05:57 19 November 2018
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    US-Dollar gegen Yuan (Symbolbild)

    Strike back against the Empire: Russland, Indien und China verzichten auf US-Dollar

    © REUTERS / Illustration/ Jason Lee
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    Alexander Lesnych
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    Russlands Vizepremier Juri Borissow hat berichtet, dass Indien die Luftabwehrsysteme des Typs S-400 Triumph in Rubel bezahlen wird. Auch China ist dabei: Laut dem Chef der Vneshekonombank, Igor Schuwalow, kann das Abkommen über den Zahlungsverkehr in Nationalwährungen bereits bis Jahresende unterzeichnet werden.

    Welche Vorteile die Entdollarisierung des Außenhandels für Russland bedeutet und wer noch bereit ist, sich dem Zahlungsverkehr in Nationalwährungen anzuschließen – das erfahren Sie in diesem Artikel.

    Eine Rote Karte für den Dollar

    Der Vertrag für die Lieferung der S-400-Systeme wurde am 5. Oktober während des Besuchs des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Neu-Delhi unterzeichnet. Experten schätzen den Wert des Rüstungsdeals auf fünf Milliarden Dollar. Nach dem Wechselkurs der Zentralbank sind das 331 Milliarden Rubel.

    Der größte und offensichtlichste Vorteil für beide Länder beim Handel in den Nationalwährungen besteht im Wegfallen von großen Schwankungen bei der Umrechnung.

    So kostete ein Rubel am 1. Januar 0,89 Rupien, zehn Monate später 0,88 Rupien. Der maximale Kurs innerhalb des Jahres lag bei 0,98 Rupien, der minimale bei 0,85. Das heißt, dass der Korridor der Volatilität in diesem Jahr 0,13 Rubel ausmachte.

    Zum Vergleich: Am 1. Januar kostete ein US-Dollar 57,04 Rubel, am 1. November bereits 65,6 Rubel. Der Höchstwert in diesem Jahr lag bei 69,9 Rubel, der Mindestwert bei 55,6. Der Korridor der Volatilität liegt bei 14,3 Rubel. Der Unterschied nach dieser Kennzahl zwischen den Paaren Rubel-Dollar und Rubel-Rupie liegt bei 11.000 Prozent.

    Ein weiteres Problem bei gegenseitigem Zahlungsverkehr in Dollar ist die hohe Wahrscheinlichkeit von Sanktionen.

    Indische Medien berichteten im April, dass Finanzstrukturen Neu-Delhis rund zwei Milliarden Dollar einfrieren ließen, die für die Bezahlung von kritisch wichtigen Projekten flossen, darunter zur Reparatur des bei Russland gepachteten U-Boots „Chakra“ (Projekt Schtschuka-B).

    Der Grund: Das Weiße Haus setzte den russischen Rüstungsexporteur Rosoboronexport auf die Sanktionsliste. Für die Finanzinstitutionen bedeutet das de facto ein Verbot für jede Verrechnung in US-Währung.

    Doch wie die Praxis zeigt, nimmt die Weltgemeinschaft die Drohungen Trumps nicht mehr ernst. Indien zieht es vor, die Beziehungen mit dem zuverlässigsten Partner im Bereich der militärtechnischen Zusammenarbeit und Waffenlieferungen aufrechtzuerhalten – mit Russland.

    Eine brennende Dollar-Banknote (Symbolbild)
    © Depositphotos / SergeyNivens
    Nach Angaben des Stockholmer Instituts für Friedensforschung SIPRI lieferte Russland von 2007 bis 2017 Waffen im Wert von 24,5 Milliarden Dollar an Indien, die USA nur für 3,1 Milliarden Dollar.

    Der Handel zwischen Russland und Indien umfasst nicht nur Waffenlieferungen, deren Umfang 2017 rund 1,9 Milliarden Dollar ausmachte (vor dem Hintergrund des gesamten Handelsumsatzes von 9,1 Milliarden Dollar). Laut Borissow könnten auch zivile Erzeugnisse in den Nationalwährungen bezahlt werden.

    „Der Anteil der Export-Zahlungen in Rubel beläuft sich auf 20 Prozent, bei den Import-Zahlungen sind es rund 21 Prozent“, so der russische Vizepremier. „Das sind gute Zahlen, doch wir werden den Zahlungsverkehr in den Nationalwährungen als Instrument zur Lösung des Problems von ausfallenden Zahlungen ausbauen. Das betrifft auch die Verträge für die militärtechnische Zusammenarbeit.“

    Auch Peking ist dabei

    Der Chef der Vneshekonombank, Igor Schuwalow, berichtete Anfang Oktober, dass Russland und China eigene Kanäle für das Zusammenwirken haben. Ihm zufolge ist Peking in der jetzigen Situation ebenfalls daran interessiert, sie tatsächlich zu nutzen.

    „Wir verstehen, wie dieses Schema funktionieren soll, es soll in einem Abkommen beschrieben werden. Die chinesische Seite ist nicht weniger und vielleicht sogar mehr daran interessiert, ein solches Abkommen in kürzester Zeit zu unterzeichnen. Das wurde gestern von Chinas Staatschefs geäußert“, sagte Schuwalow zu den Ergebnissen der Regierungskonsultationen mit Peking.

    Schuwalow zufolge finden in den kommenden Wochen bilaterale Konsultationen statt, bei denen endgültig beschlossen wird, wie das Zusammenwirken zwischen den Finanzorganisationen beider Länder erfolgen soll und wer die Rolle des bevollmächtigten Betreibers in Moskau und Peking übernehmen wird.

    Die Dynamik des Rubel-Yuan-Wechselkurses ähnelte in diesem Jahr eher dem Verhältnis zwischen Rubel und Rupie als zwischen Rubel und Dollar. Am 1. Januar kostete ein Yuan 8,74 Rubel, am 1. November 9,4 Rubel. Der Höchstwert betrug 10,1 Rubel, der niedrigste Wert 8,72 Rubel.

    Damit machte der Korridor der Volatilität zwischen Rubel und Yuan nur 1,38 Rubel gegenüber 14,3 zwischen Rubel und Dollar aus. Wie auch im Fall Indien bedeutet das für das Geschäft ein geringeres Risiko von Kursverlusten.

    Zum Verzicht auf den Zahlungsverkehr in US-Dollar zwischen Moskau und Peking bewegt auch der gegenseitige Handelsumsatz, der im vergangenen Jahr bei 84,9 Milliarden Dollar lag. Der Handelsumsatz zwischen Russland und den USA belief sich auf 23,6 Milliarden Dollar, der Unterschied liegt bei fast 360 Prozent.

    Moskau, Peking und Neu-Delhi zeigen an ihrem Beispiel der ganzen Welt, wie man sich von der Dollar-Abhängigkeit befreien kann. Bemerkenswert ist dabei, dass alle drei Länder die größten wirtschaftlichen Entwicklungspotenziale haben, während die Wirtschaft der USA bereits entwickelt ist. Das heißt, dass gegenseitiger Zahlungsverkehr in den Nationalwährungen die Aussicht auch für andere Schwellenländer eröffnen und den Welthandel endgültig von der Dollar-Abhängigkeit befreien könnte.

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    Tags:
    Waffenhandel, Entdollarisierung, Dollar, S-400, Stockholmer Friedensforschungsinstitut (SIPRI), Russland, Indien, USA, China