12:15 17 Oktober 2018
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    US-Präsident Donald Trump bei der Sitzung des UN-Sicherheitsrates in New York

    So fand ein Imperium sein Ende: Trump blamiert sich vor UNO

    © REUTERS / Carlos Barria
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    Iwan Danilow
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    Das amerikanische Imperium, genauso wie einst das britische, hatte schon immer ein gutes Gespür für PR und konnte anderen zu verstehen geben, dass sie gegenüber Amerika eine Mischung aus Angst, Respekt, Neid und Liebe empfinden sollten. Das war das Unterpfand des Überlebens für den globalen Hegemon.

    Aber jedes Imperium, selbst am Ende seiner glorreichen Zeit, kann sich dank einer Art „emotionales Doping“ noch eine Weile über Wasser halten, indem es sich vor der Außenwelt zusammenreißt, die sich zu ihm nicht mehr mit Respekt und Neid verhält, sondern es eher hasst.

    Was aber kein einziges Imperium überleben kann, ist das höhnische Gelächter der anderen ihm gegenüber.

    Um ein Imperium zu töten, muss es für den Anfang mächtig verschmäht werden, und die Bürger der einstigen Sowjetunion wissen das zu gut aus ihrer eigenen Erfahrung. Die jüngste Rede des US-Präsidenten Donald Trump bei der UN-Vollversammlung in New York wurde zu einem klaren Zeichen dafür, dass die Welt sein Land nicht mehr respektiert, sondern sich über sein Land lustig macht.

    Als Trump stolz die historischen Erfolge seiner Administration beschrieb und behauptete, er hätte im Laufe nur eines Jahres die Errungenschaften „praktisch eines jeden“  seiner Vorgänger in der ganzen Geschichte übertrumpft, lachten fast alle Teilnehmer der Generalversammlung. Das Lachen wurde ganz kurz durch höhnischen Beifall unterbrochen – und dann wurde wieder gelacht. Dass dies Hohn war, steht außer Zweifel, und dafür gibt es einen indirekten Beweis: Der TV-Sender Fox News, der Trump gegenüber mehr als loyal ist und die Sitzung in sozialen Netzwerken übertrug, hat seine Rede so zusammengefasst, dass das Gelächter möglichst nicht zu hören war.

    Um zu verstehen, wie negativ gegenüber den USA die Atmosphäre im Sitzungssaal war, genügt es, ein Bild in den sozialen Netzwerken zu sehen, auf dem die Mitglieder der deutschen Delegation in jenem Moment zu sehen sind, als Trump die Bundesrepublik für ihre Abhängigkeit vom russischen Erdgas kritisierte.  Die deutschen Diplomaten lachten und sahen gar nicht so aus, als hätten sie Angst vor den Drohungen des US-Staatschefs.

    Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, hat die Schlüsselmomente der Trump-Rede zusammengefasst: Er habe vor allem zwei Themen hervorgehoben – die Notwendigkeit der Verteidigung der eigenen Souveränität und die Alternativlosigkeit für die Verteidigung der nationalen Interessen.

    „Auffallend ist, dass dies nicht nur für die USA, sondern auch für alle Länder der Welt galt. Russland wollte er dabei aber nicht erwähnen und sagte lediglich, Deutschland sollte sich unverzüglich nach anderen Möglichkeiten in der Energiewirtschaft umorientieren, denn sonst würde es von Russland abhängen. Und bei diesen Worten kicherte die deutsche Delegation.“

    Aber natürlich kicherten die deutschen Diplomaten, denn Trump gießt selbst Öl ins Feuer des transatlantischen Konflikts und gibt den Vertretern des europäischen Establishments, die von der Notwendigkeit der Wiederherstellung der europäischen Souveränität reden, immer neue Argumente.

    Aus durchaus verständlichen Gründen sehen die Amerikaner dort, wo alle normalen Menschen und die Anhänger des Projekts Nord Stream 2 einen Anlass für Freude sehen, einen Anlass, traurig zu sein, und werden deprimiert.

    Die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg beschrieb den Hauptgrund für diese Melancholie wie folgt:

    „Die früheren US-Präsidenten beteiligten sich an der Arbeit der UNO, damit Amerika die ganze Welt prägt. Trump aber betrachtet das internationale System als Instrument, mit dem die Welt Amerika eindämmt.“

    Es ist offensichtlich, dass in den USA viele diese Position als Defätismus betrachten und generell sehr gefährlich finden, denn sie sieht im schlimmsten Fall die Zerstörung des Völkerrechtssystems (und internationaler Organisationen) vor, um dessen Etablierung die amerikanischen Eliten sich in den letzten 70 Jahren bemühten.

    Trumps Doktrin sieht mindestens den Austritt der USA aus allen diesen Strukturen vor. Das bedeutet, dass diese Instrumente in die Hände der Opponenten Amerikas geraten werden. Man braucht sich nur an einige diplomatische Zwischenfälle der letzten Zeit erinnern: an den Ausstieg der USA aus dem UN-Menschenrechtsrat, an Trumps Drohungen, die WTO zu verlassen und Sanktionen gegen den Strafgerichtshof in Den Haag (!!!) zu verhängen, und sogar an den Verlust der Kontrolle über die internationale Anti-Doping-Agentur (WADA), die die russische Anti-Doping-Agentur „begnadigt“ hat. Dabei muss man sagen, dass Amerikas Gegner von Trumps Vorgehen durchaus profitieren, und er kann sich darum bemühen, Amerika „wieder groß zu machen“, aber am Ende wird er die „Entglobalisierung“ nicht erreichen, sondern das Gegenteil: die Globalisierung nach der Formel „alle gegen die USA“.

    Der Gerechtigkeit halber muss man sagen (und die Bloomberg-Reporter haben das nicht übersehen), dass Trump – jedenfalls in Worten – immer noch Anhänger der antiglobalistischen Ideologie bleibt. Bei der UN-Vollversammlung sprach er von der Notwendigkeit, „das Recht jeder Nation, die in diesem Saal vertreten ist, zu respektieren, ihren eigenen Gewohnheiten, ihrem Glauben und ihren Traditionen zu folgen“. Auch beteuerte er, dass „die USA Ihnen nicht sagen werden, wie Sie zu leben, zu arbeiten und den Gott anzubeten haben“. Er forderte die Spitzenpolitiker anderer Länder auf, „ihre Länder wieder groß zu machen“. Das klingt ganz schön – aber nur bis zu dem Moment, wo es um Russlands Absicht geht, sein Gas an Deutschland zu verkaufen, was den Interessen amerikanischer Unternehmen widerspricht. Und doppelt so lustig klangen Trumps Worte, Washington würde anderen diese oder jene religiösen Ansichten nicht aufzuzwingen, vor dem Hintergrund der offensichtlichen Bemühungen des US-Außenministeriums um die kirchliche Spaltung in der Ukraine.

    Die Liste der Unstimmigkeiten zwischen den noblen Thesen des Antiglobalisten Trump und den wahren Taten seiner Administration ließe sich noch lange fortsetzen. Und das ist eben einer der Gründe, warum er ausgelacht wird. Es stellt sich ja heraus, dass der Kaiser nicht nur nackt ist, sondern nackt und dabei abhängig vom „Staat im Staate“, dessen Abriss er feierlich versprochen hatte. Das heißt nicht, dass Trump keine Chancen hat, irgendwann eine wirklich unabhängige Politik ausüben zu können oder „Amerika wieder groß zu machen“. Die Chancen dafür gibt es schon – aber es wird ihm kaum noch gelingen, seine Autorität und den Respekt seiner Opponenten zurückzugewinnen. Trump macht gute Miene zum bösen Spiel – macht aber seine Position dadurch nur noch schlimmer. 

    Solche Märchen haben normalerweise kein Happyend. Eben deshalb sind amerikanische Journalisten so traurig: Pax Americana wird bald Vergangenheit sein – vor dem Hintergrund des Gelächters der Diplomaten und Politiker aus aller Welt.

    * Die Meinung des Autors muss nicht mit der der Redaktion übereinstimmen.

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    Tags:
    Pleite, Geopolitik, Rede, Auftritt, Uno, Außenministerium Russlands, Ukrainisch-Orthodoxe-Kirche, US-State Department, US-Außenministerium, Fox News, Weißes Haus, UN, Maria Sacharowa, Donald Trump, Deutschland, USA