04:22 11 Dezember 2018
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    Bau der Turkish Stream-Pipeline

    Turkish Stream: Russisches Gas fließt nach Europa – ungehindert!

    © Foto : Gazprom
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    Dmitri Lekuch
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    Am 19. November haben die Präsidenten Russlands und der Türkei, Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan, in Istanbul die Fertigstellung des Meeresabschnitts der Pipeline Turkish Stream gefeiert.

    Der faktische Beitritt der Türkei zur eurasischen Energieplattform ist sowohl für Moskau, als auch für Ankara gewinnbringend. Ankara beginnt bereits, die Rolle des nahezu größten Gashubs der Mittelmeerregion zu übernehmen.  Zudem erleichtert es die Verhandlungen Putins und Erdogans zu anderen aktuellen Aspekten der bilateralen Beziehungen. Unter anderem geht es um die Lieferung der S400-Raketenabwehrsysteme sowie die Regelung der Situation in der syrischen Provinz Idlib, die zum türkischen Verantwortungsbereich gehört und eines der letzten Bollwerke der Terroristen im Norden Syriens bleibt. Vielleicht zählt dazu auch die Erörterung der Ukraine-Frage.

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    Letzteres ist wohl nicht zu vermeiden.

    Selbst die Tatsache des Baus der Pipeline Turkish Stream beeinträchtigt das, was die Ukraine als ureigene Interessen betrachtet. Zudem ist die sich aus der Ukraine verbreitende Willkür sehr gefährlich und ansteckend. Sowohl die russische, als auch die türkische Seite brauchen nicht, dass im strategischen Zusammenwirken zwischen den zwei größten regionalen Akteuren beispielsweise das Problem des Stadtviertels Fener in Istanbul im Wege steht.

    Doch zunächst ein bisschen zum Ereignis, zu dem der russische Präsident nach Istanbul reiste.

    In diesem Fall geht es nicht um die Größenordnung des Projektes. Die Kapitaleinlagen in das Projekt Jamal LNG (zu dessen Eröffnung Putin ebenfalls anreiste) liegen bei 27 Milliarden Dollar. Beide Stränge von Turkish Stream sind um ein Vierfaches billiger. Deswegen ist die große Aufmerksamkeit auf dieses Ereignis nicht mit der Größenordnung des Projekts zu erklären.

    Denn mit der endgültigen Inbetriebnahme der Pipelines (geplant für Ende 2019) wird sich die Energiekarte Europas bedeutend ändern. Das verstehen die Deutschen, die den Bau der Pipeline Nord Stream 2 beschleunigen wollen.

    Turkish Stream ist für die europäische Energieversorgung eine Alternative und stabilisierender Faktor für die Energiesicherheit. Die Europäer müssen sich nicht mehr Sorgen um die Lieferrouten machen – mit der Inbetriebnahme der nördlichen und türkischen Pipelines wird niemand ein Monopol haben.

    Außer Russland natürlich.

    Besonders die Rolle der Ukraine wird an Gewicht verlieren, die das Monopol auf den Handel mit dem russischen Gas in den EU-Ländern beanspruchte. Sie wird von Kuratoren unterstützt, die natürlich ausschließlich eigene Aufgaben lösen.

    Die türkische Route macht sowohl für Russland, als auch für europäische Verbraucher fremde Einmischungen in die Beziehungen zwischen Hersteller und Verbraucher unmöglich.

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    Es ist kein Zufall, dass es gerade Russland und die Türkei sind, die die Route der weiteren Lieferungen nach Europa wählen, wobei politisch korrekt von der Notwendigkeit gesprochen wird, „mit der EU abzustimmen“. Moskau will selbstverständlich keine Wiederholung des gescheiterten Projekts zum Bau von South Stream.

    Doch die wichtigste Wahl bleibt in einem anderen Bereich. Die zuvor als die Wichtigste betrachtete „griechische Route“ stößt wegen der instabilen Haltung des griechischen Premiers, Alexis Tsipras, bei Moskau auf weniger Enthusiasmus, als die Balkan-Variante (über die Türkei nach Bulgarien und anschließend nach Serbien, Ungarn und Österreich, wo beide Gaskorridore – die nördliche und türkische – zusammenlaufen können).

    Doch auch die „griechische Variante“ hat selbstverständlich noch Chancen.

    Am wichtigsten ist, dass die interessierte Seite jetzt die europäischen Käufer und nicht die russischen Verkäufer sind.

    Allerdings kann auch Erdogan jubeln: Als eurasischer Energie-Hub ist Europa auf die Türkei angewiesen.

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    Tags:
    Pipeline, Gaslieferung, Turkish Stream, Recep Tayyip Erdogan, Wladimir Putin, Türkei, Russland