23:48 19 November 2018
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    US-Soldaten während der Übungen

    Pentagon hat’s gecheckt: Chinesen zwingen die US-Armee in die Knie

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    Iwan Danilow
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    In der „absonderlichen“ Wirtschaftspolitik des US-Präsidenten lässt sich eine Logik erkennen: Womöglich will er sein Land davor bewahren, sich in einen Karton-Tiger mit Papier-Krallen zu verwandeln. Dass die Vereinigten Staaten fast schon dahin gekommen sind, zeigt ein Rüstungsbericht des Pentagons.

    Das ganze Problem kommt in einer einzigen Zahl zum Ausdruck: Über 300 Kernkomponenten, die notwendig sind, damit die US-Armee reibungslos funktionieren kann, sind inzwischen zu einem Risiko für das amerikanische Militär geworden. Denn entweder die Hersteller dieser Teile in den USA stehen kurz vor der Pleite oder sie sind längst von chinesischen Produzenten verdrängt worden. Das geht aus einem Pentagon-Bericht vom September dieses Jahres hervor.

    Ist man kein US-Soldat, kann man über die Situation auch schmunzeln, geht es im Pentagon-Bericht doch auch um solche Dinge, die auf den ersten Blick kein Problem sein können. Es ist etwa davon die Rede, dass vor kurzem der letzte US-Produzent von synthetischem Garn schließen musste.

    Was das mit der amerikanischen Armee zu tun hat, könnten deren Soldaten im Fall eines „Textilembargos“ am eigenen Leibe erfahren. Dann müssten die GIs nämlich unter freiem Himmel schlafen, weil synthetisches Garn für die Herstellung von Zelten notwendig ist. Wäre sicherlich etwas demütigend für eine Streitmacht, die den Anspruch hat, die am höchsten entwickelte der Welt zu sein.

    Aber im Bericht des Verteidigungsministeriums geht es um mehr als um Zelte. Im freigegebenen Teil des Reports heißt es, es gebe künftig Lieferschwierigkeiten mit speziellen Schaltern, die in nahezu allen US-Raketen verbaut seien.

    Die Pentagon-Beamten berichten, der Hersteller dieser Schaltanlagen habe schließen müssen, was das Ministerium jedoch erst im Nachhinein erfahren habe. Vor zwei Jahren habe sich der Produzent quasi in der Luft aufgelöst, neue Schalter sind nicht aufzutreiben.

    Und noch ein sehr anschauliches Beispiel: Der einzige amerikanische Hersteller von Feststoffmotoren für Luft-Luft-Raketen sieht sich laut dem Pentagon mit „technischen Problemen“ konfrontiert, deren Ursachen nicht mal dann festgestellt werden konnten, nachdem Pentagon- und Luftwaffenexperten eingeschaltet worden waren.

    Alle Versuche, die Produktion dieser Triebwerke neuzustarten, sind gescheitert. Um eine lückenlose Lieferung der Motoren zu gewährleisten, musste das US-Verteidigungsministerium eine norwegische Firma beauftragen.

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    Offensichtlich hat man es hier mit dem Versagen des gesamten US-Systems zu tun. Wie sonst ist es zu erklären, dass weder die Motorenproduktion wiederaufgenommen noch festgestellt werden kann, worin das eigentliche Problem mit den Triebwerken besteht? Es muss sich hierbei um den Verlust von Schlüsselkompetenzen handeln.

    Überhaupt wird man den Eindruck nicht los, der Pentagon-Bericht sei kein Dokument aus den USA, sondern eine Liste von Mängeln der russischen Armee kurz nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Es findet sich kein Bereich, in dem kein ernstes oder sehr ernstes Problem gäbe. Und die Probleme sind oft genug nicht mal mit dem bodenlosen Pentagon-Budget zu lösen.

    Ja, auch die strategischen Streitkräfte der Vereinigten Staaten sind betroffen. Das US-Verteidigungsministerium beklagt, es fehlten Techniker und Ingenieure, die die nötige Ausbildung, die Erfahrung und die Staatsbürgerschaft hätten, um an amerikanischen Kernwaffen arbeiten zu dürfen.

    Dass hier die Staatsbürgerschaft erwähnt wird, ist ein wichtiger Punkt. Denn eigentlich bilden die Hochschulen in den USA genügend Maschinenbauer, Physiker und anderer Wissenschaftler aus. Nur kommt ein überproportional großer Teil dieser Absolventen eben aus dem Ausland, vor allem aus der Volksrepublik.

    Was dem Pentagon fehlt, sind aber nicht nur Fachkräfte, sondern auch Halbleiter- und Nanotechnologien für die Kernwaffen. Man könne den eigenen Zulieferern nicht mehr trauen, so das Verteidigungsministerium, weil deren „Lieferketten inzwischen globalisiert worden sind“ – sprich: Die Mikroelektronik in den Steuerköpfen amerikanischer Atomraketen kommt aus China und niemand weiß so recht, was die Chinesen da hineinprogrammiert haben.

    Probleme hat das Pentagon auch in Fragen, die in einer hochentwickelten Wirtschaft schnell erledigt sein müssten: Beispielsweise fehlten Tools für Softwareentwicklung Datenmanagement, denen die Behörde vertrauen könnte.

    Der „unangemessene Umgang vieler wichtiger Softwarelieferanten mit der IT-Sicherheit“ kommt noch erschwerend hinzu. Aus dem Beamten-Amerikanisch übersetzt, heißt das: Mit der Cybersicherheit sieht es bei unseren Zulieferern so düster aus, dass wir fürchten müssen, chinesische und russische Hacker hätten alles Mögliche in die Programme hineingepackt, die bei unserem Militär im Einsatz sind.

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    Die wichtigste Erkenntnis des Pentagon-Berichts: China sei „ein immer größeres Risiko“ in Bezug auf Materiallieferungen, „die für die nationale Sicherheit der USA kritisch sind“. Der „besonders beunruhigende Bereich“ in der amerikanischen Rüstungsindustrie sei „die zunehmende Zahl massiv eingesetzter Spezialmetalle und —legierungen, seltener Erden und Dauermagneten“.

    Kurzum: Es sieht schlecht für die US-Armee aus, angefangen beim synthetischen Garn, bei Schaltern für Raketen und beim Aluminium bis hin zu Fachkräften und Cybersicherheit. Die Gier der US-Wirtschaft und die Globalisierungsideologie haben der Wehrfähigkeit der Vereinigten Staaten einen Schaden zugefügt, von dem ihre geopolitischen Gegner nicht mal träumten.

    Vielleicht erklärt dieser Umstand die Versuche Donald Trumps, die Vereinigten Staaten um fast jeden Preis wieder zu industrialisieren. Allerdings sind angesichts heutiger wirtschaftlicher Zustände Zweifel daran angebracht, ob die Trump-Regierung etwas richten kann, was ihre Vorgänger 20 Jahre lang zerstörten.

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    Bericht, Produktion, Lieferungen, Raketen, Waffen, Pentagon, Donald Trump, USA, China