02:33 17 Dezember 2018
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    Dollar-Beerdigung in EU: Wird Russland zum Leichenschmaus eingeladen?

    © Sputnik . Michail Kutusow
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    Iwan Danilow
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    Bei genauerer Betrachtung des Informationskrieges der US-Propagandamaschinerie gegen die Versuche, die Hegemonie des US-Dollars herauszufordern, fällt auf, dass Russland und die EU sich in dieser Frage ganz unterschiedlich verhalten.

    Während Moskau seine Pläne für die Abkehr vom Dollar vorwiegend geheim hält, haben proamerikanische EU-Beamte der Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg die entsprechenden Pläne Brüssels bereits eine Woche vor deren Verabschiedung verraten.

    Die Situation ist für die EU deprimierend, doch wenn dieser Plan umgesetzt wird, können selbst die proamerikanischen EU-Politiker nichts daran ändern. Selbst eine langsame Umsetzung des Plans, die in strategischen Dokumenten der EU-Kommission beschrieben ist, würde das Öldollarsystem in seiner jetzigen Form zunichtemachen. Ein bemerkenswertes Detail dieses Plans ist, dass er ohne Russland nicht funktionieren wird. Das heißt, dass Paris und Berlin ihre eigenen antirussischen Pläne bremsen müssen, weil Moskau bei dieser wichtigen Frage gebraucht wird.

    Das ambitionierte Vorhaben der EU wurde sicherlich nicht von Politikern, sondern von praxisorientierten Finanzexperten erstellt. Vielleicht beteiligt sich sogar EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker daran, der in seiner früheren Funktion als Premierminister Luxemburgs langjährige Erfahrungen als Leiter eines erfolgreichen europäischen Offshore-Gebiets hat. Er weiß genau, wo sich die Schwachstellen des Dollar-Systems befinden.

    Der wichtigste Punkt: Der Import von Energieträgern soll nicht in Dollar, sondern in Euro abgerechnet werden. Damit wollen sich die Europäer vor Sanktionen schützen. Gegen wen und welche Sanktionen sich Brüssel schützen will, liegt auf der Hand. „Der Preis der Energiefrage“ liegt bei rund 341 Milliarden Dollar pro Jahr. So viel kostet der Import von Energieträgern in die EU.

    Zudem ist die Frage der Entdollarisierung in dem Dokument als Frage der Wiederherstellung „der europäischen Souveränität“ ausgestaltet. Washington reagiert sehr verärgert auf diese Formulierung. „Die jüngsten Herausforderungen für das internationale System der Regeln und des Handels sind ein Signal für das Erwachen im Sinne der wirtschaftlichen und monetären Souveränität der Europäischen Union“, so die Verfasser der Strategie. Das Problem besteht darin, dass sich die Weltgemeinschaft noch sehr gut an die tragischen Lebensläufe von zwei Politikern erinnert, die bereits versucht hatten, ihre Länder aus dem Öl- und Dollarsystem zu holen, und die wirtschaftliche und monetäre Souveränität zurückgewinnen wollten – Muammar Gaddafi und Saddam Hussein. Natürlich werden die Amerikaner weder Paris noch Berlin bombardieren, doch ein kleiner Putsch bzw. eine bunte Revolution – warum nicht?

    Da der europäische Plan zur Bekämpfung des Dollars von Finanzexperten und nicht von Politikern erstellt wurde, wird besondere Aufmerksamkeit auf die Marktinfrastruktur gerichtet. Dies ist nötig bei seiner Umsetzung, was in Anbetracht des Brexit besonders aktuell ist, weil mit London das wichtigste Finanzzentrum Europas der europäischen Gemeinschaft den Rücken kehrt.

    Der Vorschlag der Strategen der EU-Kommission besteht de facto darin, ein Pendant zum Londoner Finanzzentrum auf die Beine zu stellen, um eine entsprechende Infrastruktur für den geplanten Öleuro zu schaffen. Deshalb ist eine eigene Börsenplattform für Ölhandel erforderlich (aktuell gibt es im kontinentalen Teil Europas so etwas nicht, die ganze Finanzinfrastruktur für die Abwicklung des europäischen Energie-Imports befindet sich in London). Darüber braucht es einen eigenen Ölfuture-Vertrag, der in Euro gehandelt wird, gute Bedingungen für das Hedgieren von Währungsrisiken und Risiken bei Zinssätzen in Euro sowie den Aufbau eines vollständig integrierten Zahlungssystems, das elektronische Zahlungen und Bankkarten-Zahlungen einschließt, um die vollständige Unabhängigkeit des europäischen Finanzsystems zu sichern.

    Die EU rüstet sich damit de facto gegen dieselben Sanktionen wie derzeit Russlands Finanzsystem. Die Europäer versuchen, ein eigenes Pendant zum SWIFT-System (es ist zwar formell eine europäische Struktur, wird aber de facto von den USA kontrolliert), ein eigenes Bankensystem zur Beendigung der Dollar-Finanzierungen und zum Zugang zum Dollar-System zu errichten. Es ist klar, dass die oben genannten Maßnahmen der EU-Kommission nicht schnell umgesetzt werden können, doch selbst die Tatsache ihrer Verabschiedung zeigt, dass sich der transatlantische Konflikt zuspitzen wird und sich die EU-Spitze auf eine lange und ernsthafte Konfrontation mit den USA einstellt.

    Der EU-Plan kann ohne Russland, das der wichtigste Energielieferant für Europa ist, nicht funktionieren. Brüsseler Träumer von der Wiederherstellung der europäischen Souveränität haben Glück bei folgender Sache: Wie Russlands Präsident Wladimir Putin berechtigterweise sagte: „Wir beabsichtigen nicht, dem Dollar den Rücken zu kehren, der Dollar selbst kehrt uns den Rücken.“ Das schafft Bedingungen dafür, dass der russische Energie-Export künftig in Euro abgerechnet wird. Russische Öl- und Gasunternehmen fordern von den westlichen Partnern bereits einen Wechsel der Währung bei den langfristigen Verträgen. Da die Demontage der Dollar-Zone eine existenzielle Bedrohung für die Wirtschaft und das Finanzsystem der USA ist, sind drastische Gegenmaßnahmen der USA zu erwarten. Die USA werden sich bemühen, demonstrativ jene zu bestrafen, die Washingtons „exorbitante Privilegien“ wegnehmen wollen.

    Es erscheint merkwürdig, doch gerade diese US-Reaktion – die zornige Reaktion von Uncle Sam, der fordern wird, dass die Hegemonie des US-Dollar unangetastet bleibt – würde die Beziehungen zwischen der EU und Russland verbessern, trotz der vorhandenen Widersprüche.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Handelskrieg, Sanktionen, Offshore, Währung, Entdollarisierung, Euro, Rubel, Dollar, US-Notenbank FED, EU-Kommission, EU, Wladimir Putin, Jean-Claude Juncker, USA, Russland, Europa