02:06 21 Oktober 2018
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    US-Präsident Donald Trump

    Amerika verschwendet Milliarden für PR – und loost voll ab

    © REUTERS / Jonathan Ernst
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    Iwan Danilow
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    Dass Trump in aller Welt an Vertrauen verliert, überrascht niemanden. Dass aber Amerikas Glanzfassade bröckelt, macht manchen stutzig und sogar zornig. Ein wichtiges Umfrageinstitut aus den USA hat kürzlich sehr ernüchternde Erkenntnisse dazu präsentiert, wie es um das Ansehen der USA in aller Welt bestellt ist.

    Ein Alleinherrscher will nicht nur gefürchtet, er will auch geliebt oder besser noch beneidet werden. Das ist nämlich die beste Voraussetzung dafür, dass die Untertanen sich selbst disziplinieren und brav ihren Tribut zollen, mit aufrichtiger Freude und einer zutiefst empfundenen geistigen Befriedigung.

    Eben aus dem Bewusstsein für die Bedeutung des eigenen Ansehens und für die Wirkung der Soft-Power heraus erforscht unser transatlantischer Partner seit Jahren, wie die Menschen in aller Herren Ländern den USA, ihren Politikern und auch ihren Gegnern gegenüber eingestellt sind.

    Diese mit mehreren Millionen finanzierten Studien werden vom Pew Research Center durchgeführt, einem der einflussreichsten Meinungsforschungsinstitute in den Vereinigten Staaten. Über 25.000 Teilnehmer werden dabei befragt.

    Die Studien des Pew Research Center gelten als das Maß aller soziologischen Dinge – sie werden nicht hinterfragt. Und gerade weil die Erkenntnisse dieser Einrichtung als unumstößlich gelten, haben die jüngsten Umfrageergebnisse des renommierten Meinungsforschungszentrums in den US-Medien eine Welle von Enttäuschung und Empörung ausgelöst.

    Denn das Pew Research Center hat ermittelt, dass man Präsident Putin in der Welt mehr vertraut als dem Anführer der „freien Welt“ Donald Trump. Der US-Präsident steht sogar noch hinter dem chinesischen Staatschef Xi Jinping, was das Vertrauen anbelangt.

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    Doch damit nicht genug: Die Daten wurden in Ländern erhoben, in denen die Vereinigten Staaten traditionell mehr Anhänger haben als Russland oder China. Das heißt, unsympathischer wird Washington bei den „wichtigsten Verbündeten der USA“, erklärt das Pew Research Center.

    Aber auch das ist noch nicht alles. Circa 70 Prozent aller Befragten in aller Welt finden, die Vereinigten Staaten lassen sich in der Außenpolitik ausschließlich vom Eigennutz leiten, ohne die Interessen anderer Länder zu berücksichtigen.

    Das Bild einer „Shining city upon a hill“ – einer Lichtgestalt, die sich aus purem Idealismus nur für Menschenrechte engagiert –, dieses Bild ist verblasst, verkümmert und verkommen. Den US-Experten macht das zu schaffen.

    Schließlich wurden Milliarden investiert, damit die Welt die Vereinigten Staaten nicht nur als einen globalen, sondern als einen guten globalen Polizisten wahrnimmt. Die besten Köpfe – vom Botschafter bis zum Drehbuchautor in Hollywood – haben Millionen Arbeitsstunden dafür aufgebracht, dass Kinder von Bogota bis Peking fest daran glauben, ein US-Soldat sei ihr bester Freund.

    Einen kleinen Trost haben die Spezialisten vom Pew Research Center für Washington aber gefunden: Viele von denen, die die US-Außenpolitik als egoistisch einstufen, halten die Vereinigten Staaten im Vergleich zu China für das kleinere Übel.

    Es könnte jedoch sein, dass diese Erkenntnis nur zeitweilig von Bedeutung ist. Denn die Beliebtheitswerte der USA fallen im Rekordtempo, vor allem in Europa.

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    Unsere transatlantischen Partner haben sich an den Zustand gewöhnt, dass das positive Bild der USA unerschütterlich ist. Selbst Dummheiten oder gar offene Verbrechen, von US-Präsidenten und Regierungsbeamten begangen, konnten daran nichts ändern.

    Jetzt zeigt sich, dass dem so nicht ist. Ungefähr seit der US-Invasion im Irak verschlechtert sich die Einstellung der Menschen in aller Welt zu den Vereinigten Staaten. Der Schock und die Wut der US-Experten, die durch die Erkenntnisse des Pew Research Center ausgelöst wurden, sind insofern nicht überraschend.

    In die Diskreditierung Russlands und insbesondere Wladimir Putins sind enorme Mittel investiert worden. Um ein negatives Russland-Bild zu schaffen, ist – das können alle sehen – die gesamte Propagandamaschinerie nicht nur der USA, sondern der ganzen westlichen Welt mobilisiert worden.

    Und jetzt das: Putin und Xi wird mehr vertraut als Trump. Dabei hat man sich wirklich Mühe gegeben, zu vermitteln, Amerika sei immer noch cool, wenn man nur seinen Präsidenten außer Acht lasse.

    Amerikas Soft-Power hat sichtlich geloost, doch die Meinungsforscher haben noch ein Ass im Ärmel. In vielen Ländern, die sie untersucht haben, stellen sie eine große Kluft zwischen der allgemeinen Einstellung zu den USA und der Einstellung der jeweiligen Jugend zu den USA fest. Und Russland heben sie dabei ganz besonders hervor.

    Vulgo: Je weniger konkrete Lebenserfahrung die Menschen haben und je mehr Netflix-Schablonen in ihren Köpfen sitzen, desto höher ist deren Vertrauen und positive Einstellung gegenüber den Vereinigten Staaten.

    Die Herzen und Köpfe junger Menschen zu erobern, ist eine nach wie vor aktuelle Aufgabe, die niemand lösen wird, außer uns selbst. Man muss sich sehr anstrengen, damit in Russland keine Generation mit einem Hollywood-Hirn statt eines eigenen Kopfs heranwächst, weil sonst alle militärischen und wirtschaftlichen Erfolge sinnlos werden.

    Es ist übrigens schon viel geholfen, wenn man die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholt. Dann werden unsere amerikanischen Opponenten immer und immer wieder von Umfrageergebnissen des Pew Research Centers überrascht und enttäuscht werden.

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    Tags:
    Ausgaben, PR, Vertrauen, negative Wirkung, Wladimir Putin, Xi Jinping, Donald Trump, USA