12:38 11 Dezember 2018
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    Raketenbehälter des S-400-Luftabwehrsystems

    Weltpolitik im Umbruch: Trotz US-Drohungen kauft Indien russische Raketen

    © Sputnik / Artem Schitnew
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    Dmitri Kosyrew
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    Russland und Indien haben während des Besuchs von Wladimir Putin in Neu-Delhi einen Vertrag über die Lieferung von S-400-Luftabwehrsystemen unterzeichnet, wie der Sprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, mitteilte.

    Dieser Deal war anscheinend geplant und zuvor von vielen Quellen in Indien bestätigt worden, jedoch nicht auf höchster Ebene. Neu-Delhi hat offenbar alles dafür getan, dass das Zustandekommen des Rüstungsvertrags mit Russland während Putins Besuch im Vorfeld geheim gehalten wurde, um unangenehmen Fragen aus dem Weg zu gehen. Es ist nicht einfach ein großer bilateraler Deal (5,43 Mrd. Dollar), sondern die Festigung eines neuen Kräfteverhältnisses zwischen den größten Mächten für mehrere Jahrzehnte, eine globale Trendwende.

    Seit Freitag gibt es in der Welt nun vier führende Mächte – USA, China, Russland und Indien. Indien schließt sich dabei keinem der drei anderen Mächte an und behielt das Recht auf die eigene Position.

    Dass Indien und Premier Narendra Modi gerade diese Rolle anstreben und über entsprechend viele wirtschaftliche und andere Möglichkeiten verfügen, ist seit langem bekannt. Doch Wünsche sind eine Sache, Ziele eine andere.

    In den vergangenen Monaten wurde hoch gepokert. Die USA üben maximalen Druck – am Rande eines totalen Krieges – auf zwei der drei genannten Hauptmächte aus. Über einen Hybrid-Krieg zwischen Russland und China wurde schon viel gesagt. Doch die USA wollten sich mit Indien gegen Moskau und Peking verbünden — was sich schwierig gestaltete. Faktisch alle Administrationen in Washington hatten sich zum Ziel gesetzt, Indien als Bündnispartner zu gewinnen.

    In einigen politologischen Kreisen gab es Hoffnungen auf eine trilaterale Allianz, die die allmächtigen USA abschreckt. Es war eine ziemlich vernünftige und funktionierende Idee, als die USA nach ihrem gesamten Gewicht (Wirtschaft plus Militärstärke und Soft Power) mit den drei anderen zusammen vergleichbar waren.

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    Nach Putins Indien-Besuch hat sich dieses Kräfteverhältnis verschoben. Jeder der “Großen Vier” avancierte zu einer ziemlich mächtigen und selbstständigen Kraft. Bei China war dies schon seit langem der Fall, doch bei Indien – ein neutrales Land, das sich auch mal verweigern konnte —  ist dies eine große Überraschung.

    Einer der vielen Gründe, warum Neu-Delhi die S-400-Komplexe so dringend braucht, war, dass auch Peking sie bei Moskau kauft. Indien ist wirtschaftlich schwächer als China, doch will es auf einer Stufe in punkto strategische Sicherheit stehen. Wie wir sehen, muss Russland mit wirklichen Partnern mit eigener Meinung umzugehen wissen. Für Russland ist das kein Problem. Auch BRICS basiert auf Vereinbarungen und ist keine Vereinigung mit strikter Bündnispflicht.

    Wie hat Indien das geschafft? Die USA haben sich im Grunde selbst ins Abseits manövriert. Seit Juli dieses Jahres ist in den USA das Gesetzespaket CAATSA in Kraft – Widerstand gegen Rivalen durch Sanktionen. Demnach soll jeder (Staat, Unternehmen bzw. Bank), der mit Russland sowie dem Iran und Nordkorea militärisch kooperiert, mit Strafmaßnahmen belegt werden.

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    Doch der Präsident kann Ausnahmen erlauben. Beim jüngsten Treffen der Verteidigungs- und Außenminister in Neu-Delhi forderten die Inder die Amerikaner dazu auf, eine Ausnahme zu machen. Das Argument: Denn wir sind doch Indien – eine Macht, die größer als das alles ist.

    Die USA antworteten, dass für Neu-Delhi nicht von Vorteil sein werde, besonders vor den Wahlen 2019, ohne die geplanten US-Rüstungslieferungen im Wert von rund 18 Mrd. Dollar zu bleiben. Alle Rüstungsdeals zwischen Moskau und Neu-Delhi, die während des jetzigen Putin-Besuchs unterzeichnet und erörtert wurden, werden auf zehn bis zwölf Mrd. Dollar geschätzt. In Washington ging es wohl um die Frage, ob Neu-Delhi es riskiert, einen Partner wie die USA verlieren zu wollen. Die Inder stellten die Gegenfrage: Wollen die Amerikaner unsere Aufträge im Wert von 18 Mrd. Dollar und einen Partner wie Indien verlieren? Und das vor den schicksalhaften Wahlen im November? Apropos Wahlen – der indische Wähler würde die Verwandlung eines großen Indiens in einen kleinen, abhängigen Partner der USA bzw. jedes anderen Landes nicht schätzen.

    Indien hält anscheinend an seiner hartnäckigen Position fest, obwohl es wohl noch Druck gegen den Kauf der S-400-Systeme geben wird.

    Ein Faktor, der dabei half, ist das iranische Öl. Indien traf bei diesem Thema wohl dieselbe Wahl wie bei den russischen S-400-Systemen — trotz Drohungen der USA, dass gegen jeden Sanktionen verhängt werden, der beim Iran Öl und Gas kauft. Doch ohne iranische Energieträger würde die indische Wirtschaft große Versorgungsengpässe haben. Deswegen wies Indien auch dieses Ultimatum zurück. Und noch ein interessanter Aspekt – Dokumente über den Bau einer Pipeline aus dem Iran nach Indien wurden vor wenigen Tagen von russischen Unternehmen unterzeichnet.

    Die USA halten sich stets an das allseits bekannte Prinzip: „Wenn sie nicht mit uns sind, dann sind sie gegen uns“. Mit dem Indien-Besuch Putins zeigte Indien, dass ein solches Herangehen mit Neu-Delhi nicht funktioniert.

    Der Besuch des russischen Präsidenten in Indien ist auch wegen vieler weiterer Themen interessant – militärisch und wirtschaftlich. Dabei geht es um Hubschrauber Kamow, Panzer Armata, neue Kooperationen in den Bereichen Banken und Finanzen. Indische Experten sprachen von einem langersehnten Neustart der Beziehungen zwischen Moskau und Neu-Delhi. Doch gleichzeitig wurde auch die ganze Welt neu gestartet.

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    Tags:
    Bau, Pipeline, Öl, Lieferungen, Rüstung, Hoffnung, Raketenabwehrsystem S-400, Narendra Modi, Iran, China, USA, Indien, Russland