20:45 16 Oktober 2018
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    „Verfolgte Minderheit“: Privilegierte Klasse, die alles darf

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    Viktor Marachowski
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    Zuallererst Nachrichten über Russland. Der Europäische Auswärtige Dienst hat scharfe Kritik an Moskau wegen Völkerrechtsverletzungen geübt. Laut der EU verweigerte Russland dem Häftling Oleg Senzow der Strafkolonie „Eisbär“ die benötigte medizinische Behandlung während seines 145 Tage langen Hungerstreiks.

    Was ist an dieser Sache bemerkenswert? In den Medien wird Senzow beharrlich als „Regisseur“ bezeichnet, obwohl er nur 2011 einen Amateurfilm gedreht hat, der ihm keinen Ruhm einbrachte — im Unterschied zu der von ihm geleiteten Gruppe, die das Ewige Feuer in einem Park in der Hauptstadt der Krim, Simferopol, am 9. Mai zur Explosion bringen wollte.

    Der Status eines Kreativen bedeutet in Russland aus irgendeinem Grund, dass dieser sich offenbar nur geringfügig seiner sozialen Verantwortung verpflichtet fühlt. Gewöhnlich handelt es sich dabei um eine moralische Verantwortung, doch die Kreativen scheinen die gesetzlichen Rahmen so weit wie möglich für sich auszudehnen.

    Das kann als Schizophrenie erscheinen, doch dem ist nicht so.

    Die Kreativen sind die einzig anerkannte „verfolgte Minderheit“, das einzige offizielle Opfer der russischen Geschichte und der Öffentlichkeit. Auf dieser Grundlage werden vom Staat zahlreiche Zugeständnisse gefordert. Man bekommt auch viele.

    Die kreative Minderheit sind jene, die ihnen zufolge bereits von Katharina der Großen, anderen Zaren sowie Josef Stalin und anderen Staatschefs verfolgt wurden. Sie litten wohl viel in all diesen Jahrhunderten und haben nun das Recht auf Entschädigung und Unantastbarkeit.

    Was muss in diesem Kontext hervorgehoben werden… Der Kampf um Ehrentitel der privilegierten Opfer ist eine globale Erscheinung. Doch paradox ist, dass die Zuspitzung dieser Schlacht in den Ländern, wo angeblich die politische Korrektheit an oberster Stelle steht, viel intensiver als bei uns ist.

    >>Andere Sputnik-Artikel: Untergang der liberalen Idee: Rechte Konterrevolution greift in ganz Europa um sich

    Jetzt läuft beispielsweise in Frankreich eine Diskussion über zwei Rapper, die zwei Minderheiten mit niedriger sozialer Verantwortung vertreten.

    Der „islamische Rapper“ Medina musste auf geplante Auftritte in der Bataclan-Halle (wo IS-Extremisten* vor drei Jahren einen Terroranschlag verübten, wobei hunderte Franzosen ums Leben kamen) wegen „Widerstands seitens der Rechtsextremen“ verzichten. Unter „Rechtsextremen“ erwies sich der Vater eines der Bataclan-Opfer. Dieser „Rassist“ ist gegen die Teilnahme eines „Kreativen“ an Gedenkveranstaltungen. Dafür wird der Vater der getöteten Französin von den Medien als „jene, die den Weg des Hasses betreten haben“ bezeichnet.

    Der französische Rapper Nick Conrad wird vor Gericht wegen eines Videos mit einem provokativen Text gestellt. Da ruft er zum Mord an Weißen auf, um schwarze Kids zu unterhalten. Für den Rapper sprachen sich auch zahlreiche „Anwälte“ aus den Medien und linke Aktivisten aus. Die einen bezeichnen ihn als „Kreativen“ (er soll auf diese Weise Nächstenliebe propagieren), die anderen als Afrikaner, der historisch unter der Unterdrückung durch die Weißen litt. Die Chancen, dass er zu einer Haftstrafe verurteilt wird, liegen beinahe bei null.

    Es ist stellt sich die Frage: Warum sind Spannungen umso schärfer, je toleranter eine Gesellschaft ist?

    Dazu gibt es zwei Versionen. Die erste ist progressiv. Unter Unterdrückung der Mehrheit mussten sie schweigend leiden, nun sprechen sie mit voller Stimme. Das Wachstum der Zahl der Skandale und Konflikte, offener Hasses gegenüber der Mehrheit ist also sehr gut. Das heißt, dass die Mehrheit gesundet und der Unterdrückte die Möglichkeit bekommt, seine Schmerzen auszusprechen und für sich zu kämpfen.

    Die zweite Version ist einfacher. Der Kampf dauert an, weil das einfach gewinnbringend ist. Denn die Ideologie des Kampfes ist in fortgeschrittenen Ländern bereits die offizielle Linie.

    Die Welt wurde vor kurzem von einer lustigen Aktion von drei amerikanischen Wissenschaftlern erschüttert, die in den Forschungszeitschriften unter Künstlernamen verschiedenen Unsinn publizierten. Dieser Nonsens wurde von Zeitschriften fleißig gedruckt, weil er in jedem einzelnen Fall „die Entlarvung der Dominanz der weißen Männer“ enthielt.

    Dieser Fall illustriert übrigens eine einfache Wahrheit. Wenn irgendeine soziale Gruppe beginnt, Boni dafür zu bekommen, dass sie einfach existiert, ist sie zum Verfall verurteilt. Jene, die für offizielle Vergünstigungen für ihre „Gruppe“ kämpfen, verurteilen sie zu einem trüben Schicksal und vielleicht auch einem traurigem Ende.

    *IS („Islamischer Staat“) – eine in Russland verbotene Terrororganisation

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    Tags:
    Diskriminierung, Toleranz, Verfolgung, Minderheit, Oleg Senzow, Europa, Russland