Westliche Medien und Politiker sind sich uneins, wie sie Russland und dessen Präsident Wladimir Putin zeigen sollen. Mal stellen sie Land und Präsident als mächtige Gefahr dar, mal sehen sie beide kurz vor dem Untergang. Gleichzeitig wissen sie nicht, wie sie mit dem wachsenden russischen Einfluss umgehen sollen – einer Folge ihrer eigenen Politik.

    Die Reaktionen der westlichen Medien, insbesondere der britischen, auf die russisch-chinesischen Militärmanöver in Fernost und auf das 4. Östliche Wirtschaftsforum in Wladiwostok sind sehr kontrovers. Einerseits bemühen sie sich mit aller Kraft, ihre Leser und Zuschauer zu überzeugen, dass Russland ein schwacher Akteur in der internationalen Arena wäre und dass Putin ein verzweifelter Autokrat wäre. Das Land, das dem Westen nur als „Tankstelle“ nützlich sein könnte und das von heute auf morgen wegen der Wirtschaftssanktionen zusammenbrechen könnte, sollte aus ihrer Sicht gar nicht ernst genommen werden.

    Wladimir Putin bei der Eröffnungszeremonie von Olympischen Winterspielen in Sotschi (Archivbild)
    © Sputnik / Michail Klimentiew
    Andererseits aber hängen die westlichen Medien permanent das Thema „russische Gefahr“ an die große Glocke. Die russisch-chinesischen Manöver wurden vom britischen „Telegraph“ als „Moment des Triumphs“ des Kreml-Chefs bezeichnet. Damit loben die Briten diese Übungen quasi noch mehr als die Russen und Chinesen selbst. Mehr noch: Die britische Presse hat in den Flügen der US-amerikanischen Aufklärungsflugzeuge über die Manövergebiete ein Anzeichen dafür gesehen, dass der kollektive Westen die intensive russisch-chinesische Kooperation mit Sorge und Argwohn betrachtet.

    Die gemeinsamen Bilder der Präsidenten beider Länder, Wladimir Putin und Xi Jinping, auf dem Östlichen Wirtschaftsforum hat die ganze Welt gesehen. Besonders überzeugend wirkt die russisch-chinesische Freundschaft angesichts der Entscheidung des US-Präsidenten Donald Trump, keines der Gipfeltreffen in Asien zu besuchen. Das ruft bei westlichen Experten den Eindruck hervor, dass man in Washington kein Interesse an der Region hat, wo jetzt Moskau und Peking das Sagen haben werden.

    Verbündete wenden sich von USA ab

    Aber das ist noch nicht alles. Die Teilnahme des japanischen Premiers Shinzo Abe am Wirtschaftsforum in Wladiwostok erhärtet den Verdacht, dass der von den USA ausgelöste „Handelskrieg gegen die ganze Welt“ am Ende zu deprimierenden Ergebnissen führen wird: Die Länder, die jetzt wegen des Vorgehens Washingtons leiden, bemühen sich um die Lösung von Problemen hinter dem Rücken der US-Amerikaner.

    Ein besonders schmerzhaftes Thema für Russlands westliche Opponenten sind dessen Energie-Projekte, vor allem der Bau der Gasleitung „Kraft Sibiriens“ und einer Pipeline nach Südkorea (durch Nordkorea). Sie betrachten das als einen wichtigen Faktor des geopolitischen Einflusses des Kremls – nicht unbegründet. Denn China hat genauso wie Südkorea und Japan keine eigenen Kohlenwasserstoffe und ist in diesem Sinne von anderen Ländern abhängig, ob von Russland oder den USA.

    Wichtig ist auch, dass diese Pipelines größtenteils auf dem russischen Territorium liegen und von den US-Amerikanern nicht außer Gefecht gesetzt werden können. Gerade darauf lässt sich die verbissene PR-Kampagne gegen die sibirische Pipeline und andere Projekte zurückführen. Sollten ähnliche Vorhaben auch mit Südkorea und Japan umgesetzt werden, würden in der Welt gleich drei geopolitische „Verschiebungen“ geschehen, die Washington nicht „schmecken“ würden.

    Russland als Alternative

    Erstens würden die US-Amerikaner das so genannte  „Premiumsegment“ des asiatischen Flüssiggas-Marktes verlieren: Russland würde den Gasbedarf seiner asiatischen Partner mit seinem billigen Pipeline-Gas decken. Denn das Flüssiggas (LNG) ist in Asien um 20 bis 50 Prozent teurer als in Europa. Dieser Markt ist enorm wichtig für US-Gas-Unternehmen, deren Interessen Präsident Trump sehr intensiv vorantreibt. Und noch schlimmer wäre es für sie, dass ihre milliardenschweren Verluste gleichzeitig die Gewinne des russischen Konzerns Gazprom wären.

    Zweitens würde Russland für die Wirtschaft der asiatischen Länder den Zugang zur billigen Energie ermöglichen, was für sie ein wichtiger Vorteil im Kontext des Handelskriegs mit den USA wäre.

    Und drittens geht Washington davon aus – und zwar nicht unbegründet –, dass Moskau dank seines Gasexports Europa in vielerlei Hinsicht kontrollieren kann. Es ist ein Alptraum für jeden US-amerikanischen Außenpolitiker, dass es dieselbe Einflusskraft auch in Asien gewinnen könnte.

    Alte Antwort auf neue Probleme

    Was mit all diesen Risiken zu tun ist, weiß in Übersee offenbar niemand. Deshalb werden die USA wohl auf ihr „erprobtes“ Instrument setzen: Sanktionen. Laut der „New York Times“ bereitet Washington beispielsweise ein neues Sanktionspaket gegen China vor – wegen der „Verletzung der Menschenrechte“ im Rahmen des Kampfes gegen den „uigurischen Terrorismus“.

    Andererseits ist ziemlich klar, dass dieses unbesonnene Vorgehen der US- Amerikaner ihre potenziellen Verbündeten zwingen wird, noch stärker die Kooperation mit Russland zu suchen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht mit der der Redaktion übereinstimmen.

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    Tags:
    US-Sanktionen, Flüssiggas, LNG, Fake-News, Medienattacke, Zusammenarbeit, Propaganda, Östliches Wirtschaftsforum, Gazprom, Shinzō Abe, Wladimir Putin, Xi Jinping, Westen, Fernost, Asien, Japan, Südkorea, USA, Russland, China