10:38 16 November 2018
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    Bundeskanzlerin Angela Merkel (Archiv)

    Merkel geht, Feindbild Russlands bleibt?

    © REUTERS / Valentyn Ogirenko
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    Bernhard Schwarz
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    Ende Oktober hat Angela Merkel ihren Rückzug angekündigt und erklärt, nicht mehr für den CDU-Vorsitz im Dezember kandidieren zu wollen. Mit Annegret Kamp-Karrenbauer, Friedrich Merz und Jens Spahn haben sich bereits drei potenzielle Nachfolger in Stellung gebracht.

    Nach mehr als 18 Jahren CDU-Vorsitz und 13 Jahren als Kanzlerin hat sich Angela Merkel nach den jüngsten Wahlniederlagen dazu entschieden, sich auf Raten aus der Politik zurückzuziehen. Sie will zwar noch bis 2021 Kanzlerin bleiben, wird den CDU-Vorsitz aber mit Ende des Jahres abgeben. In Erinnerung bleiben vor allem die Finanzkrise 2008, wo es Milliardenhilfen des Staates für Spekulanten regnete, die Zerstörung des Verhältnisses zu Russland und die Flüchtlingskrise 2015.

    Trotzdem ist es Merkel gelungen, Deutschland wirtschaftlich auf Kurs zu halten und Deutschlands Position in der EU zu stärken. Viele Kritiker bemängeln aber, dass Merkel eine zu treue Linie zu den USA gefahren sei und es bis heute keine eigene EU-Außenpolitik gebe. Gerhard Schröder forderte unlängst eine „Antwort auf Donald Trumps America First-Politik der EU, die sich auch wieder an Russland und die Türkei annähert“. Zu Beginn hätte wohl niemand gedacht, dass Merkels Amtsperiode so lange dauern wird, doch nun dankt die langjährige Kanzlerin ab. Die letzten Wahlergebnisse haben gezeigt, dass sich viele Deutsche eine Veränderung wünschen. Wird der potenzielle Nachfolger aber die gewünschte Änderung bringen?

    Annegret Kamp-Karrenbauer

    Kamp-Karrenbauer gilt als jahrelange treue Wegbegleiterin von Angela Merkel. Dabei ähnelt sie nicht nur im Aussehen sondern auch im politischen Stil der deutschen Bundeskanzlerin und gilt als „Mini-Merkel“. Kamp-Karrenbauer hat die Flüchtlingspolitik Merkels stets unterstützt und auch in der Russland-Politik wird es kaum Änderungen geben. „Ich sehe keine Äquidistanz zu den Vereinigten Staaten und Russland. Solange Russland sein Verhalten im Konflikt um die Ost-Ukraine nicht ändert, ist es richtig, sich im G8-Format ohne Russland zu treffen“ erklärte Kamp-Karrenbauer im vorigen Monat. Die USA hingegen seien für sie „stets

    ein großer Garant für Frieden, Freiheit und Wohlstand“. Obwohl Kamp-Karrenbauer sich in den letzten Tagen von Merkels Politik abzugrenzen versucht, ist sie die erklärte Favoritin der deutschen Bundeskanzlerin. Auch die Mainstream-Medien räumen ihr die größten Chancen ein, obwohl zahlreiche Online-Umfragen eine andere Sprache sprechen.

    >>Andere Sputnik-Artikel: Schröders späte Rache: „Ende von Merkels Kanzlerschaft“

    Friedrich Merz

    Friedrich Merz war von 1994 bis 2009 Mitglied des Deutschen Bundestages, ehe er aufgrund von parteipolitischen Differenzen mit Angela Merkel im Sommer 2009 erklärte, eine „Polit-Pause“ einlegen zu wollen. Als Obmann der CDU-Bundestagsfraktion im Finanzausschuss segnete er 2008 Milliardenhilfen für Banken ab. Anschließend arbeitete er für zahlreiche Großkonzerne, ehe er 2016 Aufsichtsratschef des weltweit größten Vermögensverwalters BlackRock wurde. Die New Yorker verwalten Gelder über rund 6,3 Billionen Dollar – das ist das Doppelte des deutschen Bruttosozialprodukts. Wegen Cum-Ex-Geschäften gab es nun eine Razzia der deutschen Staatsanwaltschaft bei BlackRock, die „dazu dienen, den Steuerzahler auszunehmen“, wie Merz selbst erklärte. Friedrich Merz ist Vorsitzender der Atlantis-Brücke und Mitglied der Trilateral Commission, die 1973 vom US-Milliardär David Rockefeller gegründet wurde. Merz bekennt sich offen zur Beziehung mit den USA: „Es reicht nicht mehr, die historische Verbindung zwischen den USA und Deutschland zu beschwören. Vielleicht bietet sich jetzt eine Gelegenheit, unsere Verhandlungen über TTIP zu erneuern.“ Außerdem ist Merz ein Befürworter der Russland-Sanktionen: „Sanktionen brauchen einen langen Atem. Wir müssen Russland gegenüber konsequent bleiben, sonst versucht es, seinen Einfluss zu erweitern.“

    >>Andere Sputnik-Artikel: „Der Mann ist bis ins Mark seiner Knochen ein Lobbyist“

    Jens Spahn

    Jens Spahn ist aktuell Bundesminister für Gesundheit und gilt innerhalb der CDU als einer der schärfsten Kritiker Merkels. Vor allem in der Flüchtlingspolitik distanzierte er sich stark von der deutschen Bundeskanzlerin und lehnt den UN-Migrationspakt ab. Spahn steht für einen wirtschaftsliberalen Kurs und ist mit dem Journalisten Daniel Funke verheiratet. Spahn pflegt enge Beziehungen zum US-Botschafter in Berlin und fordert eine Erhöhung der Militärausgaben: „Schauen Sie auf Russland oder den islamistischen Terror, in unserer Nachbarschaft wird es unsicherer. Man kann nicht mit dem Mittelfinger nach Washington zeigen und dann selbst nicht mehr dazu bereit sein, als Deutschland und Europa mehr in die eigene Sicherheit zu investieren.“ Im Jahr 2017 nahm Spahn an der Bilderbuchkonferenz teil und forderte die Umsetzung von TTIP.

    Bis vor kurzem galt Friedrich Merz in Online-Umfragen als Favorit, da ihm die Deutschen vor allem in Sachen Wirtschaft vertrauen. Die Razzia um BlackRock schadet seinem Ansehen aber definitiv und die Kritik wird bis Dezember kaum verstummen. Jens Spahn ist vermutlich für viele CDU-Politiker zu jung und unerfahren, weswegen Annegret Kamp-Karrenbauer am Ende doch die Nase vorne haben könnte. Womöglich steigt aber bis zum CDU-Parteitag noch ein weiterer Kandidat ein, der am Ende das Rennen machen könnte.

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    Tags:
    Kampf, Stellung, CDU, EU, Jens Spahn, Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer, Donald Trump, Angela Merkel, Deutschland