07:00 10 Dezember 2018
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    Ein CSU-Logo auf dem Fensterglass des Partei-Standorts in München

    Im Mittelpunkt der Macht: Ring frei für Kampf um CSU-Spitze

    © AFP 2018 / Christof Stache
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    Marcel Joppa
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    Zehn Jahre war Horst Seehofer das Gesicht der CSU. Doch der 69-Jährige hat die besten Zeiten hinter sich, ebenso wie seine Partei. Nach dem angekündigten Rückzug Seehofers vom CSU-Vorsitz werden die Karten in Bayern neu gemischt, potentielle Nachfolger und alte Widersacher haben sich in Stellung gebracht. Der Kampf um die Macht ist eröffnet…

    Horst Seehofer hat offiziell bestätigt, was zahlreiche Kritiker schon seit Wochen und Monaten gehofft hatten: Am 19. Januar soll bei einem Sonderparteitag ein neuer CSU-Vorsitzender gewählt werden. Gleichzeitig erklärte Seehofer jüngst, er wolle bis zum Ende der Legislaturperiode 2021 Bundesminister den Innern, für Bau und Heimat bleiben. Aus Parteikreisen und von politischen Gegnern gibt es daran Zweifel: Zu sehr wird Seehofer im Bundeskabinett als Störfaktor wahrgenommen.

    Jeder will ein Stück des Kuchens…

    Das Rennen um die CSU-Spitze ist nun eröffnet! Wer gute Chancen hat, wer bereits das Handtuch geschmissen hat und welche Überraschungskandidaten es geben könnte – Sputnik hat die wichtigsten CSU-Persönlichkeiten für Sie zusammengestellt.

    Markus Söder – Der Machtmensch

    Markus Söder
    © Foto : Bayerische Staatsregierung
    Markus Söder

    Fast könnte man mit dem frisch gewählten bayerischen Ministerpräsidenten Mitleid haben: Nach jahrelangem Kampf gegen innerparteiliche Widersacher und einer Durststrecke als Landesminister ist Markus Söder auf dem Höhepunkt seiner Macht angekommen, doch der Rückhalt bei den Wählern schwindet. Der 51-Jährige hatte Horst Seehofer mit aller Kraft aus dem Amt des Landesvaters gedrängt. Um seinen Einfluss weiter auszubauen, gilt er nun auch als aussichtsreichster Kandidat für den CSU-Parteivorsitz. 

    ​ Andererseits müsste Söder als CSU-Chef und Ministerpräsident gleichzeitig die Koalitionen in Berlin und in München führen. Für die Bundesregierung hatte er bisher wenig Interesse und Zustimmung gezeigt. Verhandlungen innerhalb der GroKo dürften deshalb mit einem Parteivorsitzenden Söder nicht einfacher werden. Auch hätte der gebürtige Nürnberger weniger Zeit, sich um die angekündigte Erneuerung der CSU zu kümmern. Da Söder wichtige Entscheidungen aber grundsätzlich ungerne anderen überlässt, scheint diese Lösung am wahrscheinlichsten.

    Alexander Dobrindt – Der Querkopf

    Alexander Dobrindt (l.)
    © Foto : alexander-dobrindt.de
    Alexander Dobrindt (l.)

    Einst war Alexander Dobrindt als CSU-Generalsekretär wichtigster Ansprechpartner Seehofers. Zwischen ihm und seinem Parteivorsitzenden passte kein Blatt Papier. Zur Belohnung schickte Seehofer ihn als Bundesverkehrsminister nach Berlin. Hier gab der 48-Jährige aber kein gutes Bild ab: Das Wunschprojekt der CSU, die im Wahlkampf angekündigte PKW-Maut, ist noch immer nicht umgesetzt. Dobrindt verzettelte sich, schätze seinen Einfluss und sein Können falsch ein.

    ​Nun ist Dobrindt CSU-Landesgruppenchef im Bundestag. Viele seiner Parteimitglieder machen neben Seehofer auch ihn für das schlechte Abschneiden bei der bayrischen Landtagswahl verantwortlich. Denn der Querkopf Dobrindt sorgte mit kontroversen Aussagen immer wieder für ein mediales Feuerwerk. Um die CSU als Parteichef gelassen und weitsichtig zu führen, dürfte dem Oberbayern das Geschick fehlen. Doch gerade wegen Dobrindts unnachgiebigen Positionen könnte seine Partei ihn an die Spitze wählen, damit er in der Berliner GroKo das Ruder übernimmt – vorausgesetzt, Markus Söder gibt dafür grünes Licht.

    Markus Blume – Der General für alle Fälle

    Markus Blume
    © Foto : CSU
    Markus Blume

    Der Posten als CSU-Generalsekretär war bisher immer ein guter Garant, auch in Berlin früher oder später große Verantwortung zu übernehmen. Ob Alexander Dobrindt oder auch Andreas Scheuer, sie alle wurden als Minister in die Bundeshauptstadt entsandt. Nun könnte die Stunde von Markus Blume schlagen, der allerdings erst seit März 2018 als Generalsekretär die Geschicke seiner Partei lenkt.

    ​Im Gegensatz zu seinen beiden Vorgängern gilt Blume als eloquenter und überlegter Redner. Sein Motto: Erst denken, dann reden. Im bayerischen Landtagswahlkampf unterstützte er Ministerpräsident Markus Söder mit aller Kraft und mit immer neuen medialen Kampagnen – was ihm eine gewisse Autorität in der CSU beschaffte. Einem Großteil der Öffentlichkeit ist der 43-Jährige jedoch nicht wirklich bekannt. Das könnte nun Blumes Handicap sein. Seine Zeit für Verantwortung im politischen Berlin scheint noch nicht gekommen, auch wenn Parteifreund und Förderer Markus Söder ihm dies wohl zutrauen dürfte.

    Ilse Aigner – Die Aussichtslose

    Ilse Aigner (4R)
    © Foto : Bildarchiv Bayerischer Landtag
    Ilse Aigner (4R)

    Lange galt Ilse Aigner als schärfste Konkurrentin von Markus Söder bei dem Rennen auf das Ministerpräsidentenamt. Parteichef Seehofer hatte die 53-Jährige zwischendurch zur „Kronprinzessin“ aufgebaut. Aus Berlin, wo sie von 2008 bis 2013 Bundesministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz war, hatte er sie als sympathisches Vorzeigegesicht zurück nach Bayern geholt. Doch dort bekam sie nur ein abgespecktes Wirtschaftsministerium zugeteilt und auch sonst konnte sich Aigner bei internen Machtproben nur schwer zur Wehr setzen.

    ​Nach der Niederlage der CSU bei der Bundestagswahl 2017 machte Aigner dann einen letzten Anlauf: Sie schlug vor, die Spitzenkandidatur für die Landtagswahl 2018 per Urwahl von der CSU-Basis ermitteln zu lassen. Da war es aber schon zu spät. Die Unterstützer für Söder feuerten aus allen Rohren gegen Aigner und sie zog ihre Kandidatur schließlich zurück. Nun ist die Oberbayerin vor wenigen Wochen zur Parlamentspräsidentin im Freistaat gewählt worden. Ein Amt mit großem Titel und wenig innerparteilicher Macht. Zwar trauen zahlreiche CSU-Mitglieder Aigner die Parteiführung zu, doch es fehlt ihr an prominenter Unterstützung – unter anderem von ihrem alten Widersacher Markus Söder.

    Manfred Weber – Der große Europäer

    Manfred Weber
    © Foto : manfredweber.de / Frank Röthel
    Manfred Weber

    Zuletzt hatte die scheidende Landtagspräsidentin Barbara Stamm den Europapolitiker Manfred Weber als Nachfolger von Parteichef Horst Seehofer vorgeschlagen. Doch der 46 geht nun einen anderen, machtvolleren Weg. Seit 2004 ist Weber Abgeordneter im EU-Parlament, außerdem Mitglied im CSU-Parteivorstand. Vor wenigen Tagen wurde er von der europäischen Vereinigung EVP, der seine CSU angehört, als Spitzenkandidat für das Amt des EU-Kommissionspräsidenten gewählt. 

    ​Die Chancen stehen gut, dass Weber nach der Europawahl Nachfolger von Jean-Claude Juncker wird. Und da die EU-Statuten eine EU-Präsidentschaft und gleichzeitig ein parteigebundenes Spitzenamt im Herkunftsland ausschließen, hätte sich der wohl schärfste Konkurrent von Markus Söder selbst aus dem Rennen um den CSU-Parteivorsitz genommen. Der Niederbayer und überzeugte Europäer genießt in der CSU ein hohes Ansehen. Als ausgewiesener Liberaler und Merkel-Unterstützer hatten Weber und Söder häufig Auseinandersetzungen, nun muss sich der Ministerpräsident um Weber keine Sorgen mehr machen.

    Joachim Herrmann – Der Hardliner

    Joachim Herrmann
    Bayerische Bereitschaftspolizei
    Joachim Herrmann

    Joachim Herrmann ist seit 2007 etablierter Innenminister Bayerns. Hier setzte er sich erfolgreich für die Neuauflage des umstrittenen Polizeiaufgabengesetzes ein, kritisierte die Asylpolitik Merkels und unterstütze Horst Seehofer bei der Forderung nach einer besseren Grenzsicherung. Der 62-Jährige zeigt sich nicht nur gerne in den Medien, sondern auch in Bierzelten oder im persönlichen Kontakt mit den bayerischen Wählern. Der gebürtige Münchener wird vom politischen Gegner gerne als provinziell dargestellt.

    Herrmann wurde vor der Bundestagswahl 2017 als möglicher Bundesinnenminister gehandelt, bevor CSU-Chef Seehofer schließlich selbst dieses Amt übernahm. Nach der Ankündigung Seehofers, den Parteivorsitz aufzugeben, geriet nun auch wieder Herrmann ins Gespräch. Doch dieses Amt trauen viele CSUler dem Landespolitiker nicht wirklich zu. Spekulationen, Herrmann könnte doch nach Berlin gehen, schob Markus Söder nun selbst einen Riegel vor: Der wiedergewählte Ministerpräsident verkündete vor wenigen Tagen, Hermann werde auch in Zukunft als Innenminister dem bayerischen Kabinett angehören.

    Das Fazit: Viele Namen, wenig Chancen

    Neben den genannten Politikern fallen auch immer wieder die Namen von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, oder dem ehemaligen Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich. Doch diese dürfen in der aktuellen Debatte um den Parteivorsitz keine Rolle spielen. Erst wenn Horst Seehofer auch als Minister zurücktritt und der innerparteiliche Kampf um diesen Posten einen neuen Machtkampf in der Partei auslösen wird.

    Jetzt hat erst einmal Markus Söder die besten Karten, auch den Posten des CSU-Chefs zu übernehmen und die Partei in Personalunion anzuführen. König Söder wird dann vermutlich dem CSU-Landesgruppenchef Dobrindt für dessen Arbeit in Berlin gönnerhaft das Vertrauen aussprechen, ebenso wie Manfred Weber für dessen Arbeit in Brüssel. Lange hatte Söder für seinen mühevollen Aufstieg in den CSU-Olymp gekämpft. Kaum vorstellbar, dass er die Macht an der Spitze nun teilen möchte. Ob das auch gut für die Zukunft seiner Partei ist, steht aber ganz sicher auch einem anderen Blatt Papier.

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    Tags:
    Nachfolger, Parteivorsitz, CSU, Markus Söder, Ilse Aigner, Alexander Dobrindt, Horst Seehofer, Manfred Weber, Joachim Herrmann, Bayern, Deutschland