19:37 21 November 2018
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    Ukrainische Soldaten in der Kirche, Kiew (Archiv)

    Kirchenspaltung: “Heilige Nato” gegen Russland geschmiedet

    © AFP 2018 / SERGEI SUPINSKY
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    Viktor Marachowski
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    Der Bruch der Russisch-Orthodoxen Kirche mit dem Patriarchat von Konstantinopel hat jede Menge Reaktionen und Kommentare hervorgerufen.

    Die rein „kirchlichen“ Erklärungen zu den Gründen und Folgen geben natürlich die Vertreter der Russisch-Orthodoxen Kirche selbst. Menschen, die keine Theologen sind, aber eine Vorstellung von der neuesten Geschichte der Ukraine haben, machen sich aus verständlichen Gründen vor allem Sorgen um ukrainische Gläubige der kanonischen Kirche. Es gibt aber auch einen politischen Aspekt in der entstandenen Situation, zumal sie im Grunde vom ukrainischen Präsidenten, Petro Poroschenko, höchstpersönlich provoziert wurde.

    Angesichts der Tatsache, dass einige Bischöfe der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche bei diesem Thema schwanken und kontroverse Erklärungen abgeben, während nationalistische Gruppierungen zu massenhaften Überfällen auf orthodoxe Kirchen bereit sind und nur auf entsprechende Signale warten, ist leider schon jetzt mehr oder weniger klar, wie sich die Situation weiterentwickeln wird.

    Patriarch von Moskau Kirill während der Sitzung der Heiligen Synode der Russisch-Orthodoxen Kirche
    © Sputnik / Pressedienst des Patriarchats der Russisch-orthodoxen Kirche
    Es gibt einen wichtigen Aspekt: Hinter dem phanariotischen Patriarchen Bartholomeos I. (wie auch hinter dem ukrainischen Präsidenten Petro  Poroschenko) stehen ganz offensichtlich die USA, wo die meisten Gläubigen des Patriarchats von Konstantinopel leben. Wie die Amerikaner bei der Eroberung fremder Territorien vorgehen, ist allgemein bekannt.

    Also wird es höchstwahrscheinlich für den Anfang einen Kuhhandel mit den höchsten Klerikern der kanonischen Ukrainisch-Orthodoxen Kirche geben – in der Hoffnung auf eine Wiederholung des „Erfolgs im Irak“, wo das oberste Kommando der Streitkräfte im Grunde einfach „gekauft“ wurde. Dann werden Klöster und Kirchen, die sich Konstantinopel nicht unterordnen wollen, gewaltsam unter Kontrolle genommen (was westliche Medien selbstverständlich verschweigen werden). Und schließlich könnte irgendeine „demokratische Koalitions-Synode der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche“ gegründet werden, die jene religiösen Organisationen vereinigen wird, die auf die Seite Bartholomeos I. übergewechselt sind.

    Ukrainische Orthodoxe müssen sich offenbar auf viele schlimme, wenn nicht sogar schreckliche Dinge gefasst machen. Aber die Hauptfrage besteht darin, wie autokephale Kirchen in der ganzen Welt diese Situation betrachten werden. Das wird offenbar von entscheidender Bedeutung sein, unter anderem für das Schicksal der ukrainischen Orthodoxen.

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    Es geht dabei um folgendes: De facto hat Konstantinopel ein Signal an die gesamte orthodoxe Welt geschickt: Man kann (und sollte) rebellieren. Jede Spaltung hat jetzt ein „Obdach“, das sich formell im Stadtviertel Fener (Phanar) in Istanbul befindet, faktisch aber in der Hauptstadt einer Weltmacht mit Ansprüchen auf globale Herrschaft.

    Dieses Signal wurde jetzt nicht nur an die Ukraine, sondern auch an Serbien, Montenegro, Mazedonien, Bulgarien, Georgien, Moldawien usw. gesendet. Und übrigens auch an Russland.

    Und dieses Signal lautet quasi: „Hierarche, die sich mit ihren Vorgesetzten zerstritten und sich von ihnen abgespaltet haben! Ihr wisst jetzt, was Ihr zu tun habt. Anathem ist jetzt kein Todesurteil – es gibt immer Alternativen: Holt Euch, was es zu holen gibt, und wechselt unter den ‚Schutzschirm‘, der vom Kapitol ‚zertifiziert‘ wurde. Und denkt übrigens daran, dass die Länder, wo Ihr lebt, in den meisten Fällen keine politische Souveränität haben und sich ‚unter den Fittichen der USA‘ befinden. Also werdet Ihr dann die allseitige Unterstützung Amerikas bekommen.“

    De facto handelt es sich um einen regelrechten „Maidan“ (wenn man diese Situation mit dem Staatsstreich in der Ukraine Anfang 2014 vergleicht). Alle „bunten Revolutionen“ der 2000er- und 2010er-Jahre ereigneten sich übrigens in Staaten, die nicht wirklich souverän waren – dort gab es entweder proamerikanische oder zumindest „multidirektionale“ Regierungen, die von vom Westen „zertifizierten“ Kämpfern für „wahre Demokratie“ quasi „überfahren“ wurden. Diese Regierungen leisteten gerade deshalb keinen Widerstand, weil sie nicht souverän waren – sie versuchten, „Verabredungen zu treffen, um nicht alles zu verlieren“. Aber die „bunten Revolutionäre“ wurden von Washington im Grunde beauftragt, die Regierungen der jeweiligen Länder „abzureißen“ – weil das dem Geiste der „wahren Demokratie“ entsprach.

    Also erfüllt Konstantinopel in dieser Situation im Grunde dieselbe Funktion wie einst Victoria Nuland, die mit ihren Worten „fuck the EU“ weltweit für Schlagzeilen sorgte.

    >>Andere Sputnik-Artikel: Diese drei ukrainischen Brands „machen Moskau nervös“ – Poroschenko

    Seit Nulands damaligem Kiew-Besuch ist übrigens genug Zeit vergangen, um die Frage zu beantworten, ob die USA geplant hatten, nicht nur Russland zu schwächen, sondern auch die Ukraine zu stärken. Wie der aktuelle Zustand der Ukraine ist, ist allgemein bekannt. Deshalb sollte man keine Illusionen haben, dass in der Ukraine nach dem „Kirchen-Maidan“ ein „kirchlicher Frieden“ eintreten würde. Der „Frieden“ gehört einfach nicht zu den Zielen, die die Organisatoren der jüngsten Ereignisse verfolgen.

    Also müssen autokephale Kirchen in der ganzen Welt eine schwierige Wahl treffen: Entweder das Vorgehen Konstantinopels klar und deutlich verurteilen (was aber den USA und ihren eigenen proamerikanischen Regierungen nicht gefallen würde) oder nichts tun und abstrakt für eine friedliche Beilegung der Kontroversen plädieren (was aber ihre Kapitulation vor Konstantinopel bedeuten würde). Oder sich in einen „Kuhhandel“ einbeziehen lassen und Garantien bekommen, die aber nichts wert sind. (In diesem Sinne sind die jüngsten Medienberichte kennzeichnend, dass Konstantinopel bereit wäre, die Loyalität der zweitgrößten autokephalen Kirche – der Rumänischen – mit der Entscheidung zur „Aufteilung“ Moldawiens zu kaufen.)

    Außerdem könnten sie einfach offen kapitulieren und Bartholomeos I. unterstützen. Dann würden sie aber die Türen für alle möglichen „feindlichen Übernahmen“ öffnen und künftige „Kirchen-Maidane“ auf ihrem Territorium legitimieren.

    Und wenn man bedenkt, wie sich die Amerikaner gegenüber ihren „Verbündeten“ verhalten, kann man durchaus prognostizieren: Diese „Maidane“ wird es geben.

    Deshalb bleibt nur noch zu hoffen, dass die autokephalen Kirchen ihren Willen zur Einheit zeigen werden. Dafür sprechen nicht nur Sicherheitsgründe, sondern auch die Tatsache, dass Moskau – im Unterschied zu Konstantinopel – nicht an Papismus leidet und keine Ansprüche hat, absolut alle Christen in der Welt anzuführen. Und was man in Russland von „Maidanen“ hält, ist allgemein bekannt.

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    Tags:
    Spaltung, Kirche, Erklärungen, Ukrainisch-Orthodoxe-Kirche, Russisch-orthodoxe Kirche, Petro Poroschenko, USA, Russland, Ukraine