14:31 15 November 2018
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    Ölförderung in Texas

    Der Öl-Bluff: Was läuft schief in der US-Schieferbranche?

    © REUTERS / Nick Oxford
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    Alexander Lesnych
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    Der Erlös aus dem Verkauf des in den USA geförderten Schieferöls fließt komplett in die Tilgung der Schulden der Produzenten.

    Zur vollständigen Abzahlung der Kredite wäre so viel Öl notwendig, wie die Schieferölbranche bis dato gefördert hat. Warum sich Schieferöl nie rentieren wird — das lesen Sie in diesem Artikel.

    Qualität vs. Gewinne

    Mitte dieses Jahres erreichten die USA eine Fördermenge von elf Millionen Barrel pro Tag. Die Kennzahlen waren ausschließlich dank der Aktivitäten der Schieferölproduzenten erreichbar. Derzeit werden rund 6,2 Mio. Barrel pro Tag gefördert.

    Große Mengen sollten eigentlich auch große Einnahmen bringen, doch dazu ist es zur Enttäuschung der Investoren noch nicht gekommen. Nach Einschätzung des „The Wall Street Journal“ beliefen sich die Verluste von 50 Unternehmen, die sich mit der Schieferölförderung befassen, auf mehr als zwei Mrd. Dollar allein im zweiten Quartal.

    Einer der Hauptgründe sind die vielen Kredite der Unternehmen. Nach Angaben der U.S. Energy Information Administration (EIA) entfällt auf die Bedienung der Schulden der Branchenfirmen täglich der Wert von 1,5 Mio. Barrel, das ist ein Viertel der gesamten Schieferöl-Fördermenge.

    Bei den Gesamtschulden ist die Situation noch interessanter – zur Tilgung der Schulden müssen neun Mrd. Barrel Öl gewonnen werden. Das ist ungefähr so viel, wie die Schieferölförderer in der ganzen Geschichte der Branche gewonnen haben (rund zehn Mrd. Barrel).

    In absoluten Zahlen liegen die Schulden bei 300 Mrd. Dollar. Das entspricht den Außenschulden Griechenlands.

    Neben den hohen Kosten für die Bedienung der Schulden können Gewinne wegen ständig wachsenden Kosten für die Modernisierung der Bohranlagen nicht generiert werden.

    Es wäre logisch, sie aus den Einnahmen der Unternehmen zu finanzieren, doch stattdessen bevorzugt es die Branche, immer neue Anteile herauszugeben, indem die ohnehin große Börsenblase noch mehr aufgebläht wird. So gab Pioneer Resources als einer der Branchenführer von 2011 bis 2016 Anteile im Wert von 5,4 Mrd. Dollar heraus. Fast für denselben Wert platzierte auch die Firma Continental Resources Wertpapiere an der Börse trotz der ständigen Verluste.

    Damit können die Schieferölproduzenten jede Börsenkrise in eine Energiekrise verwandeln. Wenn Investoren beginnen, massiv Aktien abzustoßen, werden die Schieferölproduzenten eine Pause einlegen, weshalb die gesamte US-Ölfördermenge um 56 Prozent sinkt.

    Man sollte darauf aufmerksam machen, dass es in der Schieferölindustrie keine direkte Verbindung zwischen dem Wachstum der Kapitalkosten und der Erhöhung der Fördermenge gibt. In einigen Fällen erscheint die Lage umgekehrt – Pioneer Resources gab in der zweiten Hälfte 2017 1,36 Mrd. Dollar aus, wobei mehr als 30.000 Barrel pro Tag gewonnen wurden, während in der ersten Hälfte dieses Jahres 1,7 Mrd. ausgegeben wurden, wobei um das Dreifache weniger Öl gewonnen wurde.

    Keine Nachfrage nach Schieferöl

    Die Aussichten der Schieferölindustrie lösen zunehmend mehr Fragen aus.

    In der US-amerikanischen Wertpapier- und Börsenaufsicht (SEC) herrscht die Meinung vor, dass die Schieferölvorräte in den drei größten Vorkommen – Permian Bassin, Formationen Eagle Ford und Bakken deutlich geringer als erwartet sein können – nur 13,8 Mrd. Barrel.

    Mit anderen Worten. Die Schieferölunternehmen werden nach der Abzahlung ihrer Schulden über die Vorräte von 4,8 Mrd. Barrel für Gewinne verfügen. Das reicht gerade einmal für zwei Jahre.

    Zudem gehört Schieferöl zu den leichten Sorten mit niedriger Dichte und geringem Schwefelgehalt. Es eignet sich sehr gut für Benzin, doch nicht für Diesel bzw. Flugzeugkraftstoff.

    In den USA wird in den kommenden Jahren vor allem Treibstoff für Flugzeuge und Schiffe gefragt sein. Die Benzin-Nachfrage wird wegen des Anstiegs der Zahl von Elektroautos und der wachsenden Effizienz der Benzinmotoren weiterhin zurückgehen.

    Doch das Hauptproblem steckt woanders. Es gibt einfach keinen Platz zur Verarbeitung der zusätzlichen Mengen von leichtem Öl. Wie die US-Schieferölindustrie zugesichert hat, kann in den kommenden fünf Jahren die Fördermenge um mehr als vier Mio. Barrel pro Tag erhöht werden.

    Doch für die Verarbeitung müssen spezielle Anlagen für das Schieferöl erworben werden. Diese Kosten werden den Selbstkostenpreis des Schiefer-Rohstoffs beinhalten, wodurch die Rentabilität der Branche noch mehr sinken wird.

    Der Überschuss von leichtem Schieferöl wird sich unvermeidlich auch auf seinen Preis auswirken. Schon jetzt ist der Rohstoff aus Bakken (North Dakota) an den Börsen fünf bzw. sechs Dollar billiger als die Ölsorte WTI. Diese Spanne wird sich vergrößern. Die Schieferölbranche wird dabei jedoch keine guten Renditen erzielen.

     * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Finanzblase, Öllieferungen, Treibstoff, Schieferöl, Ölförderung, Verluste, Schulden, Energiebereich, USA