04:31 11 Dezember 2018
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    Rohrschweißen für die Gaspipeline Nord Stream 2

    Wer hier das Sagen hat: Im Kampf um „Energie der Zukunft“ ziehen USA den Kürzeren

    © Sputnik / Nord Stream 2/ Thomas Eugster
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    Alexander Lesnych
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    Experten der Internationalen Energieagentur haben in einem Bericht über die Zukunft der Energie darauf hingewiesen, dass Russland zumindest noch bis 2040 die führende Rolle innehaben wird.

    Die wichtigste Region, mit der man den Erdgas-Export um 60 Prozent ausbauen kann, ist Südostasien mit seiner sich aktiv entwickelnden Wirtschaft. Welche Vorteile Moskau bei den Energielieferungen in den kommenden Jahrzehnten bekommt und wer ins Abseits gerät – das erfahren Sie in diesem Artikel.

    Zuverlässig und sicher

    Laut Experten der Internationalen Energieagentur wird Russland langfristig kaum ernsthafte Konkurrenten auf dem Gasmarkt bekommen. Selbst trotz der Tatsache, dass der Gasbedarf Europas zur Mitte der 2020er-Jahre sinken und zum Jahr 2040 knapp 408 Mrd. Kubikmeter ausmachen wird (um 16,4 Prozent weniger als 2017), wird der europäische Import zu diesem Zeitpunkt auf 86 Prozent steigen. Das hängt damit zusammen, dass die EU-Länder die eigene Förderung allmählich senken.

    Russland kann zwar die ganze Menge wegen des politisch motivierten Strebens der EU, die Rohstofflieferungen zu diversifizieren, nicht abdecken, dennoch wird Moskau weiterhin die Hauptrolle bei der Gasversorgung Europas spielen.

    „Russland bleibt der größte Gaslieferant in der Region und einer der günstigsten Lieferanten, doch der Effekt wird auf einem deutlich integrierteren europäischen Gasmarkt schwächer werden, wo die Käufer Zugang zu verschiedenen Gasquellen haben“, so die Internationale Energieagentur.

    In dem Bericht sind auch umstrittene Themen zu finden. Eines davon betrifft die Sicherheit der Lieferungen, die Diversifizierung. Die Analysten überschätzen eindeutig die möglichen Liefermengen. Die einzige Alternative zu russischem Gas ist US-Flüssiggas, das trotz der Hoffnungen Washingtons kaum eine Rolle auf dem europäischen Energiemarkt spielt.

    In diesem Jahr will Gazprom erneut den Rekord bei Rohrgaslieferungen ins ferne Ausland brechen, wobei 205 Mrd. Kubikmeter Gas exportiert werden. Das ist um das Zehnfache mehr als die von der Ukraine gewonnene Gasmenge im Jahr 2017.

    Solche Ergebnisse waren in vielerlei Hinsicht dank den europäischen Verbrauchern zu erreichen. Nach dem Stand von Mitte des Jahres stiegen die Lieferungen nach Deutschland um 12,3 Prozent, nach Österreich um 48,3 Prozent, in die Niederlande um 53,8 Prozent, nach Frankreich um 11,8 Prozent, nach Kroatien um 40,1 Prozent, nach Dänemark um 11,9 Prozent, nach Polen um 6,6 Prozent.

    Es ist auch verständlich, warum dem so ist. Das US-Flüssiggas kostete im Oktober 352 Dollar für 1000 Kubikmeter, Gazprom bot dieselbe Menge für durchschnittlich 230 Dollar im Laufe des Jahres an.

    Am Objektivsten zeigt sich die Position der europäischen Verbraucher bei Infrastrukturprojekten. In der EU wird der Bau der Pipeline Nord Stream 2 fortgesetzt. Parallel wird die Gasleitung Turkish Stream gebaut. Ende Oktober wurden die Aussichten der Pipeline-Verlängerung bis nach Rom von Italiens Premier Giuseppe Conte mit Wladimir Putin im Kreml besprochen.

    Zugleich bleibt der Bau neuer Terminals für das US-Flüssiggas nach dem Preis von Nord Stream 2 bislang nur auf der Ebene von Versprechen.

    Asiatisches Manöver

    Laut Analysten der Internationalen Energieagentur werden die größten Energieverbraucher in den nächsten Jahren die Schwellenländer Asiens sein. Vor allem China, dessen Gasverbrauch bis 2030 auf 480 Mrd. Kubikmeter steigen wird. Das Einzige, was eine stabile Entwicklung des Marktes behindern kann, sind politische Provokationen einzelner Akteure.

    „Wir sind davon überzeugt, dass mehr als 70 Prozent der weltweiten Investitionen in Energie vom Willen der Staaten abhängen werden. Das heißt, dass das Schicksal der Branche vollständig von den politischen Beschlüssen bestimmt wird“, sagte der Exekutivdirektor der Internationalen Energieagentur Fatih Birol. „Das Erreichen unserer gemeinsamen Ziele erfordert die Ausarbeitung einer richtigen Politik und der entsprechenden Initiativen.“

    Da befindet sich Moskau in einer besseren Lage als Washington. Wegen des Handelskriegs, der von US-Präsident Donald Trump entfacht wurde, verzichtete Peking vollständig auf Öl- und Flüssiggaslieferungen aus den USA. Putin und Jinping vereinbarten den Bau der neuen Pipeline „Kraft Sibiriens 2“  auf  der westlichen Route „Altai“. Es wird erwartet, dass jedes Jahr rund 30 Mrd. Kubikmeter Gas durch das Rohr gepumpt werden.

    Das bedeutet de facto, dass das großangelegte Projekt zum Bau neuer Werke zur Gasverflüssigung wie auch die Förderung von Schieferöl zu großen Verlusten für die US-Wirtschaft führen kann. Bislang ist weltweit ein Mangel an Gastankern zu verzeichnen, und deren Pachtkosten wachsen, die fehlende US-Flüssiggas-Nachfrage in China macht den Start neuer Kapazitäten sinnlos.

    Analysten der Consultingfirma Edison zufolge verlor das Gasverflüssigungswerk Magnolia LNG, das in Louisiana mit einer Kapazität von acht Millionen Tonnen pro Jahr gebaut wird, mit der Einstellung der US-Flüssiggaslieferungen nach China seine Perspektive. Die Schaffung anderer Produktionskapazitäten ist auch infrage gestellt.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Marktkonkurrenz, Flüssiggas, LNG, Gaslieferungen, Gaspipeline, Kraft Sibiriens, Nord Stream 2, EU, Gazprom, Wladimir Putin, Xi Jinping, Europa, Asien, USA, Russland, China