06:23 20 Januar 2019
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    US-Präsident Donald Trump (i.d.Mitte) auf dem Militärfriedhof Arlington

    In Washington tobt Bürgerkrieg

    © REUTERS / Mary F. Calvert
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    Iwan Danilow
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    Dass eine einflussreiche Zeitung aus der US-Hauptstadt schreibt, die Vereinigen Staaten hätten den Kalten Krieg gegen Russland verloren, den sie gegen die UdSSR noch gewonnen hatten, kommt wahrlich nicht jeden Tag vor. Doch verkündet die „Washington Post“ in einem Artikel genau das. Und lässt damit tief blicken in den Zustand der US-Eliten.

    Ein Journalist, der durch Familien- und Geschäftsbande aufs Engste mit den einflussreichen Kreisen der US-Politik verknüpft ist, gibt es offen zu: „Es ist offiziell: Wir haben den Kalten Krieg verloren“. So hat Dana Milbank neulich seine Kolumne in der Washingtoner Post betitelt.

    Um die Tragweite dieser Offenbarung nachzuvollziehen, muss man wissen, dass Milbank kein gewöhnlicher Schreiber ist. Er gehört nämlich einer sehr elitären und sehr geschlossenen Studentenverbindung der Yale University an: Skull & Bones – eine Gruppe mit gerademal 2.000 Mitgliedern in ganz Amerika, einschließlich Präsidenten, Politiker, Wirtschaftsbosse und Staatsanwälte.

    Was aber kann einen so renommierten Kolumnisten dazu veranlasst haben, die Niederlage der Vereinigten Staaten im Kalten Krieg gegen Russland offen und öffentlich zuzugeben? Nun: „Bush war Präsident, als die Sowjetunion 1991 kollabierte. Doch der Triumph – der Sieg über die UdSSR und die anschließende Beherrschung ihres Nachfolgers [Russlands – Anm. d. Red.] –, den er und die Anderen 71 Jahre lang mit amerikanischem Blut und Geld errangen, hat Präsident Trump in nur zwei Jahren zugrunde gerichtet“, schreibt Milbank.

    Auffällig an dieser Ausführung ist Folgendes: Die Aufrichtigkeit des Herrn Milbank gibt all denen recht, die immer schon verstanden haben, dass es den Vereinigten Staaten nach dem Zerfall der Sowjetunion im Umgang mit Russland nicht auf Güte und Wohltätigkeit ankam, sondern auf Einhegung und „anschließende Beherrschung“.

    Es wird ja viel gelogen, die USA hätten nach dem Zerfall der Sowjetunion nur eines im Sinn gehabt: Russland durch humanitäre Hilfe und guten Rat in die Marktwirtschaft, den Wohlstand, die Freiheit und Demokratie zu führen.

    Diese professionell verbreitete Lüge sollte die Russen dazu bringen, sich dessen zu schämen, dass sie einen Wladimir Putin als Präsidenten gewählt haben, der nun – entgegen den Regeln der US-dominierten Weltordnung – sein Land wieder stärkt.

    Überhaupt ist es aus der Sicht der US-Eliten frustrierend, dass der totgeweihte russische Bär plötzlich lebendig ist und – mehr noch: sich dagegen wehrt, dass ihm die Zähne und Krallen gezogen werden und der Todesstoß verpasst wird.

    Aber zurück zu Milbank. Seine Kolumne in der „Washington Post“ liest sich wie eine böse Fortsetzung von James Mattis´ Rücktrittsschreiben an den US-Präsidenten. Er hat sein Amt bekanntlich aufgegeben, nachdem Trump den Truppenabzug aus Syrien beschlossen hatte.

    Mit dem Abzug ist Milbank ebenso wie Mattis ziemlich unzufrieden. Schließlich ist diese Entscheidung so etwas wie ein Geständnis, dass die Amerikaner in einer Schlüsselregion nicht nur gegen Russland verloren, sondern auch noch ihre Verbündeten verraten haben, in die das Pentagon und die CIA Milliarden investierten.

    Aber der größte Vorwurf, den Milbank wie Mattis dem US-Präsidenten machen, ist gar nicht Syrien, sondern sind Russland und China.

    Der Journalist zählt alles auf, was Trump seinem Amtskollegen Putin angeblich geschenkt habe: der Bruch mit der Nato, der Vorschlag Russland in die G8 wiederaufzunehmen, die Zugeständnisse an Nordkorea, die Zerlegung des US-Wahlsystems und, und, und.

    Und der nun im Prinzip schon ehemalige Verteidigungsminister wirft Trump vor, nicht aggressiv genug gegen die beiden Rivalen der Vereinigten Staaten – Russland und China – vorzugehen. Womöglich kann Mattis seinem ehemaligen Chef nicht verzeihen, dass der keinen Atomkrieg gegen die beiden Mächte ausgelöst hat.

    Was man an dieser medial ausgetragenen Abrechnung gut ablesen kann, ist der Zustand der US-Eliten. Es herrscht Bürgerkrieg in der amerikanischen Hauptstadt. Ein Teil des Establishments sieht schon ein, dass die US-Hegemonie zu Ende ist und es nicht mehr weitergeht wie bis jetzt.

    Ein anderer hält aber beharrlich an dem Glauben fest, man müsse nur so tun, als sei alles in Ordnung, dann werde sich die Lage schon bessern. Selbst dann, wenn die Gelder von US-Pensionsfonds in ausländische Staatspapiere investiert sind und die US-Rüstungsindustrie von chinesischen Zulieferern abhängig ist.

    Schon einmal standen die Vereinigten Staaten an der Schwelle zum wirtschaftlichen und politischen Totalschaden. Der Zerfall der Sowjetunion half ihnen damals aus der Patsche. Das Ausrauben der UdSSR und Osteuropas verlängerte den amerikanischen Wohlstand noch ein wenig. Hoffen wir, dass die Systemkrise in den USA, die der Zögling von Skull & Bones so eindrucksvoll beschreibt, ihr Werk diesmal vollbringen wird.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Machtkampf, Elite, Kalter Krieg, Pentagon, CIA, James Mattis, George H. W. Bush, Donald Trump, Michail Gorbatschow, Barack Obama, Wladimir Putin, Sowjetunion, UdSSR, Syrien, USA, Russland, China