02:50 16 Dezember 2018
SNA Radio
    Weiß, männlich, heterosexuell – deswegen verlieren fünf Briten ihren Job

    Weiß, männlich, heterosexuell – deswegen verlieren fünf Briten ihren Job

    CC0 / www_slon_pics
    Kommentare
    Zum Kurzlink
    Wladimir Kornilow
    3110024

    Der Fall, den gerade Mitarbeiter einer der größten Werbeagenturen Europas initiiert haben, könnte durchaus zum Präzedenzfall werden. Es geht darum, dass fünf weiße heterosexuelle Männer, Mitarbeiter der Londoner Agentur J. Walter Thompson (JWT), entlassen wurden, weil sie weiß, männlich und heterosexuell sind.

    Jetzt werfen sie ihrem früheren Arbeitgeber Diskriminierung und eine Art „neuen Rassismus“ vor.

    Alles begann damit, dass die Kreativdirektorin der Agentur, Jo Wallace, sich auf einer Pressekonferenz zum Thema „Vielfalt“ im Werbegeschäft als Lesbe outete und quasi versprach, das Image ihres Unternehmens als „Paradies für weiße, britische, privilegierte, heterosexuelle Männer“ zu zerstören.

    Zuvor hatte sie in einer Kolumne ihre Kollegen aufgerufen, nicht nur über „Gleichheit“ und „Vielfalt“ zu reden, sondern auch entsprechend zu handeln. Unter anderem verlangte sie, das Gerede von der Notwendigkeit, „besonders talentierte Menschen“ anzustellen, zu stoppen und Frauen, Vertreter bzw. Vertreterinnen von ethnischen und sexuellen Minderheiten voranzubringen und jedenfalls „die Kultur der weißen männlichen Überlegenheit“ zu vernichten.

    Als die erwähnten fünf Männer diese Aussage hörten, wandten sie sich an die Personalabteilung von JWT mit der Frage, was diese Politik für sie persönlich bedeuten könnte. Und einige Tage später wurden sie über ihre Entlassung benachrichtigt. Jetzt wollen sie diese Entscheidung ihrer Vorgesetzten juristisch anfechten, und zwar wegen Diskriminierung nach dem Rassen- und Geschlechterprinzip.

    Auffallend ist, dass diese fünf Männer vor allem von diversen Aktivisten angegriffen werden, die für die „Vielfalt“ kämpfen. Sie warfen den JWT-Mitarbeitern, die ihre Rechte verteidigen wollen, vor, „überreagiert“ zu haben. Die Aktivistin Cindy Gallop sagte dazu beispielsweise: „Früher habt Ihr Privilegien genossen, und jetzt haltet Ihr die Gleichheit für Unterdrückung.“ Es sieht so aus, dass die fünf Männer bald des Rassenhasses und des Versuchs, für ihre Arbeitsrechte zu kämpfen, angeklagt werden könnten.

    Dieser Fall ist eigentlich ein Beweis dafür, dass im Rahmen des Kampfes für die Rassen- und Geschlechtergleichheit im Westen inzwischen der Begriff „Gleichheit“ missbraucht wird. Indem die zahlreichen Aktivisten die Entlassung von weißen Männern, die Frauen lieben, begrüßen, lassen sie sich nicht von dem Umstand stören, dass sie dadurch die Entstehung einer neuen Bevölkerungskategorie provozieren, die unterdrückt wird. Aber was bleibt denn heterosexuellen Menschen, wenn sie eine erfolgreiche Karriere machen wollen? Etwa das Geschlecht wechseln? Sich als homosexuell „outen“?

    Dabei lassen sich diese aggressiven Aktivisten nicht nur die Versuche der gestrigen „privilegierten Mehrheit“, sich zu wehren, nicht gefallen, sondern verurteilen sogar jegliche Andeutungen, dass die „positive Diskriminierung“ dieser Mehrheit ausgebremst werden sollte.

    In den USA wird beispielsweise die neue TV-Serie „The Romanoffs“ intensiv besprochen, die von Amazon Prime Video ausgestrahlt wird. Da wimmelt es von gewöhnlichen westlichen Klischees in Bezug auf Russland und die Russen (Balalaika, Samowar, Wodka, Faberge-Eier usw.) – aber das ruft überhaupt keine Diskussionen über den im Westen zum Trend gewordenen Russland-Hass hervor. Dafür hat die Zeitschrift „The Atlantic“ den Regisseur der Serie, Matthew Weiner, scharf kritisiert, der nämlich versuchte, teilweise Männer zu verteidigen, die im Rahmen der Kampagne #MeToo der sexuellen Belästigung von Frauen beschuldigt werden.

    Besondere lächerlich ist, dass die Autorin des entsprechenden Beitrags in „Atlantic“ diese Andeutung in einem Zitat aus einem Gedicht von Alexander Puschkin erkannt haben will. Dabei wurde dieser als „bekannter Schürzenjäger“ bezeichnet. Dabei hat der Autor offenbar keine Ahnung davon, dass dieses Gedicht einen gewissen Hintergrund hatte und dass Puschkin damit die Verfolgung einer Freundin verurteilen wollte.

    Noch schlimmer fand die „Atlantic“-Journalistin aber, dass einer der Protagonisten in „The Romanoffs“ sagte:

    „Eine lügnerische Klage ist das schlimmste Verbrechen, das begangen werden kann. Denn jeder kann über jeden etwas sagen – und seine Worte zerstören jemandes Leben, egal, was dieser getan oder nicht getan hat. Ob das gerecht ist? Nein, das ist ungerecht!“

    Das fand die Reporterin total empörend und fragte, wieso die Zerstörung des Rufs eines Mannes ein schlimmeres Verbrechen als die sexuelle Belästigung einer Frau sei. Und das Argument, dass mit einer lügnerischen Klage das Leben eines anständigen und schuldlosen Mannes ruiniert werden kann, nennt sie „ungeschickt und untauglich“. Denn wie kann man Männer verteidigen, wenn viele von ihnen tatsächlich „Schürzenjäger“ sind – genauso wie Alexander Puschkin?!

    Es ist offenbar inzwischen so, dass die westliche Gesellschaft eine Phase erreicht hat, in der sie im Kampf gegen die „privilegierte Mehrheit“ nicht nur die Gleichberechtigung verachtet, sondern auch die Unschuldsvermutung. Es stellt sich plötzlich heraus, dass solche Begriffe nichts wert sind, wenn es sich um weiße Männer handelt, die zudem – oh, Schreck! – heterosexuell sind. Aber einst gab es doch Zeiten, als die westliche Gesellschaft diese Begriffe als grundlegend für ihre Demokratie hielt…

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Heterosexuelle, Gleichheit, Toleranz, Lesben, Schwule, Diskriminierung, Werbung, Homosexualität, Großbritannien