18:21 22 Oktober 2018
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    Erdölraffinerie, Russland

    Saudischer Prinz und Trump-Berater lüften „Putins schreckliches Geheimnis”

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    Iwan Danilow
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    Welch ein bemerkenswerter Zufall: Der saudische Prinz Mohammed al-Saud und der Wirtschaftsberater des US-Präsidenten Donald Trump, Larry Kudlow, haben mit einem zeitlichen Abstand von zwei Tagen in ihren Äußerungen die Aussichten der russischen Wirtschaft und die Zukunft Russlands als Energie-Supermacht schwarzgemalt.

    Prinz al-Saud sagte, dass Russland vom internationalen Ölmarkt verschwinden werde. Kudlow äußerte, dass die USA auf ihrem Weg zur stärksten Energiemacht Russland herausfordern und es vom europäischen Energiemarkt verdrängen müssten. Und obwohl der saudische Prinz und der US-Präsidentenberater verschiedene Ziele verfolgen, zeigte sich der antirussische Narrativ als ziemlich eingespielt. Er besteht aus zwei sich gegenseitig stützenden Thesen: Erstens würde in Russland in absehbarer Zukunft das Öl zur Neige gehen. Zweitens würden Russlands Platz auf dem globalen Energiemarkt bald andere Akteure einnehmen. Dennoch gehen die Visionen Kudlows und al-Sauds auseinander. Denn der Amerikaner ist der Meinung, dass der dominierende Akteur die USA sein würden. Der saudische Prinz würde dem US-Präsidentenberater wegen der unterschiedlichen Positionen zu den Aussichten der US-Schiefergasrevolution wohl kaum zustimmen.

    Beide Äußerungen sorgten für ziemlich großen Wirbel unter einem Teil der russischen Medien-, politischen und Experten-Gemeinschaft. Eine Erklärung dafür ist die allgemein bekannte Theorie, dass Russland nach Versiegen der Ölvorkommen sofort proamerikanische „Maidan”-Proteste erwarten würden. Jene, die von einem baldigen Ende der „Putinschen Machtvertikale“ träumen, würde sowohl die Bewahrheitung der Prognose des Prinzen al-Sauds über das Verschwinden Russlands vom Ölmarkt wegen der rückläufigen Fördermengen, als auch die Bewahrheitung des Szenarios Kudlows passen. Diese Menschen wollen an dem Glauben festhalten, dass Russlands schreckliches Geheimnis gelüftet wurde und sich demnächst zusammen mit den Ölressourcen auch die Hoffnungen auf die Aufrechterhaltung des geopolitischen Kurses und politische Ordnung Russlands zerstreuen.

    Doch man muss jene enttäuschen, die von einem Ende Russlands als Energie-Supermacht träumen. Das wahrscheinlichste Szenario der Entwicklung des russischen Öl- und Gasgeschäfts kann mit der bekannten Putin-Phrase beschrieben werden: „Da könnt ihr lange warten“.

    Wenn man die Äußerung des arabischen Prinzen mit den Förderzahlen vergleicht, kann man zu einer logischen Erklärung seiner Position kommen. Beruft man sich auf die BP-Angaben vom Jahr 2015 über die nachgewiesenen russischen Ölvorräte und vergleicht sie mit den aktuellen Fördermengen, kann man, wie Prinz Mohammed, von 19 bis 20 Jahren sprechen.

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    Vielleicht kam er auch auf anderen Wegen zu diesen Zahlen. Jedenfalls ist es eine sehr mutige und äußerst unrealistische Vermutung –  denn sie gründet auf der Mutmaßung, dass Russland ab morgen nirgendwo mehr Öl entdeckt und auf dem jetzigen Niveau der Fördertechnologien bleibt, die keinen Zugang zu Vorräten ermöglichen, deren Erschließung derzeit unmöglich beziehungsweise wirtschaftlich unzweckmäßig ist. Dieses apokalyptische Szenario kann nicht als wahrscheinlich angesehen werden, insbesondere angesichts der Aussichten der russischen Förderprojekte in der Arktis und in Sibirien. Dass diese Vorkommen immense Fördermengen versprechen, beweisen allein die heiß geführten Diskussionen unter amerikanischen und kanadischen Experten darüber, wie man Russland sein Arktis-Eigentum abspenstig machen kann.

    Ein paar Worte zur Motivation der Erklärungen des saudischen Prinzen. Man kann kaum  glauben, dass al-Saud nicht begreift, inwieweit sie umstritten sind. Sie fielen fast zeitlich mit einem interessanten Beschluss der saudischen Behörden zusammen, die offiziell verkündeten, dass der saudische Staatsölkonzern Aramco 2021 an die Börse geht. Riad ist also sehr daran interessiert, den Verkaufspreis der Aktien maximal in die Höhe zu treiben. In diesem Kontext wird deutlich, dass Prinz Mohammed einfach versuchte, die Aktien des Konzerns Aramco als zuverlässige und aussichtsreiche Investition anzupreisen.

    Bei den Prognosen von Trumps Wirtschaftsberater geht es um etwas anderes. Russland muss damit rechnen, dass die USA mit rabiaten Methoden versuchen werden, es vom Energiemarkt zu verdrängen. Kudlow äußerte auf Hill TV: „Wir brauchen eine Infrastruktur… Wir müssen Gas nach Europa liefern und die russische Hegemonie bei Erdgas und Flüssiggas herausfordern. Wir können das. Wir müssen uns auf den Energiesektor konzentrieren“. In demselben Interview hob er hervor, dass die USA bereits eine Energie-Supermacht seien und die Vereinigten Staaten demnächst 15 Millionen Barrel Öl pro Tag fördern könnten. Das bedeutet, dass die USA Saudi-Arabien und Russland überholen.

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    Zwei Aspekte sollte man hervorheben – Trumps Berater räumte indirekt ein, dass die US-Erklärungen zur Energieunabhängigkeit Europas und dem Wunsch, für die Ukraine als Transitland zu kämpfen, eine Lüge seien. Die USA sind an einem Ersatz russischen Gases mit US-Flüssiggas interessiert.

    Zudem gestand Kudlow ein Verbrechen, das US-Beamte der russischen Führung vorwerfen – die Nutzung der Energieträger als geopolitische Waffe. Russlands Außenministerium sollte sich bei Trumps Berater für seine Offenheit bedanken, die Moskaus europäische Partner bei der Energiekooperation schätzen.

    In der Praxis gibt es bei Kudlows Szenario zwei große Probleme. Trotz  US-Drucks auf die EU wird die Nord-Stream-2-Pipeline gebaut. Laut Gazprom wurden die Investitionen in das Vorhaben nahezu bereits zu 70 Prozent finanziert. Das Projekt jetzt noch zu stoppen, wird sehr schwer sein. Bei Bedarf kann Russland die Pipeline auf eigene Kosten fertigbauen. Der Versuch, die Europäer zum Kauf des teureren US-Flüssiggases zu zwingen, ist im Kontext des Handelskriegs zwischen den USA und der EU beinahe zum Scheitern verurteilt. Zudem gibt es Probleme, die mit dem von EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker angekündigten Kurs der Entdollarisierung zusammenhängen. Bezüglich der Prognosen über eine Erhöhung der US-Förderung auf 15 Millionen Barrel pro Tag, gab selbst das US-Energieministerium diese Zahlen in dem optimistischsten von drei Szenarien an. In den anderen würde die US-Fördermenge deutlich geringer ausfallen oder sogar in zwölf bis 15 Jahren sinken.

    Selbst bei anders lautenden offiziellen US-Angaben stellt Kudlow das Gewünschte als Realität dar. Seine Vorschläge zur Verdrängung Russlands vom globalen Energiemarkt entsprechen nicht der Realität auf dem Markt, in der das russische Flüssiggas, hergestellt im Rahmen des arktischen Projekts (die Amerikaner versuchten, es mit Sanktionen zu ruinieren), sich gerade in die USA begab.

    Russland ist eine Energie-Supermacht. Dass einige US-Beamte vom Verschwinden Russlands vom Markt träumen, bestätigt erneut die Bedeutung der russischen Präsenz auf den wichtigsten Energiemärkten der Welt. Eine Verdrängung Moskaus wird nicht gelingen.

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    Tags:
    Energie, Öl, Nord Stream 2, Maidan, Larry Kudlow, Mohammed bin Salman al-Saud, Donald Trump, Wladimir Putin, Saudi-Arabien, Arktis, USA, Russland, Ukraine