14:30 13 Dezember 2018
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    UN-Botschafterin der Vereinigten Staaten Nikki Haley (l.) bei der Sitzung zum Nordkoreas Atomprogramm

    Wie Russland die Waffen des Informationskriegs zerstört

    © AP Photo / Richard Drew
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    Irina Alksnis
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    An der jüngst verbreiteten und sofort dementierten „Fake-Nachricht“, die US-Botschafterin in der Uno, Nikki Haley, hätte Russland beschuldigt, mit dem Mord am Bruder von Nordkoreas Staatschef Kim Jong-un etwas zu tun gehabt zu haben, ist besonders kennzeichnend für den Umstand, dass sich in Russland darüber niemand wunderte.

    Vor dem Hintergrund all der Vorwürfe des Westens gegen Moskau in den vergangenen Jahren hinterließ die Behauptung, Kim Jong-nam wäre ebenfalls ein „Opfer des Kremls“, kaum Eindruck. Das Dementi, Haleys Äußerungen wären von Journalisten falsch interpretiert worden, war sogar in einem gewissen Sinne enttäuschend.

    Doch es bestehen keine Zweifel daran, dass Moskaus westliche Partner den Russen noch viele Anlässe für Scherze und Witze geben werden. 

    Der gescheiterte Skandal zwingt neben der gestrigen „Top-Nachricht“ (einem Briefing im russischen Verteidigungsministerium, auf dem neue Dokumente zum MH17-Absturz im ukrainischen Gebiet Donezk im Sommer 2014 präsentiert wurden) zum Nachdenken über die Sackgasse, in die der „globale Informationskrieg“ inzwischen geraten ist.

    Russland scherzt über die Vorwürfe in seine Richtung nicht nur, weil diese in der Tat lächerlich und bisweilen völlig absurd sind. Das Hauptproblem besteht darin, dass die Versuche, gewisse Ereignisse der letzten Zeit ernst zu nehmen, einfach sinnlos sind.

    Im April präsentierte Moskau absolut überzeugende Beweise dafür, dass die sogenannten „Weißhelme“ den „Giftgasangriff“ der Assad-Kräfte in Duma inszeniert hatten. Ins OPCW-Hauptquartier in Den Haag wurden sogar mehrere Augenzeugen gebracht, die Aussagen über die „Dreharbeiten“ zum entsprechenden Video machten. Doch dies blieb nahezu wirkungslos.

    Die „zivilisierte Welt“, vertreten durch Politiker und Massenmedien, hat all das einfach ignoriert und ist bei ihrer alten (ehrlich gesagt völlig ruinierten) Position geblieben, die aus Sicht des gesunden Menschenverstands als Schwachsinn erscheint bzw. erschien.

    In der normalen Welt, die es früher gab, hätten die vom russischen Verteidigungsministerium dargestellten Fakten einen „Bombeneffekt“ gehabt. Aber in Russland haben die Menschen schon ihre traurigen Erfahrungen gemacht und deshalb keine besonderen diesbezüglichen Illusionen. Die meisten Russen sind überzeugt, dass die vorgelegten Dokumente im Westen abermals ignoriert werden, während die Ermittlungskommission in den Niederlanden weiterhin Moskaus Schuld an der MH17-Tragödie aus den Fingern saugen wird.

    Das ruft wiederum die durchaus logische Frage hervor: Hat es überhaupt einen Sinn, weiter zu versuchen, jemandem etwas zu beweisen? Denn den Kräften, die Russland unterstützen, genügt sein Wort, dass es mit diesen oder jenen Exzessen nichts zu tun hat. Und Moskaus Gegner weigern sich, selbst absolut überzeugende Argumente und Beweise für seine Schuldlosigkeit zu akzeptieren. Mehr noch: Sie zeigen ihre Doppelmoral und Scheinheiligkeit, indem sie einerseits ständig von „Verbrechen des Kreml“ reden, andererseits aber das Zusammenwirken mit ihm ausbauen.

    Eingang in den Hamburger Standort der Bild-Zeitung (Archivbild)
    © AP Photo / Oliver Fantitsch
    Warum also sollte Moskau seine Kräfte und Ressourcen vergeuden, damit die einen am Ende mit den Achseln zucken und sagen: „Nicht schlecht, aber wir waren ohnehin davon überzeugt“, und die anderen so tun, als wäre nichts passiert?

    Die Antwort ist aber (auch wenn das allzu pathetisch klingen mag), dass Russlands Bemühungen, seine Worte mit konkreten Dokumenten zu beweisen, nötig sind, damit die Welt Chancen auf mehr Gerechtigkeit und eine faire Umgestaltung bekommt.

    Wir leben immerhin in Zeiten, in denen der Witz, dass „Gentlemen einem aufs Wort glauben“, quasi buchstäblich ins Leben umgesetzt wurde – von „höchstwahrscheinlich“ bis zu „Wir haben Beweise, zeigen sie aber nicht“.

    In diesem System wäre die Entstehung einer Kraft, die sich bei ihrem Vorgehen nicht nur an aktuelle Zwecke, sondern an die guten alten Regeln aus Zeiten orientiert, als es angebracht war, sich für die eigenen Worte zu verantworten, einfach nützlich für die Gesundung der politischen Atmosphäre in der Welt.

    Die Menschen, die Russland unterstützen (egal ob innerhalb oder außerhalb des Landes), können gelassen sagen: „Wir waren auch ohne jegliche Dokumente davon überzeugt“ – und zwar gerade deshalb, weil entsprechende Beweise jedes Mal vorgelegt wurden und Moskaus Position bestätigten. Für die ganze restliche Welt wäre es nützlich, das Beispiel einer Großmacht zu sehen, die ihre Gesellschaft und ihre Anhänger weltweit nicht für eine dumme und amorphe Masse hält, die jeder absurden Behauptung glaubt, ohne daran zu denken, dass es dafür keine Beweise gibt. Und schließlich geht es bei der „restlichen Welt“ nicht nur um den Westen.

    Dessen Überzeugung von der Allmacht seiner von den Medien vorangetriebenen Illusionen ist verständlich: Dieses Denken der Allmacht wurde in den vergangenen Jahrzehnten schlicht viel zu häufig bestätigt.

    Aber die Realität hat auch eine unangenehme Besonderheit: Früher oder später kommt die Wahrheit doch heraus.

    Und dann befindet sich derjenige in einer vorteilhaften Position, der genau weiß, dass man seine Worte mit richtigen Beweisen untermauert – und nicht mit Präsentationen, die sich auf die Meinung von Experten berufen, die ihrerseits auf die in diesen Präsentationen enthaltenen Angaben hinweisen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht mit der der Redaktion übereinstimmen.

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    Tags:
    Informationskrieg, Medienattacke, Russophobie, Fake-News, MH17-Absturz, Verteidigungsministerium Russlands, UN, Nikki Haley, Donezk, Westen, Ostukraine, Donbass, Ukraine, Russland, Nordkorea, USA