14:16 24 September 2018
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    der griechische Patriarch Barthomoleos in St. Petersburg (Archiv)

    Krieg gegen Russland – Angriff auf die Orthodoxe Kirche in der Ukraine

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    André Sikojev
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    In den letzten Wochen sind die Spannungen zwischen dem Patriarchat von Russland und der Russischen Orthodoxen Kirche der Ukraine einerseits und dem griechischen Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel in Istanbul andererseits eskaliert.

    Mit der Aussendung zweier „Exarchen“ (bevollmächtigte Gesandte) in die Ukraine „zur Vorbereitung der Autokephalie (Selbstständigkeit) der Orthodoxen Kirche in der Ukraine“ hat sich der griechische Patriarch Barthomoleos mit Sitz in Istanbul volens nolens in die Front jener politischer und finanzieller Kräfte eingereiht, welche seit 1991 die endgültige Zerstörung Russlands einschließlich der Ukraine zum Ziel haben.

    Gegen diesen eklatanten Bruch des orthodoxen Kirchenrechts durch das Patriarchat von Konstantinopel, also der Verletzung der seit zweitausend Jahren geltenden Apostolischen und Konzilsregeln aller weltweit existierenden Kirchen, protestierten sowohl die Kirchenvertreter in Moskau als auch der Ukraine auf das Schärfste.

    Doch offensichtlich hat Patriarch Bartholomeos von den USA ein Angebot bekommen, das er nicht ausschlagen kann.

    Befragt man hochrangige Kirchenvertreter verschiedener orthodoxer Landeskirchen nach möglichen Details dieses transatlantischen Angebots ist die Antwort eindeutig:

    1. Sehr viel Geld – die Rede ist von hohen zweistelligen gar dreistelligen Millionenbeträgen in USD für den Fanar (Ort der Patriarchatsverwaltung in Istanbul).
    2. Diplomatischer Schutz des „Ökumenischen Patriarchats“ vor Kirchenverfolgung und der aggressiven islamistischen Politik Erdogans gegen die Christen in der Türkei einschließlich des Patriarchen und seiner Verwaltung.
    3. Politische Unterstützung der Strategie eines östlichen Cäsaropapismus bei der Durchsetzung von kirchlichen Machtpositionen des Fanars.

    Historischer Hintergrund: Seit 1686 steht die Ukrainische Orthodoxe Kirche unter Hoheit des Patriarchats von Moskau. Das heißt, der Metropolit von Kiew bekommt seine kirchliche kanonische Bestätigung nach der Wahl durch das ukrainische Bischofskonzil. Über 200 Jahre nach der Eroberung von Konstantinopel durch die Türken 1453 und den Untergang des Byzantinischen Reiches war die griechische Kirchenverwaltung faktisch nicht mehr arbeitsfähig und nicht mehr in der Lage, fremde Völker kirchlich zu verwalten. Moskau wurde für die orthodoxe slawische Welt und die geknechteten Völker des Balkans zum „Dritten Rom“.

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    Stets war vor allem die Westukraine (malorus’ oder dt. Kleinrussland) Objekt der Begierde ausländischer Mächte. Polen, Rumänien, Österreich und das Deutsche Reich versuchten über weite Strecken meist unter Einsatz brutalster Gewalt und mittels römisch-katholischer Mission (Prosylitismus) das seit der Taufe der Kiewer Rus unter dem Heiligen Waldimir 998 n. Chr. traditionell orthodoxe Volk unter ihre jeweilige Kontrolle zu bringen. Von der römisch-katholisch finanzierten „Unierten Kirche“ (Union von Brest 1596) bis zum – von keiner einzigen weltweiten Landeskirche anerkannten – „Kiewer Patriarchat“ der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts und anderen Schismen spannt sich der Bogen politischer Einmischung in das ukrainische Kirchenleben. Die „Orangenen“ regime changes in Kiew spülten immer neue politische und nationalistische Opportunisten in die Reihen der Kirchenspalter – das Schisma in der Ukraine vertiefte sich. Zum Leidwesen von Millionen Ukrainern.

    Mit dem Kiewer Putsch von 2014 bekamen die kirchenfeindlichen Kräfte in der Ukraine neuen Aufschwung. Das einzige offizielle orthodoxe Kirchenoberhaupt, der in der Ökumene hochgeachtete sowie vom Volk verehrte und geliebte Mitropolit Onufrij von Kiew und der Ukraine wurde von der Poroschenko-Junta ob seiner Kanonizität und pazifistischen Grundhaltung zum „Moskauer“ Erzfeind stilisiert. Die Angriffe auf Klöster und Gemeinden der Orthodoxen Kirche durch Vertreter des „Kiewer Patriarchats“ und angeheuerten Bandera-Schlägern nahmen zu, ständig kommt es zu Kirchenenteignungen oder Gewalttaten.

    Mit dem Scheitern der Unterwerfung des Donbass 2015 und 2016 benötigten die Kiewer CIA-Herrscher dringend ein neues politisches Propagandaprojekt als Massendroge. Unterstützt werden sie von einer Gruppe ambitionierter ukrainischer Bischöfe um den Mitropoliten Alexander Drabenko, dessen Karrierepläne mit der überwältigenden Wahl S.E. Onufrijs endgültig gescheitert schienen. Diese klassische „5. Kolonne“ der USA innerhalb der Ukrainischen Kirche hatte sich früh über Drabenkos allseits kolportierte Homosexuellen-Lobby mit den Geldquellen der Mafia-Oligarchen vernetzt und früh ihre Kontakte zum Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel geknüpft.

    Mangels eigener Volkskirche und faktisch ohne Kirchenvolk ob der türkischen Besatzung Griechenlands und später der Vertreibung aller Griechen aus der Türkei, in schwieriger Lage ob der Istanbuler Kirchenverfolgung und Repressionen hat das Patriarchat von Konstantinopel früh die Strategie politischer, ökumenistischer und diplomatischer Programmatik gewählt. Schon im 19. Jahrhundert stand die Istanbuler Kirchenverwaltung unter dem Einfluss hochrangiger Freimaurer-„Patriarchen“ und politischer Hasardeure. Mit der Einführung des römisch-katholischen gregorianischen Kirchenkalenders 1924 wurde vordergründig zwar versucht, sich des Schutzes der Westmächte und des Vatikans zu versichern. Im Kern führte dieser „neue“ Kalender jedoch zur ersten großen innerorthodoxen Kirchenspaltung der weltweiten Landeskirchen hinsichtlich der Festabläufe und des Kirchenjahres.

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    Jahrzehntelang litten vor allem die Griechen in der Folge unter großen Kirchenspaltungen und Schismen, da viele der zumeist ungebildeten Gläubigen den Bruch mit der althergebrachten Tradition nicht einzuordnen wussten und nicht selten von fanatischen Bischöfen in die Isolierung geführt wurden. Wie bedeutsam diese Entwicklung war, zeigt der Umstand, dass im Unterschied zu allen griechischen Diözesen, das geistliche Zentrum der Orthodoxie, der Heilige Berg Athos mit seinen 24 Klöstern, bis heute unverbrüchlich am „alten“ julianischen Kalender festhält.

    Mit der Zerstörung der Sowjetunion 1991 und der völkerrechtlich illegitimen Auflösung der GUS 1993 wurde die tausendjährige Einheit der russischen und ukrainischen Völker innerhalb eines gemeinsamen „Vaterlandes“ Russlands nicht mehr durch Grenze und Staat repräsentiert, sondern einzig noch durch einen gemeinsamen Wirtschafts- und Absatzraum, eine gemeinsame Sprache und einen gemeinsamen Glauben. Mit den Orangenen Revolutionen, der Macht der Oligarchen und der Plünderung des Landes erfolgte zuerst die Isolierung des Wirtschaftsraumes mit Hilfe der EU. Parallel erfolgte die Diskriminierung der russischen Sprache. Die berüchtigten antirussischen Sprachgesetze der Kiewer Junta von 2014 sind hinlänglich bekannt. Was wir jetzt erleben ist der seit langem vorbereitete finale Angriff auf die russische orthodoxe Kircheneinheit in der Ukraine. Nicht zufällig machten die von Kiew entsandten „Exarchen“ ihre Karriere in den USA und in Kanada.

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    Die Argumente des griechischen Patriarchen, mit welchen der aktuelle Bruch des Kirchenrechts und der Angriff auf die kirchliche Einheit gegenüber orthodoxen Kirchenvölkern begründet werden, sind formal fadenscheinig wie absurd.

    1. Der Antrag zur Erteilung der Autokephalie (Selbstregierung/Selbstständigkeit“ erfolgte nicht, wie es die Kanones verlangen, durch die einzige legitime und anerkannte Kirche unter Mitropolit Onufrij („Ukrainische Orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats“) sondern durch zwei schismatische und nirgendswo anerkannte religiöse Strukturen – das „Kiewer Patriarchat“ und die „Ukrainische Autokephale Ukrainische Kirche“.
    2. Die Kanoniziät der „Ukrainischen Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats“ (UOK MP) wird gleichzeitig in Frage gestellt, da diese die im 17. Jahrhundert bei der „Übergabe“ an Moskau geforderte Kommemorierung (Gebetsnennung) Konstantinopels nicht eingehalten habe. Damit unterläge diese dem geistlichen Gericht und somit der Nichtkanonizität. Eine böswillige Verdrehung der Realität, da einschließlich der letzten Jahrzehnte alle Patriarchen und Bischöfe des Istanbuler Fanar mit den Bischöfen genau dieser Kirche zelebriert und die Liturgie vollzogen haben. In der orthodoxen Kirchenpraxis bedeutet dies aber die volle rechtliche und kanonische Anerkennung. Ganz zu schweigen von Dutzenden Sendschreiben des Konstantinopeler Patriarchats, welche genau diese Kirche als einzige kanonische und legitim behauptet.

    Aus all dem wird auch dem kirchlichen Laien ersichtlich, dass 330-jährige historische Details nicht Ziel des Anspruchs Konstantinopels darstellen, sondern ausschließlich Mittel zum politischen Zweck sind.

    Der in seine letzte Phase tretende Krieg der USA beziehungsweise ihres „deep state“ gegen Russland, der 1991 im Krieg gegen Jugoslawien begonnen hat, offenbart in der Auseinandersetzung um den Status und den Geist des orthodoxen Kirchenvolks der Ukraine – die Ambitionen einer neoliberalen 5. Kolonne im Kirchenstuhl, die Geldgier ukrainischer Oligarchen und die neo-papistische Ideologie eines von transatlantischen Geldern ernährten,  von fremden Mächten erpressten und machtgierigen Patriarchen.

    Mit Beschluss vom 14.9. hat die Synode der Russischen Orthodoxen Kirche in ihrer außerordentlichen Sitzung in Moskau unter Teilname der Ukrainischen Orthodoxen Kirche | MP  — nach entschiedenen Protesten gegen die groben und schweren kanonischen Verletzungen im Zusammenhang mit der Entsendung von „Exarchen“ seitens des Patriarchats von Konstantinopel nach Kiev und auf das kanonische Territorium der Ukrainischen und Russischen Orthodoxen Kirche – entschieden:

    • die Gebetskommemorierung des Patriarchen von Konstantinopel Bartholomäus einzustellen
    • die Konzelebration mit dem Patriarchen von Konstantinopel Bartholomäus einzustellen
    • die Teilnahme der ROK an allen Bischofsversammlungen, theologischen Dialogen, zahlreichen Kommissionen und anderen Strukturen, bei welcher Vertreter des Patriarchats von Konstantinopel den Vorsitz führen oder mit führen, einzustellen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht mit der der Redaktion übereinstimmen.

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    Tags:
    Patriarchat, Homosexuelle, Spaltung, Lobbyismus, Mafia, Spannungen, Zerstörung, Kirche, Ukrainisch-Orthodoxe-Kirche, Russisch-orthodoxe Kirche, Vatikan, USA, Russland, Ukraine